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Panorama Warum Parfüms nach Zuckerwatte duften
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11:00 22.12.2018
Zum Anknabbern: Parfüms, die an den Duft von Desserts erinnern, sind im Moment besonders angesagt – bei Frauen ebenso wie bei Männern. Quelle: Eyeem

Herr Manasse, wonach duften Sie heute?

Nach einem halbfertigen Parfüm. Ich arbeite an einem Projekt für einen Herren, für den ich einen Duft kreiere – mit holzigen Tönen.

Legen Sie jeden Morgen Duft auf?

Nö. Wieso trägt ein Artdirektor einen schwarzen Rollkragenpulli? Na, damit er sich auf seine Arbeit konzentrieren kann und nicht von flirrenden Farben abgelenkt ist. Bei mir ist das ähnlich: Ein Duft würde mich stören, wenn ich neue Düfte herstelle.

Wie sieht es bei Ihnen zu Hause aus: Wie viele Flacons stehen dort?

Auf meinem Boudoirtisch habe ich gerade mal vier Parfüms.

Und wonach entscheiden Sie, was Sie auflegen?

Wie bei jedem anderen Menschen auch – nach Stimmung. Den meisten Leuten ist gar nicht bewusst, wie sie sich parfümieren. Meistens werden sie von anderen darauf angesprochen: Ach, du bist heute auf Krawall gebürstet? Und fragen sie nach, wie der andere darauf kommt, heißt es: Du trägst doch das Parfüm, bei dem du immer auf Krawall gebürstet bist.

Welche Duftrichtung signalisiert denn aggressive Stimmung?

Bei Frauen könnten das Chypre-Parfüms sein, also eher große, raumgreifende Düfte. Und bei Herren sind das klassisch-würzige Düfte, mit denen man so richtig wie der Käpt’n rüberkommt.

Und was passt zum entspannten Tag?

Bei Herren und Damen geht es in die ähnliche Richtung: ein moderner Duft, der essbar erscheint – nach dem Motto: Heute darfst du auch an mir knabbern.

Aber wirkt das nicht eher umgekehrt: Wir legen ein Parfüm auf, und das verändert unsere Stimmung?

Ja, das auch. Parfüms aktivieren unsere Dufterinnerung. Habe ich einen Duft, den ich immer bei wildem Gekuschel trage, stelle ich mich – bewusst oder unbewusst – auf Gekuschel ein, sobald ich mich damit parfümiere.

Wie stark sind Düfte der Mode unterworfen?

Parfümtrends werden mehr oder weniger von sieben Global Playern entschieden. Doch so wie sich unsere Sehgewohnheiten verändert haben, hat sich auch unser Riechbedürfnis entwickelt. Alles soll effektvoller, stärker, größer sein.

Aber es gibt doch Klassiker wie „Chanel No 5“ …

Klar, das läuft wie geschnitten Brot.

Läuft noch immer wie geschnitten Brot: Das legendäre Parfüm "Chanel No. 5", von der Modeschöpferin Coco Chanel 1920 kreiert. Quelle: Martin Schutt/dpa

Was ist grundsätzlich im Moment erfolgreich?

Um es elegant auszudrücken: Gourmand-Düfte. Das meint alles, was lecker und essbar riecht wie „La vie est belle“, das an Zuckerwatte erinnert. Nahezu alle neueren Herren- und Damenparfüms haben Anklänge von Tonka, was sich ja auch zu einem anspruchsvollen Nachtisch verarbeitet lässt.

Es gibt Tausende von Parfüms. Wie finde ich für mich das passende?

Wer sich einen Strumpf kauft, weiß, ob der fürs Büro oder für den Golfplatz sein soll. Wer sich ein Parfüm kauft, sollte sich fragen: Wie möchte ich gesehen werden? Wie die erfolgreiche Geschäftsfrau? Wie die Grande Dame? Oder wie der Draufgänger? Wenn ich einer Verkäuferin mein Thema nenne, kann sie damit mehr anfangen als mit dem Satz: Ich suche nach einem schönen Duft. Jedes Fläschchen im Regal drückt eine Vielzahl von Emotionen aus. Als Parfümeur wandele ich auch Worte in Flüssigkeit um. Wenn mir eine Kundin sagt: Ich sehe mich mit Strohhut am Rosenstrauch, kreiere ich etwas anderes als für die Frau, die sagt: Ich sehe mich als Dancing Queen im Strobo-Licht.

Vor Weihnachten kaufen viele schnell einen „schönen Duft“ für den Partner oder die Partnerin. Ist das sinnvoll?

Nein. Ich finde es viel besser, einen Einkaufsgutschein zu besorgen, den lustig zu verpacken und nach den Feiertagen gemeinsam in die Parfümerie zu gehen und etwas Passendes auszusuchen.

Das klingt gut, doch ist die Realität anders. Wie verhindere ich, dass ich mit meinem Geschenk danebenliege?

Auch da stellt sich wieder die Frage: Wie möchte der- oder diejenige, die ich beschenke, gesehen werden?

Nichts gegen Ihren Beruf, aber ist das nicht etwas viel mit den Düften? Und dann gibt es auch noch Raumdüfte ...

Der durchschnittliche Mitteleuropäer ist täglich mit 15 bis 50 Duftkompositionen konfrontiert. Das ist wirklich zu viel. Historisch betrachtet ist die Raumbeduftung allerdings viel älter als Parfüms. Vor vielen Tausend Jahren haben die Menschen wohlriechende Dinge ins Feuer geworfen. Per Fumum heißt übersetzt ja „durch Rauch“. Ich finde eine kostbare Duftkerze in Ordnung, aber der schönste Duft entsteht für mich durch gutes Lüften, einen Blumenstrauß und den Geruch der Menschen, die dort leben.

Und wie kann ich verhindern, dass ich es mit meinem Parfüm übertreibe?

Indem ich pausiere. Wenn ich die Amaryllisknolle in den Keller trage, dann bringe ich auch das Winterparfüm dorthin – bis zum Herbst. Und wer sein Parfüm selbst nicht mehr richtig wahrnimmt, fragt die beste Freundin. Wenn die sagt, dass es reicht, dann reicht es auch.

Uwe Manasse Quelle: privat

Zur Person: Uwe Manasse ist seit 25 Jahren Parfümeur. Geboren ist er, wie er sagt, an einem „sonnigen Julitag“ 1969 in Berlin. Wer mit ihm spricht, bekommt gleich gute Laune: Manasse, der in Köln lebt, versprüht ausgesprochen heitere Stimmung – „weil ich das liebe, was ich beruflich mache“.

Mit seinem Team entwickelt er nach den Wünschen seiner Kunden individuelle Parfüms und Raumdüfte. Zudem ist Parfümeur Manasse, wie er am liebsten genannt werden möchte, viel unterwegs: Er gibt Parfümworkshops und hält Vorträge. Zurzeit interessiert er sich besonders für Sandelholz und für die Frage, wo besonders gutes Sandelholz angebaut wird.

Von Martina Sulner

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