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Panorama Streit um U-Bahn-Bau am Kolosseum eskaliert
Nachrichten Panorama Streit um U-Bahn-Bau am Kolosseum eskaliert
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08:13 17.11.2016
6,5 Millionen Touristen sehen sich jedes Jahr das Kolosseum an. Bauarbeiten in der Nähe des Wahrzeichens von Italien sorgen nun für Streit. Quelle: AFP
Rom

Es ist das größte Amphitheater der Welt, das Wahrzeichen Italiens und nun wieder einmal Streitthema in Rom: Das Kolosseum sei in Gefahr, warnen die Wächter der archäologischen Stätten in der italienischen Hauptstadt. Hintergrund sind Bauarbeiten an einer neuen U-Bahn-Linie. Konkret geht es dabei aber noch nicht um buddelnde Bagger – sondern um politische Ränkeleien und widerwillige Behörden.

Die neue U-Bahn-Linie C wird bis in die Nähe des Kolosseums führen. Damit das antike Bauwerk durch die unterirdischen Bohrungen keinen Schaden nimmt, sollten vier Millionen Euro zur Stabilisierung des Rundbaus bereitgestellt werden. Doch das Geld wurde bislang nicht ausbezahlt und die Hüter der antiken Bauten fürchten, dass es nach der U-Bahn-Entscheidung gar nicht mehr fließen wird.

Kritik aus den eigenen Reihen

Die neue Bürgermeisterin Virginia Raggi hat nun eingegriffen und angekündigt, die für den Ausbau der U-Bahn zuständige Gesellschaft Roma Metropolitana Bahn aufzulösen. Raggi, die der Protestbewegung Fünf Sterne angehört, begründet ihr Einschreiten mit einer Kostenexplosion, für die sie die Planungsgesellschaft verantwortlich macht.

Als die Bauarbeiten 2007 begannen, war mit Kosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro kalkuliert worden, inzwischen ist von 3,7 Milliarden Euro die Rede. „Eine blamable Verschwendung öffentlicher Mittel“, sagt Raggi.

Für ihre angekündigte Auflösung der Planungsgesellschaft hagelt es allerdings Kritik – aus den eigenen Behörden der Bürgermeisterin. „Indem sie Roma Metropolitana auflöst, lässt uns die Bürgermeisterin ohne einen Ansprechpartner zur Finanzierung der dringend notwendigen Stabilisierung des Kolosseums zurück“, sagt ein Sprecher der für die archäologischen Stätten zuständigen Behörde.

„Das Kolosseum kann nicht länger warten“, sagte Behördenchef Francesco Prosperetti italienischen Medien.  Er droht, die Bohrungen in der Nähe des Kolosseums zu blockieren. „Als Bürger möchte ich Verzögerungen beim Bau verhindern, aber als Wächter dieses Monuments bleibt mir keine andere Wahl.“

Teil des Kolosseums für Besucher gesperrt

Die neue U-Bahn-Linie C sollte den Nordwesten mit dem Südosten der Stadt verbinden. Ein Großteil der Strecke vom Südosten Richtung Zentrum wurde vergangenes Jahr eröffnet. Der Abschnitt, der zum Kolosseum führt, ist noch nicht fertig. Den darüber hinaus geplanten Ausbau Richtung Norden hat die Bürgermeisterin nun auf Eis gelegt.

Nicht nur wegen der Bohrungen für die U-Bahn-Schächte muss das Kolosseum stabilisiert werden. Auch die Erdbeben in Mittelitalien im August und Oktober haben dem fast 2000 Jahre alten Bauwerk geschadet, so dass ein Teil für Besucher gesperrt werden musste.

6,5 Millionen Touristen sehen sich jedes Jahr das Kolosseum an. Zumindest von außen bietet sich ihnen seit Sommer ein erfreulicher Anblick: Drei Jahre lang wurde die Fassade vom Schmutz der vergangenen Jahrhunderte befreit. 25 Millionen hat diese Renovierung gekostet. Das Geld dafür kam nicht von der Stadt – sondern vom italienischen Schuhkonzern Tod’s.

Von afp/RND/zys

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