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Panorama Roberto Blanco: Seit 80 Jahren für jeden Lacher gut
Nachrichten Panorama Roberto Blanco: Seit 80 Jahren für jeden Lacher gut
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16:08 07.06.2017
Dort, wo Roberto Blanco auftaucht, muss Spaß sein. Sein Image als Stimmungskanone hat der fast 80-Jährige jahrzehntelang aufgebaut. Quelle: Foto: dpa
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Hannover

Manche nennen ihn gemeinerweise den „Ein bisschen Spaß muss sein“-Sänger. Weil, wo immer man ihn einlädt, er dieses Lied singen muss. Aber Roberto Blanco, der am 7. Juni 80 Jahre alt wird, ist kein Ein-Hit-Wunder. Es waren gleich drei Riesenhits, die ihm binnen eines einzigen Jahres einen ewigen Platz in den Chroniken des deutschen Schlagers beschert haben.

Der erste in diesem Dreigespann war im Dezember 1971 „Ich komm zurück nach Amarillo“, die deutsche Version eines Tony-Christie-Hits. „Ein bisschen Spaß muss sein“ (Platz 15) kam im Advent darauf heraus und machte die besinnliche Jahreszeit temperamentvoll. Der schönste der drei aber lag im Juni dazwischen, das Tom-Jones-Original „Der Puppenspieler von Mexiko“.

Aber bitte mit Sahne: Roberto Blanco 1978 zu Gast in Hannover. Quelle: Decker

Erzählt wurde in Ralph Siegels Text die Geschichte eines Marionettenspielers, der in seinem Wirkungsort Albuquerque „einmal traurig und einmal froh“ war. Im Sommer 1972 kannte dieses Lied jedes Kind mit Kontakt zu Radio oder „ZDF-Hitparade“, obwohl es nur bis Platz 49 der Singlecharts stieg. Und obwohl es auch nachdenkliche Worte im Text gab, man sich fragte, weswegen der Puppenspieler wohl traurig war, wurden Song und Sänger als veritable Stimmungskanonen empfunden. Roberto Blanco war keine Playbacklippe, tunkte mit seiner dunklen, volltönenden Stimme jedes Wort in Lebensfreude. Sein Grinsen war dabei das breiteste der Welt, seine Bewegungen das fließend runde Gegenstück zum eher eckigen Tanzgebaren der Deutschen. Einer, den jeder mögen musste. Aber eben auch einer, der viel Spott ertragen musste in seiner Laufbahn. Nicht nur, weil sich seine Auftritte seit Jahrzehnten kaum verändert haben, sondern weil er für viele Arten von Unterhaltung zu haben und für keinen noch so müden Scherz zu schade ist. Rudi Carrell nannte ihn seinen „einzigen Freund“. Der begeisterte Franz Josef Strauß trug ihm die CSU-Ehrenmitgliedschaft an. Dem bayerischen Landesvater dankte Blanco schlagfertig: „Wir Schwarzen müssen zusammenhalten.“

Tänzerisch: Roberto Blanco und seine Freundin Luzandra Straßburg während der Goldenen Kamera im März dieses Jahres. Quelle: dpa

Als Roberto Zerquera wurde er im französischen Protektorat Tunesien geboren, Sohn kubanischer Eltern, seine Mutter Mercedes Blanco starb, als er zwei Jahre alt war, sein Vater tourte mit einem Tanzorchester. 1956 kam er nach Deutschland. Auf einem Flug von Madrid nach Frankfurt beeindruckte der junge Mann, der mehrsprachig mit den Stewardessen scherzte, den Regisseur Alfred Weidenmann, der ihn im Film „Stern von Afrika“ besetzte. In dem Kriegsdrama war Blanco der lustige Laufbursche eines deutschen Fliegerasses. Er gewann dann die Fernsehshow „Dem Nachwuchs eine Chance“. Und mit „Du musst immer lachen“ gab ihm 1957 Josephine Baker im Kurhaus Wiesbaden den besten Rat. Den er befolgt – bis heute. Und er lacht. Auch wenn die Trennung von Ex-Frau Mireille nach 40 Jahren Ehe schwierig verlief, auch wenn das gestörte Verhältnis zu Tochter Patricia medial durchgekocht wurde. Auch wenn er überall vom „bisschen Spaß“ singen muss, wo er doch auch Blues kann und Bossa nova und obwohl er laut Ohrenzeugen besser und mississsippiger Jerome Kerns „Ol‘ Man River“ singt als jeder andere. „Heute so, morgen so“ – das geht bei ihm nicht. Anders als sein „Puppenspieler von Mexiko“ scheint Blanco niemals traurig.

Mit eigener Fernsehshow: Roberto Blanco 1976. Quelle: dpa

Vielleicht ist eine neue Version dieses Songs ja auf einer der zwei neuen Platten, die der Mann derzeit ankündigt. Eine, die in den USA entstand, die andere mit „Spaß“-Autor Christian Bruhn, die auch ein Liebeslied an seine 39 Jahre jüngere zweite Ehefrau Luzandra enthalten soll. Man könnte den „Puppenspieler“ diesmal als folkiges Protestlied gegen Präsident Trumps Umgang mit Mexikanern vermarkten. Dann wäre der laut Liedtext im amerikanischen Albuquerque/New Mexico lebende Held des Schlagers traurig, weil er in der steten Furcht des Illegalen lebt, aus den USA ausgewiesen zu werden.

Von Matthias Halbig/RND

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