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Panorama Schülerin fürchtete ihren späteren Mörder
Nachrichten Panorama Schülerin fürchtete ihren späteren Mörder
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11:02 14.05.2018
Im Dezember 2017 soll der Flüchtling Abdul S. die 15-jährige Mia erstochen haben. Quelle: dpa
Darmstadt

Der mutmaßlich aus Afghanistan stammende Flüchtling Abdul D. soll am 27. Dezember des vergangenen Jahres soll seine 15-jährige Ex-Freundin Mia in einem Drogeriemarkt in Kandel (Rheinland-Pfalz) erstochen haben. Jetzt gibt es neue Details zu der Tat, wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf die Anklageschrift berichtet.

Demnach soll der etwa 20-jährige Mann, der sich dem Mädchen gegenüber jünger ausgegeben hatte, aus Rache Nacktbilder der Schülerin im Internet veröffentlicht haben. Er habe sie dort auch beschimpft und mit der Veröffentlichung der Fotos erpresst haben. Das habe das Mädchen ihrem neuen Freund berichtet. Sie sei lediglich deswegen noch mit D. zusammen gewesen und habe Angst, er könne ihr etwas antun.

Bereits vor der Trennung des Paares Anfang Dezember 2017 soll D., der in Afghanistan mit einer Cousine verlobt sein soll, das Mädchen mehrfach geschlagen, sie gewürgt und angeschrien haben, um ihr zu verdeutlichen, dass sie sein Eigentum sei. Auch ins Gesicht habe er sie immer wieder geschlagen.

Abdul S. und Mia lernen sich in der Schule kennen

Anlass zum Streit bot dem Bericht zufolge auch der Kleidungsstil der 15-Jährigen: Als das Mädchen im Schwimmbad einen Bikini trug, sei D. ausgerastet.

Kennengelernt hatte sich das Paar 2016 in der Schule. Die 15-Jährige besuchte den jungen Mann häufig in der Jugendeinrichtung, wo er mit seinem Onkel lebte. In einem Drogeriemarkt stach er schließlich sieben Mal auf Mia ein. Ein Stich in die Herzgegend war tödlich. Motiv für die Tat sollen übersteigerte Eifersucht und Rache gewesen sein.

Der Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt, soll nach bisheriger Einschätzung des Landgerichts als Jugendlicher behandelt werden. Dies würde auch bedeuten, dass der Prozess nicht öffentlich sein wird, wie ein Gerichtssprecher in Landau mitteilte.

Über das Alter des Mannes herrscht immer noch Unklarheit: „Nach vorläufiger Bewertung der bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Altersbestimmung des Angeklagten geht die Kammer ... in Anwendung des Zweifelsgrundsatzes (in dubio pro reo) davon aus, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte“, erklärte der Sprecher. Die als Jugendkammer fungierende zweite Strafkammer führe dazu allerdings noch weitere Ermittlungen durch.

Nach dem Mord an der 15-jährigen Mia in einem Drogeriemarkt war die Betroffenheit im rheinland-pfälzischen Kandel groß. Quelle: dpa

Nach der Registrierung beim Jugendamt Frankfurt am Main wurde das Alter des Angeklagten zum Tatzeitpunkt mit 15 Jahren angegeben. Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft geht aber von einem Mindestalter von 17,5 Jahren und einem wahrscheinlichen Alter von etwa 20 Jahren aus.

Im Strafrecht werden 18- bis 21-Jährige als Heranwachsende geführt. Auch ein Angeklagter in dieser Altersgruppe wird nach Angaben des Sprechers dann nach Jugendstrafrecht behandelt, wenn er „zum Tatzeitpunkt bei Betrachtung seiner Entwicklung noch einem Jugendlichen gleichstand“.

Auf Mord steht im Strafrecht für Erwachsene eine lebenslange Freiheitsstrafe. Für Heranwachsende im Jugendstrafrecht beträgt die Höchststrafe zehn Jahre Gefängnis, erkennt das Gericht eine besondere Schwere der Schuld, sind maximal 15 Jahre Haft möglich.

Seit dem Tod der 15-Jährigen kommt es in Kandel immer wieder zu fremdenfeindlichen Demonstrationen und Gegendemonstrationen. Ein Termin für den Prozessbeginn steht noch nicht fest.

Von RND/are/dpa