Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Wendt: Justiz ging zu lasch mit Gewalttäter von Hameln um
Nachrichten Panorama Wendt: Justiz ging zu lasch mit Gewalttäter von Hameln um
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:57 23.11.2016
Im Zusammenhang mit der Gewalttat von Hameln hat Polizeigewerkschafter Rainer Wendt die Justiz scharf kritisiert. Quelle: dpa
Hameln/Hannover

Drei Tage nach dem brutalen Verbrechen an einer Frau aus Hameln, die hinter einem Auto hergeschleift wurde, ist der Zustand des Opfers gestern weiterhin kritisch. Die 28-Jährige liege immer noch im Koma und schwebe in Lebensgefahr, sagte ein Polizeisprecher. Derweil werden Fragen laut, ob Polizei und Justiz im Vorfeld der Bluttat Warnhinweise nicht genügend beachtet haben.

So hatte es in der Vergangenheit zwischen dem Opfer und dem mutmaßlichen Täter wiederholt Streit gegeben. Nach Angaben des Bruders der Frau hat der 38-jährige Mann seine ehemalige Lebensgefährtin immer wieder geschlagen. Auch seine Schwiegermutter soll er angegriffen haben: „Er hat ihr die Nase gebrochen“, sagte der Bruder. Man habe wiederholt bei der Polizei Anzeige erstattet, doch daraus sei nie etwas geworden.

Täter wurde mehrfach angezeigt

Der hannoversche Oberstaatsanwalt Thomas Klinge bestätigt, dass es mehrere Anzeigen gegeben hat. Die Untersuchungen seien später alle eingestellt worden. Zuletzt war die 28-Jährige am vergangenen Freitag, nur zwei Tage vor der Bluttat, bei der Polizei in Hameln aufgetaucht und hatte um Hilfe gebeten. Laut Klinge gab sie an, ihr ehemaliger Lebenspartner, mit dem sie nach islamischem Recht verheiratet war, habe sie einen Monat zuvor mit dem Tode bedroht.

„Ich will nur, dass das aufhört“, habe die Frau gesagt, zugleich aber angegeben, dass sie keine Angst vor ihrem Mann habe. Die Polizei nahm das ernst und suchte den Mann zu einer sogenannten Gefährderansprache auf. Dabei habe sich der 38-Jährige einsichtig gezeigt, so Klinge. Zwei Tage später legte der Mann der Frau einen Strick um den Hals, befestigte das andere Ende am Auto und schleifte sein Opfer durch die Straßen von Hameln. Hintergrund des Verbrechens ist offenbar ein Streit um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn.

Wendt: Polizei fühlt sich von der Justiz allein gelassen

Hätte die Tat verhindert werden können, wenn die Polizei schon früher konsequenter gegen den mutmaßlichen Täter vorgegangen wäre? Oberstaatsanwalt Klinge betonte, die Ermittlungen gegen den 38-Jährigen hätten nie genug Beweise für eine Anklage erbracht. Es sei auch nicht klar, ob sich die Anzeigen auf häusliche Gewalt bezogen hätten. Das werde derzeit überprüft. Damit wies Klinge Vorwürfe der Deutschen Polizeigewerkschaft gegen die Justiz zurück.

Gewerkschaftschef Rainer Wendt hatte der „Passauer Neuen Presse“ gesagt, der Tatverdächtige sei immer wieder durch Straftaten aufgefallen, aber nie im Gefängnis gewesen. Das werde sich fortsetzen: „Es wird sich ein Richter finden, der ihm auch jetzt wieder eine positive Sozialprognose geben wird“, so Wendt.

Rebehn: „Sein Vorwurf ist böswillig“

Sven Rebehn, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Richterbunds nannte die Vorwürfe „böswillig“. „Wir tun alles dafür, um Straftäter zu überführen und angemessen zu verurteilen. Aber Staatsanwälte und Richter sind auch auf gute Ermittlungsarbeit der Polizei angewiesen.

Täter und Opfer sind keine M-Kurden

Gehören das Opfer oder der mutmaßliche Täter aus Hameln zur Gruppe der Mhallami-Kurden, auch M-Kurden genannt? Mehrere Artikel haben diese Verbindung hergestellt, nachdem auch die Kurdische Gemeinde Deutschland den Hamelner Fall zum Anlass genommen hat, zu betonen, dass M-Kurden nicht zur ethnischen Gruppe der Kurden gehören. Diese Meldung ist mittlerweile online korrigiert worden, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft wiederholt betont haben, dass weder das Opfer noch der Täter M-Kurden sind.

Die M-Kurden sind in Hameln und der Region in der Vergangenheit wiederholt auffällig geworden. So kam es vor dem Hamelner Krankenhaus im Januar 2015 zu Unruhen, bei denen mehr als ein Dutzend Polizeibeamte verletzt wurden. Mitglieder der M-Kurden-Familie hatten versucht, die Klinik zu stürmen, um zum Leichnam eines Familienmitglieds zu kommen. Der junge Mann war zuvor tödlich verunglückt, als er versucht hatte, aus dem siebten Stock des Amtsgerichts Hameln zu fliehen

Von Ulrich Behmann, Markus Werning und Heiko Randermann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!