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Panorama Sandra Hüller: „Ich war auf keiner Waldorfschule“
Nachrichten Panorama Sandra Hüller: „Ich war auf keiner Waldorfschule“
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07:00 23.10.2017
Einen Oscar holte sie zwar nicht, dafür mangelt es nicht an Angeboten aus Hollywood.Getty
Berlin

Sie gilt als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation: Sandra Hüller. Für „Tony Erdmann“ heimste sie eine Oscar-Nominierung ein, jetzt wird sie im dritten Teil der Schulkomödie „Fuck Ju Göhte“ zu sehen sein.

Frau Hüller, Sie springen vom lakonischen Witz in „Toni Erdmann“ direkt zum knalligen Humor in „Fack ju Göhte 3“: Was ist da passiert?

Ich betrachte meinen Beruf als Forschungsaufgabe. So eine Schulkomödie ist mir noch nie angeboten worden. Die Gelegenheit war also günstig, auch wenn der Film nicht so recht in mein Profil passt. Eine Figur im Arthouse-Kino oder am Theater hat schon noch mal eine andere Dimension – das Leben funktioniert nicht nach Pointen. Andererseits: Was soll das überhaupt sein: mein Profil? Wieso soll ich nur Sachen machen, die ich kann?

Wieso? Sie haben es doch gekonnt.

Weiß ich nicht. Werden wir ja sehen.

Hand aufs Herz: Wann haben Sie sich die ersten beiden „Göhte“-Filme angeschaut?

Zugegeben, den ersten im Fernsehen. Den zweiten bei der Vorbereitung auf die Rolle.

Sehen Sie den Film als eine Radikaltherapie, um von der Unternehmensberaterin Ines aus der mit Preisen überschütteten Tragikomödie „Toni Erdmann“ loszukommen?

Nee, aber natürlich hat sich mir die Frage gestellt, wie es nach „Toni Erdmann“ weitergehen soll. Der Film war für alle ein einschneidendes Erlebnis. Ich hatte das Gefühl, nicht einfach nahtlos weitermachen zu können.

Man sagt Ihnen nach, im Spiel vor gar nichts Angst zu haben: Brauchten Sie auch für diese Rolle Mut?

Ich darf ja nicht so viel verraten. Aber ich mache schon Sachen, die ich vorher noch nie gemacht habe. Ich musste über bestimmte Angstgrenzen hinweg.

Dürfen wir auf eine ähnlich furiose Szene hoffen wie die Nacktparty in „Toni Erdmann“?

Nein, nein, eine Nacktparty wird es nie wieder geben. Die ist einzigartig.

Die Neue im Kollegium (v. li.): Sandra Hüller, Elyas M’Barek und Jella Haase. Quelle: Constantin Film

Verlagern Sie Ihre Auftritte momentan gezielt in Richtung Komödiantin?

Da habe ich gar keine Pläne, hatte ich noch nie. Ich lasse mich von den Dingen treiben, die auf mich zukommen.

Nach der Oscar-Nominierung für „Toni Erdmann“ müssen vor allem viele internationale Angebote auf Sie zugekommen sein. Sehen wir Sie demnächst im US-Kino?

Nächstes Jahr drehe ich erst mal einen französischen Film mit der Regisseurin Justine Triet. Auch aus den USA gab es nach unserem Hollywoodausflug zu den Oscars Nachfragen. Aber es wurde nie ganz klar, wie ernst diese gemeint waren. Als deutschsprachige Schauspielerin kann ich meinen Lebensmittelpunkt aber auch nicht einfach nach Los Angeles verlegen, schon gar nicht mit meiner Tochter.

In „Fack ju Göhte“ verstärken Sie das Lehrerkollegium: Wie fügt sich Biggi Enzberger ein?

Frau Enzberger ist so eine Art Feuerlöscher. Sie ist zur Stelle, wenn es brennt. Leider verursacht sie auch Funkenflug. Lassen Sie sich überraschen.

Frau Enzberger veranstaltet im Film ein Anti-Mobbing-Seminar – erfolgreich?

Für den Moment auf jeden Fall. Aber ob sich in den Köpfen der Schüler festsetzt, es künftig besser zu lassen, sich gegenseitig auf die Fresse zu hauen, weiß ich nicht. Die Szene hat aber auf jeden fall Riesenspaß gemacht: Ich stand vor 250 Statisten, also Schülern, in der Turnhalle des Gymnasiums Kirchheim und sollte zwischen angeblichen Mobbingopfern und -tätern vermitteln. Vor allem aber musste ich die Schüler unterhalten. Da habe ich gemerkt, vor welcher Herausforderung Lehrer jeden Tag stehen, ihre Schüler mit einem Thema einzufangen.

Haben Sie aus Ihrer Schulzeit etwas für die Schauspielerei mitnehmen können?

Mit 17 hat mich die Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin genommen, mit 18 habe ich dort angefangen. Vorher habe ich schnell mein Abi gemacht und meinen Führerschein. Wenn ich in der Schule etwas gelernt habe, dann zuallererst, mich durchzubeißen. Wir Schüler sind ziemlich hart miteinander umgesprungen. Das war keine Waldorfschule.

Glauben Sie, dass die Auseinandersetzungen an Schulen heute noch härter sind?

Schwer zu beurteilen. Ich nehme Schule aus der Perspektive einer Mutter wahr. Meine Tochter hat mir schon Situationen geschildert, bei denen ich gern dabei gewesen wäre. Aber sie muss nun mal lernen, sich durchzukämpfen. Das ist Teil des Lebens.

Gehen Sie nach diesem Film anders in den nächsten Elternabend?

Respekt vor Pädagogen hatte ich immer: Meine Eltern sind Erzieher.

Mögen Sie eigentlich alte Pennälerfilme wie „Die Feuerzangenbowle“?

Irgendwann habe ich den mal gesehen. Und dann haben wir die Bowle ausprobiert.

Von Stefan Stosch/RND

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