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Panorama Prozess zum Loveparade-Unglück hat begonnen
Nachrichten Panorama Prozess zum Loveparade-Unglück hat begonnen
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11:07 08.12.2017
Ort der Trauer: Bei dem Loveparade-Unglück waren in einem Gedränge am einzigen Zu- und Abgang 21 Menschen gestorben. Quelle: dpa
Düsseldorf

Mehr als sieben Jahre nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg mit 21 Toten hat am Freitag in Düsseldorf ein Strafprozess gegen zehn Angeklagte begonnen. Sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters Lopavent müssen sich wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Bei dem Unglück am 24. Juli 2010 waren in einem Gedränge am einzigen Zu- und Abgang der Technoparade 21 Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren erdrückt worden. Mindestens 652 wurden verletzt.

Der mit Spannung erwartete Prozessauftakt hat schon am frühen Morgen die ersten Zuhörer zum Gerichtsgebäude gezogen. Einige standen bereits um 7 Uhr vor der Düsseldorfer Kongresshalle. Der Prozess sollte um 09.30 Uhr beginnen. Aus Platzgründen hat das Landgericht Duisburg die Hauptverhandlung in die Halle verlegt. Rund 500 Menschen finden darin Platz.

Aus Platzgründen hat das Landgericht Duisburg die Hauptverhandlung in die Halle verlegt. Quelle: dpa

„Ich habe mich gefreut, dass endlich der Prozess losgeht. Jetzt bin ich mir aber nicht mehr sicher, ob ich das heute überhaupt schaffe“, sagte Nebenkläger Manfred Reißaus vor Prozessbeginn. Er fühle sich sehr unruhig und nervös. Reißaus hatte seine Tochter Svenja bei dem Unglück verloren.

Beobachter erwarten wegen der vielen Beteiligten und zahlreichen Beweismittel einen der umfangreichsten Prozesse der Nachkriegszeit. Unklar ist, ob die Anklage am ersten Tag verlesen werden kann. „Ob das heute der Fall sein kann, bleibt abzuwarten, da möglicherweise mit Anträgen der Verteidigung zu rechnen ist, die das verhindern könnten“, sagte Gerichtssprecher Matthias Breidenstein am Freitag. Insgesamt seien 70 Anwälte am Verfahren beteiligt, 38 aufseiten der 65 Nebenkläger und 32 Verteidiger der 10 Angeklagten. Drei Staatsanwälte sind beteiligt. Notfallseelsorger stehen für Gespräche mit Angehörigen und Traumatisierten bereit.

Urteil muss bis Juli 2020 fallen

Besonders wichtig werde die Frage, ob das Zugangssystem zum Loveparade-Gelände geeignet gewesen sei, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Duisburg, Anna Christiana Weiler. Sie zeigte sich zuversichtlich, dass vor Eintritt der Verjährung im Juli 2020 ein erstes Urteil gesprochen wird.

Die Anklageschrift umfasst 556 Seiten. Die Staatsanwaltschaft Duisburg spricht darin von schwerwiegenden Fehlern bei Planung und Genehmigung. Auch seien Sicherheitsauflagen nicht überwacht worden. Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Gibt es bis Ende Juli 2020 kein erstes Urteil, verjähren die Vorwürfe.

Ermittlungen dauerten mehr als dreieinhalb Jahre

Der Weg zum Prozess war lang. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauerten mehr als dreieinhalb Jahre. 96 Polizisten vernahmen 3409 Zeugen und sichteten Videomaterial in einer Gesamtlänge von rund 1000 Stunden. Fünf Staatsanwälte und ein Abteilungsleiter waren mit dem Fall befasst.

Mehr als zwei Jahre lang prüfte dann eine Kammer des Landgerichts Duisburg die Anklage, ließ sie am Ende aber nicht zur Hauptverhandlung zu. Eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht Düsseldorf dagegen hatte Erfolg. Eine andere Kammer des Landgerichts Duisburg wurde mit der Hauptverhandlung beauftragt.

Hauptakte umfasst 53 500 Seiten

Der große Umfang des Verfahrens spiegelt sich auch in der Menge der Akten wider: Die sogenannte Hauptakte, die beim Prozess in Griffweite der Richter steht, umfasst derzeit 117 Bände mit 53 500 Seiten. Hinzu kommen rund 1000 Ordner mit Beweismitteln und weiteren Unterlagen sowie rund 1000 Stunden Videomaterial mit den Aufnahmen von Überwachungskameras und Handys.

Nicht angeklagt sind der später abgewählte Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sowie der Fitnessstudio-Unternehmer Rainer Schaller („McFit“), der einige Jahre vor dem Unglück über sein Tochterunternehmen Lopavent die Rechte an der Loveparade erworben hatte. Es lägen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass die beiden selbst Einfluss auf die fehlerhafte Planung oder die Erteilung der Genehmigung genommen hätten, hatte die Staatsanwaltschaft bei Anklageerhebung mitgeteilt. Beide sollen aber als Zeugen aussagen. Wann, ist noch offen.

Von RND/dpa

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