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Panorama Urteil nach 34 Jahren im Streit ums Arag-Erbe
Nachrichten Panorama Urteil nach 34 Jahren im Streit ums Arag-Erbe
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15:11 05.04.2017
Ein jahrzehntelanger Streit zwischen den Erben des Arag-Konzerns ist am Mittwoch vorerst zu Ende gegangen. Quelle: dpa
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Düsseldorf

„Faßbender ./. Faßbender“ steht an der Tür im fünften Stock des Düsseldorfer Landgerichts, gefolgt von einem Aktenzeichen, das Juristen die Haare zu Berge stehen lässt: 5 O 487/83. Die 83 steht für den Beginn des Verfahrens: 1983. Seit 34 Jahren dauert der Erbstreit um Anteile am Arag-Versicherungskonzern.

Am Mittwoch erging nun das Urteil im bislang längsten Rechtsstreit in der Geschichte des Landgerichts – und möglicherweise auch der Republik. Es dürfte nicht das Ende des Erbstreits markieren, sondern erst die Entscheidung in erster Instanz.

Das Testament, um dessen Auslegung es geht, ist noch älter, nämlich von 1965 und somit 52 Jahre alt. Es geht darin um das Vermächtnis von Walter Faßbender – der starb 1972. Im Testament hatte er verfügt, dass seine Anteile am Düsseldorfer Versicherungskonzern Arag in einer Hand bleiben und seinem Sohn Paul-Otto vermacht werden. Die jüngere Schwester sollte dafür einen finanziellen Ausgleich bekommen. Über dessen Höhe wird nun im vierten Jahrzehnt gestritten.

Vergleich wurde abgelehnt

Als der Fall 1983 nach jahrelangem familieninternen Zwist vor Gericht landete, mussten Sachverständige den Wert von Unternehmensanteilen für einen Stichtag berechnen, der bereits elf Jahre zurücklag. „Das ist fast unmöglich“, sagt Prof. Gerd Krieger. Der renommierte Anwalt vertritt Arag-Chef Paul-Otto Faßbender (70) seit Beginn des Rechtsstreits vor 34 Jahren. „Ich will ja auch irgendwann mal in Ruhestand gehen“, sagt Krieger – Jahrgang 1950.

Krieger ist zufrieden mit dem, was das Landgericht entschieden hat und Richterin Barbara Strupp-Müller am Mittwoch verkündet. Die vier Jahre jüngere Schwester seines Mandanten bekommt rund 3,5 Millionen Euro zugesprochen.

Dass das für sie kein Grund zum Jubel ist, kann man schon der Kostenentscheidung entnehmen: 70 Prozent der Verfahrenskosten muss die Klägerin berappen. Zehn Millionen Euro waren ihr angeboten worden, um den Streit mit einem Vergleich aus der Welt zu schaffen – vergeblich. Gestritten wird auch um Anteile an ausländischen Tochtergesellschaften, die gar nicht mehr existieren, sagt Krieger.

1984 hatte das Gericht zum ersten mal verhandelt. „Die beiden Beisitzerinnen waren da noch gar nicht geboren“, hatte Richterin Strupp-Müller bemerkt.

Berufung bereits angekündigt

Über die Verhandlungsdauer starben der Anwalt der Klägerin und ein Sachverständiger, ein weiterer wurde dement, ein neuer Anwalt und neue Gutachter mussten sich einarbeiten. „Dem Gericht kann man da keinen Vorwurf machen. Das ist unglücklich gelaufen“, sagt Anwalt Krieger. „Ich bin auch sicher, dass das noch nicht das Ende ist.“

Die Gegenseite soll bereits vor dem Urteil Berufung angekündigt haben. Sollte sie dies wahr machen, können sich Richter am Oberlandesgericht schon mal einarbeiten.

Paul-Otto Faßbender hatte den Streit als „eine unnötige Ressourcenverschwendung“ kritisiert. Nach wie vor leitet er den größten deutschen Versicherungskonzern in Familienbesitz. Seit 1998 ist er Mehrheitsaktionär und seit 2000 Vorstandsvorsitzender. „Ich will nicht die nächsten 30 Jahre weiter prozessieren“, hatte der Konzernchef betont. Er wäre dann 100 Jahre alt.

Der Vorstandsvorsitzende des ARAG Konzerns, Paul-Otto Faßbender. Quelle: dpa

Von Frank Christiansen/dpa/RND

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