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Panorama Urteil: Musikunterricht ist keine Freiheitsberaubung
Nachrichten Panorama Urteil: Musikunterricht ist keine Freiheitsberaubung
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23:23 17.02.2017
Unterricht an einer Realschule (Symbolbild): Ein Musiklehrer aus Nordrhein-Westfalen ist am Freitag vom Vorwurf der Freiheitsberaubung freigesprochen worden. Quelle: dpa
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Düsseldorf

„Das wäre für alle Lehrer ein Super-GAU geworden“, sagt die Vorsitzende des Verbandes Lehrer NRW, Brigitte Balbach. „Was glauben Sie, was nächste Woche in den Schulen los gewesen wäre?“

Ein Musiklehrer aus Neuss und seine Lehrerkollegen können aufatmen. Wegen Freiheitsberaubung und Körperverletzung hatte der Pädagoge lange auf der Anklagebank ausharren müssen. Doch am Freitag sprach ihn das Düsseldorfer Landgericht in der Berufung frei.

Eine Unterrichtsstunde über den „Teufelsgeiger“ Paganini brachte den Lehrer juristisch in Teufels Küche. Die Klasse 6 b war laut und sollte deswegen den Wikipedia-Eintrag über Paganini abschreiben. Am Ende der Stunde wollte der Pädagoge die Abschriften einzeln kontrollieren, setzte sich dazu in die Tür, schob einen Drängler zurück, der später über Schmerzen nach einem Stoß in die Magengrube klagte.

Da wählte ein Schüler per Handy den Polizei-Notruf. In der Klasse drehe ein Lehrer durch – Schüler würden geschlagen und gegen ihren Willen festgehalten. Die Polizei tauchte auf, der Schulleiter eilte herbei. Der Lehrer saß noch in der Tür, die Gitarre quer auf dem Schoß, eine Handvoll Schüler war noch im Raum.

Amtsgericht sprach Lehrer schuldig

Der Schüler, der ihn angezeigt habe, sei ihm schon in der ersten Stunde aufgefallen, in der er jene Realschulklasse in Kaarst bei Düsseldorf unterrichtet habe, erklärte der Lehrer. Weil er während des Musikunterrichts im Bürgerlichen Gesetzbuch gelesen und ihm auf seine Nachfrage erklärt habe: „Ich will Anwalt werden.“

„Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber der Schüler hat einen Stein ins Rollen gebracht, der mich auf diese Anklagebank geschleudert hat“, sagte der Lehrer. Und es kam für ihn noch dicker: In erster Instanz wurde er vom Amtsgericht Neuss sogar wegen Freiheitsberaubung schuldig gesprochen und verurteilt, auch wenn es statt Strafe nur eine Verwarnung gab.

Das Landgericht Düsseldorf sprach ihn dagegen frei – umso erleichterte reagierte der Mann aus Neuss. Die Sache habe aber einen Nachgeschmack, sagte er: „Ich habe mein Vertrauen in Staatsanwaltschaft und Polizei ein wenig verloren. Wir haben die Aufgabe, den Schülern Grenzen aufzuzeigen. Wenn man dabei von offizieller Seite demontiert wird, wird das sehr erschwert.“ Bis vor kurzem habe er seinen Beruf noch jedem empfohlen. Da sei er nun vorsichtiger. „Alle Welt sagt uns, wie wir es besser machen können, aber keiner kommt und macht es vor.“

„Das ist ein guter Tag für die Lehrerschaft“

Staatsanwältin Laura de Bruyne hatte sich bis zuletzt für eine Verurteilung des Pädagogen ins Zeug gelegt: „Es besteht kein Zweifel daran, dass er eine Straftat begangen hat.“ Die Eltern dürften schließlich darauf hoffen, dass ihre Kinder pünktlich nach Hause kämen. Nachsitzen müsse angekündigt werden. Sein Herumfuchteln sei fahrlässige Körperverletzung. Sie beantragt 15 Tagessätze Geldstrafe.

Verteidiger Andreas Vorster räumte ein: „Ja, es handelt sich um Freiheitsberaubung. Schulpflicht ist Freiheitsberaubung, das hat schon das Bundesverfassungsgericht festgestellt.“ Im Rahmen der Schulpflicht gelte aber nun einmal: Der Lehrer beende den Unterricht, nicht der Schulgong.

Das Gericht befand schließlich: Man habe keine Straftat feststellen können. Und einen kleinen Seitenhieb konnte sich der Vorsitzende Richter Rainer Drees, der das Verfahren nach eigenem Bekunden gerne eingestellt hätte, nicht verkneifen: „Es ist doch fraglich, ob es Sinn macht, so etwas zu verfolgen.“

„Das ist ein guter Tag für die Lehrerschaft. Damit ist ein disziplinierter und geordneter Unterricht in Deutschland weiterhin möglich“, sagte Anwalt Vorster.

Von RND/dpa/Frank Christiansen

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