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Panorama Schuften in der Goldmine statt Schule
Nachrichten Panorama Schuften in der Goldmine statt Schule
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21:08 10.06.2017
Ein Junge steigt in einer wilden Goldmine nahe Kéniéba im Südwesten von Mali in einen 40 Meter tiefen Schacht (undatiertes Foto). Quelle: dpa
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Kéniéba/Genf

Jungs klettern 40 bis 50 Meter tief in die Minen. Dort buddeln sie mit einfachen Werkzeugen nach Gold. Ob sich das Edelmetall tatsächlich in den Eimern voller Schlamm befindet, die ans Tageslicht gezogen werden, wissen die Kinder nicht. Sie erhalten am Ende des Tages für ihre Knochenarbeit einen mickrigen Lohn, oft auch gar nichts.

So beschreibt Patrick Rose vom UN-Kinderhilfswerk Unicef die Zustände in den wilden Goldminen um Kéniéba im Südwesten Malis. „Extreme Kinderarbeit entsteht dort, wo Menschen wissen, dass sie damit davon kommen“, sagt Rose.

Weltweit arbeiten rund 168 Millionen Kinder – viele von ihnen in Regionen, die von Konflikten und Katastrophen betroffen sind. Mit dem Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni will die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) darauf aufmerksam machen und das globale Problem bekämpfen.

„Goldrausch“ im Südwesten Malis

Das Gebiet im Südwesten Malis, nahe den Grenzen zu den westafrikanischen Ländern Senegal und Guinea, ist fruchtbarer Boden für die Ausbeutung von Kindern; die Regierung hat dort wenig zu melden. Der legitime Goldabbau internationaler Firmen in der Region habe zu einem „Goldrausch“ bei der örtlichen Bevölkerung geführt, erklärt Rose. Diese gräbt demnach wilde Goldminen, oft nicht mehr als Löcher im Boden, in die täglich Tausende Kinder steigen.

Die Goldminen in Mali oder Gruben im Kongo zeigen besonders drastisch, welche oft gefährlichen Arbeiten von Kindern verrichtet werden. Kinderarbeit kann gesundheitlich schädlich oder sogar tödlich sein. Doch vor allem hält es die Jüngsten von Bildung fern, was sie „zu einem Leben in Armut verurteilt“, wie Unicef erklärt.

Wieviel Blut klebt an unserer Kleidung?

Ein großer Anteil der rund 168 Millionen arbeitenden Kinder lebt in Asien. Nach jüngsten Zahlen der ILO tragen dort mehr als 78 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren regelmäßig zum Lebensunterhalt ihrer Familien bei. Sie verkaufen Waren auf der Straße, pflücken Baumwolle auf den Feldern oder hauen Ziegelsteine.

Besonders große Probleme in Asien bereitet die Textilindustrie: In Bangladesch, zunehmend aber auch in Myanmar, sind Kinder damit beschäftigt, Billigkleidung für den Export zu nähen. H&M und andere große Kleidungshändler haben erklärt, sie wollten gezielt gegen Kinderarbeit vorgehen. Doch dies ist eine große Herausforderung. Denn zum Beispiel ist die Praxis, mit den Papieren älterer Verwandter zum Einstellungstermin zu erscheinen, recht verbreitet.

Wo Menschen fliehen, gibt es eher Kinderarbeit

In Afrika - mehr als in allen anderen Regionen der Welt - sind Konflikte und Katastrophen für die hohe Kinderarbeit verantwortlich, wie Insaf Nizam von der ILO erklärt. Knapp 18 Millionen Menschen waren nach UN-Angaben Ende 2016 in Afrika auf der Flucht. „Wo immer Menschen vertrieben werden, gibt es einen plötzlichen Anstieg an Kinderarbeit“, sagt der Krisen-Experte. Flüchtlinge haben demnach in den Gastländern meist kein Arbeitsrecht und schicken ihre Kinder zum Geldverdienen – bei denen Behörden öfters ein Auge zudrückten als bei Erwachsenen.

„Derart große Massenvertreibungen von Menschen, wie sie momentan in Afrika stattfinden, haben wir seit Jahren nicht mehr gesehen“, sagt Nizam. Allein wegen des Bürgerkriegs im Südsudan sind demnach rund 3,8 Millionen Menschen geflohen.

Es gibt leichte Fortschritte

Auch wenn die Geflohenen arbeiten dürfen: Hohe Armut und ein Mangel an Bildungschancen für Kinder sorgen oftmals dafür, dass die Kleinen ihre Familien finanziell unterstützen müssen, wie Nizam erklärt. Kinder arbeiten demnach in fast allen Bereichen des informellen Arbeitsmarkts - von der Landwirtschaft bis zum Bergbau.

In Konflikten breche zudem oft die Rechtsstaatlichkeit zusammen, einzelne Gruppen nähmen die Gesetze selbst in die Hand, sagt Nizam. So würden Kinder oft von Konfliktparteien rekrutiert – als Spione, Gepäckträger, Arbeiter oder Soldaten.

Zwar gibt es aus Sicht der Vereinten Nationen Fortschritte. Zwischen 2000 und 2012 ist demnach die Zahl der arbeitenden Kinder um fast 78 Millionen zurückgegangen. Allerdings müsse sich noch viel tun, sagt Nizam. Er verlangt unter anderem, dass Geflüchteten der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert werden sollte und Bildung bei der Flüchtlingshilfe eine größere Rolle spielen müsste. Er warnt: „Vor allem in Afrika wird Kinderarbeit weiterhin ein Riesenproblem sein.“

Von Gioia Forster und Christoph Sator, dpa

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