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Panorama Tausende Kinder sexuell missbraucht
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19:35 05.06.2018
„Oft stammen die Täter aus der Familie“: In Deutschland werden immer mehr Kinder Opfer von Gewalt. Quelle: dpa
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Berlin

In Deutschland werden immer mehr Kinder zu Gewaltopfern. Allein im vergangenen Jahr wurden 143 im Alter von unter 14 Jahren getötet – ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent. Das ist das Ergebnis der Polizeiliche Kriminalstatistik 2017 zu kindlichen Gewaltopfern, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Die Mehrheit der Heranwachsenden war zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. Hinzu kommen weitere 77 Fälle, bei denen es bei einem Tötungsversuch blieb. „Oft handelt es sich bei den Tätern den Kindern nahe stehende Personen aus der Familie“, sagte Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA). „So ist es auch bei den Kindesmisshandlungen.“

Missbrauchszahl stagniert auf hohem Niveau

Im vergangenen Jahr wurden 4208 Kinder misshandelt. Zudem gab es 39 Misshandlungsversuche. Die Zahlen stagnieren seit mehreren Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Dies seien alles Fälle, bei denen Heranwachsende besonders schwer und besonders nachhaltig gequält und misshandelt worden seien, erklärte Rainer Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe. Hinzu kämen etwa 50.000 Anzeigen wegen Körperverletzung „wie das blaue Auge oder einmalige Schläge mit einem Gürtel oder einem Stock“.

Im Bereich der sexuellen Gewalt weist die Statistik einen minimalen Rückgang (3,64 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr auf. Doch es wurden noch immer 13.539 Kinder als Opfer registriert. „Das bedeutet, dass pro Woche über 250 Kinder Opfer von Misshandlung werden – oder mehr als 36 jeden Tag“, sagte Münch.

Riesige Grauzone

Laut BKA weist die Kriminalstatistik nur die Taten aus, die der Polizei bekannt werden. Die Grauzone sei weitaus größer, und viele Taten geschähen abseits der öffentlichen Wahrnehmung. „Wir müssen davon ausgehen, dass viele Taten unentdeckt bleiben“, sagte Münch. „Wir versuchen alles, um sexuellen Missbrauch an Kindern - egal ob im In- oder Ausland - zu stoppen.“ Die Ermittlungen würden nicht an Staatsgrenzen enden.

Münch forderte die Bürger auf, wachsam zu sein. „Wer wegschaut, so unsere Botschaft, trägt auch eine Mitverantwortung.“ Rainer Becker nimmt bei der Aufdeckung und Bekämpfung von Kindesmissbrauch alle in die Pflicht. Die Verantwortung im Kinderschutz liege bei mehreren Akteuren aus unterschiedlichen Bereichen wie Medizin, Kinder- und Jugendhilfe, Justiz, Kitas und Schulen, Fachberatungsstellen und Polizei.

Kinderpornografisches Material: Fallzahlen steigen deutlich

Auch der Kindesmissbrauch im Internet nimmt dramatisch zu: Die in der Kriminalstatistik erfassten Fallzahlen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials stiegen im Vergleich zu 2016 um gut 15 Prozent an. Insgesamt wurden 16.317 Fälle registriert.

Hauptquelle für Hinweise auf Missbrauchshandlungen im Internet sind für die deutschen Ermittler die USA. Knapp 35.000 Meldungen seien 2017 mit Bezug auf Deutschland eingegangen, erklärte Münch. „Doch bei rund 55 Prozent der strafrechtlich relevanten Hinweise, die wir im letzten Jahr insbesondere aus den USA erhalten haben, gab es mangels Vorratsdatenspeicherung keine Ermittlung der Tatverdächtigen.“

Plädoyer für Vorratsdatenspeicherung

Der BKA-Präsident plädierte deshalb dafür, Internetdaten mit längeren Fristen auch in Deutschland speichern zu können. Johannes-Wilhelm Rörig, Missbrauchsbeauftragter der Bundesregierung, unterstützt diese Forderung. „Datenschutz darf in Deutschland nicht über dem Kinderschutz stehen“, sagte er. Für Internet-Service-Provider werde in Deutschland dringend eine gesetzliche Meldepflicht im Bereich der Missbrauchsdarstellungen benötigt. Sein Ziel sei es, zu erreichen, dass sich Täter in Deutschland nicht mehr sicher vor Strafverfolgung fühlen. Die IT-Industrie habe die Pflicht, ihr Know-how und ihre Ressourcen für eine Eindämmung von Kindesmissbrauch einzusetzen.

Von Julia Polley/RND

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