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Panorama Ureinwohner in den USA fürchten um heilige Stätten
Nachrichten Panorama Ureinwohner in den USA fürchten um heilige Stätten
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18:56 28.05.2017
Der große Canyon im „Bears Ears“-Nationalpark steht ebenfalls zur Debatte (o. li.). Geht es nach Innenminister Ryan Zinke (o. re.), sollte das Land genutzt werden können. Quelle: Fotos: ap
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Washington

Die Spuren menschlicher Besiedlung reichen 3500 Jahre zurück. Wer die Augen offen hält, findet auf den Wanderungen durch das steinige Gelände Höhlenmalereien, uralte Lehmmauern und unzählige Kultstätten der Ureinwohner. „Bears Ears“ nennt sich die fast menschenleere Region im Süden des US-Bundesstaates Utah. Geht es nach dem Willen der neuen US-Regierung, könnte es mit diesem Denkmal amerikanischer Geschichte bald vorbei sein: Präsident Donald Trump lässt zurzeit prüfen, ob die Öl- und Gasindustrie Zugriff auf die markante Felsenlandschaft erhalten sollte.

Obama wollte die Gebiete schützen

Unmittelbar vor dem Ende seiner Amtszeit hatte Barack Obama das 5000 Quadratkilometer große Terrain zum Nationaldenkmal erklärt. Wie es in der Begründung des Weißen Hauses im Dezember hieß, sollte mit diesem Erlass eine archäologische und ökologische Besonderheit der Vereinigten Staaten für künftige Generationen gesichert werden. Tatsächlich zählen die Spuren menschlicher Besiedlung in den windigen Canyons zu den ältesten in Nordamerika. Ob es dabei bleibt, erscheint allerdings höchst ungewiss.

Regionale Politiker unterstützen Trump

Es sei höchste Zeit, die Befugnisse von der Regierung in Washington an die Bundesstaaten zurückzugeben. Vor Ort könne besser über die Verwendung des Landes entschieden werden. Flankenschutz erhält Trump von Senator Orrin Hatch: Der 83-jährige Republikaner, der seit 1977 den Bundesstaat Utah im US-Kongress vertritt, zählt zu den ersten Trump-Unterstützern in Washington und ist für seine guten Kontakte in die Rohstoffbranche bekannt. Die Landschaft rund um die markanten Berge weiträumig zum Denkmal zu erklären, komme einer Enteignung der Anwohner gleich, sagt der dienstälteste Senator. Das Land befinde sich zwar im Eigentum des Staates, werde aber traditionell von den umliegenden Rinderfarmen als Weideflächen genutzt. Die Unterstützung der regionalen Politiker sei dem Präsidenten daher sicher.

Seit die US-Regierung den Schutzstatus großer Nationalparks aufheben will, tobt ein erbitterter Streit um die historischen Stätten. Ist das historische Erbe in Gefahr?

Die industriefreundlichen Volksvertreter hatten aber offenbar nicht mit dem Widerstand der Ureinwohner und Naturschützer gerechnet: „Seit dem 19. Jahrhundert ringen wir um das Land am ‚Bears Ears’“, sagt James Adakai. Der Politologe gehört zum Stamm der Navajo und zählt zu den Wortführern des Protestes. Zum Nationalpark besitzt Adakai eine ganz persönliche Beziehung: Wie es bei seinen Vorvätern üblich war, wurde Adakais Nabelschnur nach seiner Geburt auf dem Gebiet von „Bears Ears“ begraben. „Für uns ist diese Region ein Denkmal aus Steinen und Knochen“, sagt Adakai. Ein heiliger Ort, der nicht einfach mit Bohranlagen der Ölindustrie überzogen werden dürfe. Auch sei es für die Navajos nicht hinnehmbar, wenn Rinderherden durch Orte getrieben werden, an denen die Ureinwohner ihre Verstorbenen ehren.

Bears Ears ist kein Denkmal

Dass ein Präsident die Unterschutzstellung einer Region durch seinen Vorgänger zurücknimmt, ist in der US-Geschichte einmalig. Entsprechend zurückhaltend äußert sich auch der zuständige Innenminister Ryan Zinke: „Die Region ‚Bears Ears’ verdient einen speziellen Schutz. Aber ich bin nicht davon überzeugt, dass sie als Denkmal eingestuft werden sollten“. Auch über die Größenordnung müsse neu nachgedacht werden.

Zinke sind Konflikte zwischen Ureinwohnern und Privatindustrie hinlänglich bekannt: Als früherer Kongressabgeordneter des Bundesstaates Montana war der 55-Jährige lange Zeit in Verhandlungen rund um den Naturschutz eingebunden.

Die Empfehlung soll in wenigen Tagen kommen

Viel Zeit, um in dem Konflikt zu moderieren, bleibt ihm allerdings nicht: Schon in wenigen Tagen soll Zinke dem Präsidenten eine Empfehlung vorlegen, ob „Bears Ears“ und 26 weitere große Denkmäler im Mittleren Westen ihren Schutzstatus behalten – oder die Nutzungsrechte an den Naturparks meistbietend verkauft werden.

Ureinwohner fühlen sich betrogen

Allein schon der Zeitplan sei eine Beleidigung, ist vor Ort zu hören: „Wir haben jahrelang um unsere heiligen Stätten gekämpft. Und nun will sich die neue Regierung innerhalb von 15 Tagen eine Meinung über eine so geschichtsträchtige Landschaft bilden. Das ist eine Schande“, sagt Adakai. Wie im 19. Jahrhundert stehe sein Stamm einmal mehr vor der Situation, dass ein Vertrag, den die Weißen mit den Ureinwohnern schließen, über Nacht von den Weißen zerrissen werde.

Von Stefan Koch/RND

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