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Panorama Prozess um eine mörderische Wette
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07:00 21.12.2017
„Das war eine Extremsituation“: Der Anschlag auf den Bus hat tiefe Spuren bei der Fußballmannschaft des BVB hinterlassen. Quelle: Foto: dpa
Dortmund

TV-Shows, Jahresrückblicke, Talkrunden – Hans-Joachim Watzke ist derzeit ein gefragter Gesprächspartner. Der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund muss sich aber nicht nur zum Trainerwechsel von Peter Bosz auf Peter Stöger äußern. Am Donnerstag beginnt vor dem Dortmunder Landgericht der Prozess um den Bombenanschlag auf den BVB-Mannschaftsbus. Noch heute fällt es Watzke schwer, über die Geschehnisse vom 11. April zu reden: „Das war schon eine Extremsituation.“

Im Stadion herrschte am Abend eine beängstigende Stille

Auch im Stadion. Dort, wo Fußball wie kaum irgendwo sonst gelebt wird, herrschten am Abend des 11. April eine beängstigende Stille, Leere und Angst. Zehntausende Fans von Borussia Dortmund hatten sich im Signal-Iduna-Park auf die Champions-League-Partie gegen den französischen Vertreter AS Monaco gefreut – und mussten nun einen Schock verdauen: Auf den Mannschaftsbus der Borussen war ein Bombenanschlag verübt worden.

Das angebliche Motiv des mutmaßlichen Attentäters Sergej W., der viel Geld auf einen fallenden Aktienkurs beim einzigen an der Börse notierten deutschen Klub gewettet haben soll, macht das Attentat zu einem beispiellosen Verbrechen in der deutschen Kriminalgeschichte. Laut Anklage kaufte W. in der Woche vor dem Anschlag für mehr als 26 000 Euro Optionsscheine und Kontrakte – und schloss damit sozusagen eine Wette auf einen fallenden Kurs der BVB-Aktie ab. Wäre der Kurs tatsächlich auf einen Euro abgerutscht, hätte der 28-Jährige mehr als eine halbe Million Euro Gewinn gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 28-Jährigen aus Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) deshalb 28-fachen Mordversuch und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion vor. Heimtückisch, aus Habgier und mit gemeingefährlichen Mitteln habe der Elektrotechniker gehandelt, so die Anklage. W., der 2003 seine russische Heimat verlassen hat und inzwischen einen deutschen Pass besitzt, behauptet bisher, er habe in Dortmund lediglich Urlaub gemacht.

Bis zur Festnahme vergingen zehn Tage

Zehn Tage nach der Tat wurde W. festgenommen, nachdem die auffälligen Finanzgeschäfte durchleuchtet worden waren. Außerdem fanden die Ermittler offenbar Hinweise darauf, dass er vor dem Anschlag zahlreiche Elektroartikel gekauft hatte, die für den Bau einer Bombe verwendet werden könnten.

Die Ermittler sind deshalb davon überzeugt, dass der 28-Jährige am 11. April drei selbst gebaute Sprengsätze in einer Hecke am Mannschaftshotel L’Arrivee des BVB im Dortmunder Süden deponiert hat. Als das Team schließlich gegen 19 Uhr für die Fahrt zum Stadion eingestiegen war und der Bus sich langsam in Bewegung setzte, soll er von einem Hotelzimmer aus die Bomben mithilfe von Fernzündern zur Explosion gebracht haben. Metallsplitter flogen als todbringende Geschosse durch die Luft. Ein Polizist, der den Bus auf einem Motorrad begleiten sollte, erlitt ein Knalltrauma. Außerdem drangen Splitter in den Bus ein und verletzten dort BVB-Abwehrspieler Marc Bartra, der mit einem Bruch des Unterarms ins Krankenhaus gebracht werden musste. Das Attentat hinterließ bei allen Beteiligten tiefe Spuren. Lange Zeit wurden die BVB-Profis nach Angaben Watzkes psychologisch betreut: „Wir haben intensiv beobachtet, ob sich bei dem einen oder anderen Spieler eine posttraumatische Störung entwickelt hat. Diese Gefahr ist nach fünf, sechs Monaten am größten. Das hatten wir alles auf dem Schirm.“

„Wir dachten alle, dass wir jetzt sterben“

Besonders die Schmerzensschreie des Spaniers Bartra blieben den Profis lange in Erinnerung. Eindringlich schilderte sein Landsmann Mikel Merino im „Guardian“ die Atmosphäre im Bus. „Wir dachten alle, dass wir jetzt sterben. Einige Spieler haben sich auf den Boden geworfen und den Busfahrer angeschrien, dass er uns wegbringen soll. Wir wussten ja nicht, ob es noch mehr Bomben geben würde. Oder ein Killerkommando in den Bus stürmt und uns erschießt.“ Der Schock saß tief. Mehrere Spieler von Borussia Dortmund haben sich deshalb nun dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen.

Von dpa/RND

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