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Panorama Prozess um Tafel Schokolade endet mit Vergleich
Nachrichten Panorama Prozess um Tafel Schokolade endet mit Vergleich
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21:26 26.07.2017
Symbolbild. Quelle: dpa
Heidelberg

Im Prozess um die fristlose Kündigung einer Heilerziehungspflegerin unter anderem wegen einer Tafel Schokolade haben beide Seiten einem Vergleich zugestimmt. Die Entlassung werde in eine Abmahnung umgewandelt und das Arbeitsverhältnis der 64-Jährigen in einer Hilfseinrichtung fortgesetzt, entschieden beide Parteien am Mittwoch vor dem Arbeitsgericht in Heidelberg.

Der Arbeitgeber, eine Hilfseinrichtung auch für behinderte Kinder, hatte der Frau nach mehr als 30 Arbeitsjahren gekündigt – unter anderem mit dem Vorwurf, eine Tafel Schokolade einer Kollegin gegessen zu haben. Die Frau wies die Anschuldigungen des wiederholten Diebstahls und der Verstöße gegen die Hausordnung zurück. Sie verwies darauf, die Schokolade im Wert von gut zwei Euro ersetzt zu haben.

Ihre Mandantin hätte der Kollegin gleich sagen sollen, dass sie die Schokolade gegessen habe, räumte Anwältin Michaela Weltner ein. Grundsätzlich müsse aber ein „Geben und Nehmen“ in einem Team möglich sein. Der Vorwurf, die Frau habe die Dienstwaschmaschine privat genutzt, zähle nicht, da dies nicht kategorisch verboten gewesen sei.

Die Gegenseite warf der 64-Jährigen wiederholte Verstöße vor. „Wir reden hier im Einzelfall über geringwertige Dinge, aber es kam in den vergangenen Wochen zu einer Häufung“, sagte Anwalt Marco Schahandeh.

Richter Daniel Obst schlug am Ende der knapp zweistündigen Verhandlung den Vergleich vor. Beide Parteien stimmten zu.

Für Experten gelten solche Fälle als sogenannte Bagatelldelikte. Der bekannteste dürfte der Streit um die Berliner Kassiererin „Emmely“ sein, die zwei Pfandbons im Wert von 1,30 Euro eingelöst hatte und fristlos entlassen wurde. Das Bundesarbeitsgericht erklärte die Kündigung 2010 für unverhältnismäßig – und damit für unwirksam.

Von RND/dpa