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Panorama Ute Lemper: „Das letzte Baby war das einfachste“
Nachrichten Panorama Ute Lemper: „Das letzte Baby war das einfachste“
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00:16 15.09.2016
Die deutsche Musicaldarstellerin, Chansonsängerin und Schauspielerin Ute Lemper Quelle: dpa
Hannover

Als ihr Sohn Jonas zur Welt kam, war Ute Lemper 48 Jahre alt. Diskussionen darüber, ob es vernünftig sei, in diesem Alter – ab 35 zählen Schwangerschaften medizinisch als Risiko – nochmals Mutter zu werden, ließen und lassen sie kalt. „Ich war zu beschäftigt damit, mich um das Kind zu kümmern“, sagt Ute Lemper im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), zu dem diese Zeitung gehört.


RND
: Heute Deutschland, morgen Amerika, übermorgen Mexiko – dazu eine große Familie mit Kids in der Schule oder an der Uni – sie müssen ganz schön gut organisiert sein. Wie schaffen Sie es, den Überblick zu behalten?

Ute Lemper: Es ist ein schwieriger Balanceakt. In diesem Sommer hatte ich die Kinder den ganzen Sommer bei mir. Das machte es einfacher. Meine große Tochter bringe ich nun nach Paris zum Studium. Im Alltag ist es so, dass wenn die Kinder voll beschäftigt sind und in ihren Routinen sind, dann ist das nicht so schlimm, zumal der Papa zu Hause ist. Wir haben unsere Nanny, die längst fester Teil der Familie ist. Sie geht sehr mütterlich mit den Kindern um. Ich muss schon sagen, wir haben einen außergewöhnlichen Haushalt.

Was genießen Sie mehr – Mutter zu sein oder Künstlerin?

Ute Lemper: Das eine macht das andere glücklicher. Wenn ich nicht die Familienmutter wäre, wäre ich ein wesentlich unglücklicherer Künstler. Und da ich auch meine Erfüllung im Leben als Künstlerin finde, bin ich auch eine wesentlich leidenschaftlichere Mutter. Das Besondere und das Alltägliche wechseln sich ab.

Sie wurden zum ersten Mal Mutter mit Anfang 30 nach Jahren voller beruflichen Stresses. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ute Lemper: Ich hatte in den Zwanzigern meine Wanderjahre, hab jedes Jahr in einer anderen Stadt gelebt. Ich habe das sehr geliebt. Die Künstler waren meine Familien. Irgendwann hat es dann aber Klick gemacht. Ich hatte genug davon, immer im Zentrum meines Lebens zu stehen. Ich war bereit, generös zu sein und wollte etwas zurückgeben.

Mit 48 kam dann Jonas dazu – was war der Unterschied zum ersten Baby Max?

Ute Lemper: Physisch war die vierte Geburt wesentlich einfacher als die erste. Beim ersten Mal war es ein Schock, wenn man durch die Stadien geht. Für mich und meinen Körper war das ein absoluter Hammer. Als Max dann geboren war, war es einfach überwältigend. Das letzte Baby war im Grunde das einfachste. Die Schwangerschaft verlief problemlos, ich habe bis in den siebten Monat gesungen. Ich wusste genau, was passiert, es war Routine. Man muss nur aufpassen, dass der Stress nicht auf die Beziehung drückt. Mein Credo: positiv bleiben und genießen.

Ihr Ältester wird Investmentbanker – ein ganz schön deutlicher Kontrast zu einer so kreativen Person wie ihnen.

Ute Lemper: Er ist sehr zufrieden, arbeitet in New York. Er ist ein sehr sozialer Mann mit viel Charme, der es liebt, mit Menschen zusammenzuarbeiten. Er hat schon eine künstlerische Ader und ist ein sehr intuitiver junger Mann. Er will ein schönes Leben haben, und das ist als Künstler eben schwierig, weil auch viel Glück dazugehört. Daher hat er sich entschieden, in die Wirtschaft zu gehen. Auch das kann abenteuerlich und kreativ sein.

In New York war Ihre späte Schwangerschaft sicher kein Thema, in Europa schon. Wie empfinden Sie die Diskussion um dieses Thema?

Ute Lemper: Die Diskussion hat mich nicht interessiert. Ich war zu beschäftigt damit, mich um das Kind zu kümmern. Ich war physisch fit, habe den Körper einer 30-Jährigen und die Kraft und Gesundheit. Die Schwangerschaft war nicht gefährlich. Das Schwierigste: Ich habe vier Kinder mit vier verschiedenen Leben mit unterschiedlichen Interessen. Man kann sich nicht vierteilen. Es kann da natürlich passieren, dass einer da auch mal zu kurz kommt. Es kam auch vor, dass ich bei wichtigen Sachen leider nicht dabei sein konnte. Das andere Faktum: Das jüngste Kind benötigt nun die volle Aufmerksamkeit. Da ist es manchmal mit allem Drum und Dran sehr heavy. Jungs sind wahnsinnig aktiv, da tut mir auch schon mal der Rücken weh.

Jetzt sind sie 53 – Familienplanung abgeschlossen?

Ute Lemper: Ja, der Ofen ist aus. Das nächste Kind wird mein Enkel. Ich freue mich dann darauf, als Großmutter Baby zu sitten.

Was bedeutet für einen kosmopolitischen Menschen wie Sie Heimat?

Ute Lemper: Die Frage stell ich mir auch. Ich weiß nicht, was Heimat bedeutet. Einen Bezug dazu gibt es im Grunde nicht. Er fehlt mir auch nicht. Meine frühe Kindheit verbrachte ich in Deutschland, wuchs dort auf. Ich fühle mich dort auch zuhause. Deutschland ist meine Identität und Wurzel als Künstlerin. Ich bin aber ein Weltenbürger, habe gerne in London, Paris und Wien gelebt. Seit 18 Jahren nun ist New York meine Wahlheimat. Heimat ist also dort, wo die Familie ist.

Musikalisch beschäftigen Sie sich mit der Vergangenheit – wie sehr beeinflusst das Vergangene Ihren Alltag?

Ute Lemper: Ich hatte zuletzt mit „The Love Poems of Pablo Neruda“ und „The 9 Secrets“ zwei zeitgenössische Projekte. Mein ganz neues Projekt, „Lieder für die Ewigkeit“, ist ein ganz wichtiges für mich als Deutsche. Ich singe die Lieder, die damals in den Ghettos und KZs geschrieben worden sind. Das ist für mich eine Art Abschluss des Projekts „Entartete Musik“, das ich vor 20 Jahren aufgenommen habe und immer noch singe. Für mich schließt sich ein musikalischer Kreis, es ist die furchtbar schmerzvolle Seite der Geschichte.

Sind solche Projekte gerade in heutigen Zeiten wichtiger denn je?

Ute Lemper: In Zeiten von fliehenden Menschen, Rassen- und Religionshass sind solche Projekte besonders wichtig. Unsere deutsche Identität muss immer ein Stück dieser Schuld und Verantwortlichkeit von damals tragen.

Und was halten Sie von Vergleichen mit Marlene Dietrich?

Ute Lemper: Sie stören mich nicht. Gerade Marlene Dietrich war eine extraordinäre Frau, die ein tolles emanzipiertes Bild von Frau repräsentiert hat. Sie war eine starke Frau mit einer riesigen Karriere.

Von Carsten Bergmann

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