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Panorama Späte Ehe nicht ausgeschlossen
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16:01 09.12.2017
Früher war es etwas anrüchig, heute ist es salonfähig, sich im Alter die Suche nach romantischer Liebe zu gestatten – und auch mit über 50 zu heiraten. Quelle: OJO Images
Hannover

Vor Jahrzehnten hat ihre kleine Schwester sie mal im Streit angezischt: “Das Einzige, was bei deiner Hochzeit weiß sein wird, sind deine Haare.“ Später haben die Schwestern gelacht über diesen absurden Fluch eines verzickten Teenagers. Zuletzt vor ein paar Wochen. Da hat Bettina geheiratet. Ihre Haare sind, wenn noch nicht weiß, so doch eindeutig silbergrau. Aber sie hat gestrahlt, als sei die Zukunft ein einziges Versprechen voller Geheimnisse und Überraschungen. Als sei sie frisch verliebt.

In Wirklichkeit liebt Bettina ihren Mann Thomas seit 41 Jahren, sie haben zusammen studiert, sie leben seit 38 Jahren in einem Haushalt, ihre Kinder sind 30, 28 und 27 und alle verheiratet. Bettina ist 61, Thomas ist 63. Sie strahlt, er grinst wie ein Honigkuchenpferd, und die versammelten Freunde, Kinder, Verwandten im Standesamt sind so gerührt wie überrascht. Er ist ihr erster Mann, sie seine erste Frau. Im Januar geht Thomas in Altersteilzeit.

Die Freunde aus der Münsteraner Studienzeit haben ihn noch in den Ohren, Thomas’ Spruch vom Ehering als Fangeisen der Liebe. Bettina und er waren sich da immer einig. Keine Konventionen. Zueinander stehen aus freien Stücken. Den Staat raushalten aus der Zweierbeziehung. Zwei erwachsene Einzelwesen bleiben. Bloß nicht so leben wie die Eltern! Ehe bedeutet verpieft, eng, zwanghaft, Paarsein hingegen anregend, aufregend, selbstbestimmt. Heiraten oder nicht heiraten war in den frühen Achtzigern keine Frage der Liebe, sondern der politischen Einstellung. Am Ende hat, so kitschig es klingt, die Liebe gesiegt. Sie tut es derzeit zehntausendfach.

Die “Silberhochzeit“ ist fester Bestandteil des Traualltags

Die Ehe ist nicht mehr ausgeschlossen, die späte erst recht nicht. Die Zahl der Trauungen, bei denen beide Partner 50 oder älter sind, hat sich in den zehn Jahren zwischen 2005 und 2015 fast vervierfacht – auf rund 83 000, das sind 20 Prozent aller Trauungen. Dabei ist die Zahl der Hochzeiten insgesamt um gerade mal 3 Prozent gestiegen. Von rund 400 000 Eheschließungen waren 83 060 Hochzeiten, bei denen beide Partner mindestens 50 Jahre alt waren. Auch wenn die Zahlen für 2016 und 2017 vom Statistischen Bundesamt wegen einer Softwareumstellung noch nicht veröffentlicht sind, bestätigen die Standesämter: Die “Silberhochzeit“ ist längst fester, wachsender Bestandteil ihres Traualltags.

Und: Es sind längst nicht mehr die zweiten und dritten Versuche, die die Statistik verändern – es sind vor allem die vielen Erst-Ehen der 50- bis 65-Jährigen. Die Generation, die das Establishment und die Spießer verachtete, entdeckt den Trost der Bürgerlichkeit. Sie kann es sich leisten. Sie hat sich ja durchgesetzt. Die Rebellen von einst haben die Gesellschaft verändert

Kein Mensch spricht mehr halb abfällig, halb süffisant von “wilder Ehe“, wenn Unverheiratete zusammenleben. “Uneheliche“ Kinder sind längst keine Diskriminierungsopfer mehr. Die Frau muss den Namen des Mannes tragen? Geschichte. Sie behält mit dem Namen auch ihre Identität. Es gibt Gesetze, die Versorgungsansprüche und Erbfälle regeln. Keiner muss keinem in Sachen Partnerschaft noch etwas beweisen. Außer, so haben es jedenfalls Bettina und Thomas empfunden, Dankbarkeit: “Es hat uns beide überrascht, als wir merkten: Das ist der Grund. Heiraten, das war so etwas wie Danke sagen für unser gemeinsames Leben, dafür, dass wir uns so lange lieben, dass es uns so gut geht.“

Krönung einer langen Beziehung

Die späte Ehe, meint der Hamburger Psychologe Markus Ernst, hat tatsächlich wenig mit Vernunft, dafür umso mehr mit Gefühlen zu tun. “Natürlich gibt es Paare, die sich mit zunehmendem Lebensalter fragen, ob der jeweils andere gut versorgt sein wird, erben kann, wenn einer stirbt; manche machen sich Sorgen um Patientenverfügungen und wollen alles rechtlich absichern.“ Aber der Paartherapeut hat gelernt: “Die meisten entscheiden sich nach einer langen Beziehung für diese noch größere Verbindlichkeit, weil sie sich auch nach außen zum anderen, zum Paarsein bekennen wollen.“

Das Gefühl, in einer unsicheren Zeit zu leben, voller Umbrüche und Krieg, mag diese Sehnsucht nach Verbindlichkeit noch fördern. “Man könnte aber auch sagen: Man hat so viel miteinander durchgehalten, man kennt sich so gut – da ist die Hochzeit tatsächlich so etwas wie die Krönung einer Beziehung.“

Der schönste Tag im Leben also doch? Anders als die jungen Paare wissen die alten, erfahrenen, dass das meistens nicht der Hochzeitstag ist. Auch wenn die Hochzeitsindustrie sie massiv umwirbt. Magazine und das Internet sind voll guter Ratschläge: “Heiraten 50 plus: Tipps für eine niveauvolle Trauung“ oder “Hochzeitskleidung für die Braut über 50“ (angeblich sind Creme, Altrosa oder Flieder schmeichelnder als Weiß) oder, schnörkellos, “Im Alter Ringe tauschen“.

Im Jahr 2015 waren von rund 400 000 Eheschließungen 83 060 Hochzeiten, bei denen beide Partner mindestens 50 Jahre alt waren. Quelle: RND

Wobei “Alter“ relativ ist. Und viel mit dem eigenen Empfinden zu tun hat. Markus Ernst hat es in seiner Arbeit als Coach bei der Onlinepartnervermittlung Parship beobachtet: “Noch vor zehn Jahren war mit Ende 50 alles auf Ruhestand eingestellt, heute begeben sich Singles, Geschiedene, Verwitwete in diesem Alter aktiv auf Partnersuche. Früher war es etwas anrüchig, heute ist es salonfähig, sich im Alter die Suche nach romantischer Liebe zu gestatten.“ Viele, fürchtet Ernst allerdings, haben sich diese Suche in jungen Jahren nicht zugestanden: “Da sind Frauen nicht anders aufgestellt als Männer, sie lassen sich Zeit für den Aufbau einer Karriere, für den Genuss des Erfolges – und um die 50 fällt ihnen auf: Da war doch noch was anderes.“

Maja Seidel, erfolgreiche Betriebswirtin in Hamburg und Single mit beginnendem Einsamkeitssyndrom, ist es mit 44 so ergangen. Dann suchte und fand sie Sebastian, Historiker, lange geschieden, eine fast erwachsene Tochter. Es ging schnell mit dem Zusammenziehen, dem Kauf eines alten Hauses, der Geburt eines gemeinsamen Sohnes. “Wir hatten ganz viele Verbindlichkeiten. Aber es hat mich gewurmt, dass Sebastian nicht noch einmal heiraten wollte.“ Maja fand das “unfair“: “Er hat das alles gehabt, das Fest, die Freude, das Versprechen – aber weil seine erste Ehe schiefgegangen ist, sollte ich gar keine haben?“ Das Thema wurde zum Streitthema, die Eifersucht auf die Ex-Frau zum Problem.

Im Oktober 2016, ihr Sohn war inzwischen acht, haben die beiden dann doch geheiratet. Und Sebastian, der sich mit 59 wegen seiner Scheidung immer noch als gebranntes Kind fühlte, sagt heute: “Ich hätte es früher tun sollen. Denn das Alte, die erste Ehe, die Maja nie hatte, wirft keinen Schatten mehr auf unsere Beziehung. Wir sind auf einem Stand – und das macht uns freier.“ Komisch. Das Hohelied der Freiheit hätte ein überzeugter Ehegegner vor 30 Jahren genauso singen können.

Von Susanne Iden

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