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Panorama Sein Name war Moore, Roger Moore!
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18:04 23.05.2017
Roger Moore 1973. Quelle: Allan warren/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
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Hannover

Die Zeiten sind vorbei, als man sich im Fernsehen erheitern ließ von Drohungen wie „Noch ein Wort und Sie können Ihr Brötchen aus der Schnabeltasse lutschen“. Aber wenn man dann doch mal eine Disc der Krimiserie „Die 2“ in den DVD-Player legt, dann sind sie Siebzigerjahre wieder da. Dann schmunzelt man vergnügt über comedisierte Action und darüber, dass Roger Moore (alias Lord Brett Sinclair) von Tony Curtis (alias US-Playboy Danny Wilde) ständig als „Euer Durchlocht“ bespöttelt wird. Man ist gerührt, wird geschüttelt und stellt fest: Mann, sah der gut aus damals, der Roger Moore.

„Die 2“ brachten es nur auf zwei Jahre, aber die Serie bescherte dem damals 45-jährigen Moore die begehrteste Rolle der Filmbranche. Ein Jahr später nur war der Sohn eines Polizisten aus London als James Bond auf der Leinwand zu sehen. Und „Leben und sterben lassen“ (1973) war die schwungvollste Bond-Sause aller Zeiten, ein Spektakel mit Voodoo, fliegenden Motorbooten und Ex-Beatle Paul McCartney, der höchstpersönlich den Titelsong sang. Trotzdem blieb Moore zeitlebens nur „der Mann, der Sean Connery ersetzte.“ Auf den supermännlichen Schotten folgte ein 007 mit Bügelfalte und Augenzwinkern. Das mit der Akzeptanz bei den alten Fans dauerte entsprechend. Moore verteidigte sich: „Ich kann nicht den kaltblütigen Killer geben, den Sean gibt“, pflegte er zu sagen, „also mach ich‘s für die Lacher.“

Moore nahm seinen Weltruhm mit Humor und seine Superheldenrolle nicht allzu ernst: „Was ist das für ein Spion, den jeder kennt?“, hinterfragte er süffisant das „geheim“ in „Geheimagent“. „Jeder Barkeeper auf der Welt stellt ihm ungefragt einen Martini hin – geschüttelt, nicht gerührt.“

Moore blieb Bond bis 1985, sieben Filme lang, bis man in John Glens „007 – Im Angesicht des Todes“ langsam einen älteren Herrn in ihm zu sehen begann und um sein Leben fürchtete, als sich Grace Jones als schwarze Amazone May Day in einer der notorischen Bettszenen der Doppelnull rittlings auf den Mann Ihrer Majestät schwang: Vorsicht, zerbrechlicher Moore!

Diesen letzten Auftritt mochte er nicht. „Ich war 400 Jahre zu alt“, gestand er später. Und als er sah, wie sein Ko-Star Christopher Walken Hunderte von Menschen mit dem Maschinengewehr niedermachte, war seine Ansicht: „Das war nicht mehr Bond.“

Wer ganz tief in den Archiven gräbt, entdeckt dort die knuffige Ritterserie „Ivanhoe“ (1958), und als „Simon Templar“ alias „The Saint“ hatte Moore bereits 1962 Ausstrahlung und Schlagkraft seines späteren 007. Es sind Actionmärchen, die heute ein wenig treuherzig wirken: Schurken blicken angestrengt schurkisch drein, Araber erinnern an Klingonen mit Schuhcreme im Gesicht. Aber Roger Moore sieht auch hier in jeder Szene gut aus. Das wusste er übrigens selbst: „Ich war so hübsch, dass es Frauen gab, die nicht mit mir zusammenarbeiten wollten.“

Gestern ist Roger Moore im Alter von 89 Jahren in der Schweiz an Krebs gestorben. Ein nobler „Englishman“, der eigentlich keine Waffen mochte, liebenswert und der Ansicht war, man sei erst dann ein Star, wenn die Leute in Wladiwostok den Namen buchstabieren könnten. Er war ein Mann aus bescheidenen Verhältnissen, den Königin Elizabeth 2003 in den Adelsstand hob – der aber auch ohne Titel natürliche Noblesse hatte. Seine Kinder Deborah, Geoffrey und Christian twitterten „Wir sind am Boden zerstört“, kündigten eine Trauerfeier in Monaco an. „Ich würde gern als einer der größten King Lears erinnert werden oder einer der größten Hamlets“, sagte Moore einmal. „Weil das nicht passieren wird, bin ich glücklich, den Bond gemacht zu haben.“

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Von Matthias Halbig/RND

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