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Panorama Polizisten loben Kollegen, die Mann mit Down-Syndrom erschossen haben
Nachrichten Panorama Polizisten loben Kollegen, die Mann mit Down-Syndrom erschossen haben
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17:34 07.12.2018
Am Tatort im Zentrum von Stockholm wurden Blumen niedergelegt. Quelle: Janerik Henriksson/dpa
Stockholm

„Ihr seid eine Ehre für unsere Truppe“, schreibt ein Polizist in einer geschlossenen Facebook-Gruppe an jene drei Polizisten, die im August einen 20-Jährigen mit Down-Syndrom in Stockholm erschossen haben. „Ich hoffe, dass alle Kollegen den gleichen Beschluss gefasst hätten wie ihr.“

Mit dem Kommentar des Mannes in der Facebook-Gruppe geht die Debatte um den Tod von Eric Torell weiter. Der 20-Jährige war am 2. August mit seiner Spielzeugpistole von zu Hause ausgerissen, die Eltern meldeten den jungen Mann, der sowohl das Down-Syndrom als auch Autismus hatte, als vermisst. Der Mann konnte nach Aussagen seiner Eltern nur „Mama“ sagen und nicht sprechen.

25 Schüsse auf jungen Mann

Wie genau es zum fatalen Aufeinandertreffen mit der Polizei im Zentrum von Stockholm kam, ist noch unklar. Kurz vor 4 Uhr in der Nacht wurde auf Torell geschossen, im Krankenhaus wurde er für tot erklärt. Die drei Polizisten gaben insgesamt 25 Schüsse auf ihn ab, wovon drei tödlich waren.

Die Polizisten, die als jung und unerfahren gelten, gaben an, sich in einer bedrohlichen Situation befunden zu haben und aus Notwehr gehandelt zu haben. Die Untersuchungen zu dem Fall dauern noch an, Ergebnisse werden in der Woche vor Weihnachten erwartet.

Emotionale Debatte

In Schweden wurde die Debatte um den Tod des jungen Mannes emotional geführt. Während die einen die Polizisten in Schutz nehmen und ihnen unterstellen, selbst Angst um ihr Leben gehabt zu haben, prangern viele vor allem die 25 abgegeben Schüsse an. „Polizisten, die so in Panik geraten, dass sie 25 Mal auf einen Mann mit Down-Syndrom schießen müssen, können wir in der Öffentlichkeit nicht gebrauchen“, kommentierte eine Schwedin auf Facebook.

Am Freitag berichtete die Tageszeitung Expressen nun über die Aussagen der Polizisten. Die Zeitung habe Zugang zur geschlossenen Gruppe „Unterbezahlt, unzufrieden, verdammt“, in der sich 7500 aktuelle und ehemalige Polizisten tummeln.

„Ihr habt eine kluge Entscheidung getroffen, zu schießen“

„Ihr habt eine kluge Entscheidung getroffen und ich hätte auch so gehandelt“, schrieb der Polizist. 500 Personen klickten auf „Gefällt mir“. Der Beitrag wurde bereits im August veröffentlicht, allerdings war zu diesem Zeitpunkt schon bekannt, dass Torell eine Spielzeugwaffe bei sich trug, am Down-Syndrom litt und 25 Mal auf ihn geschossen wurde.

In den Kommentaren zum Beitrag klagen Polzisten darüber, dass sie durch den Vorfall generell negativ von Massenmedien betrachtet würden. Sie gaben Torells Eltern die Schuld am Vorfall, sie hätten darauf achten müssen, dass er nicht wegläuft.

Politiker fordert mehr Demut von Polizei

Starke Kritik äußern die Polizisten auch an einem Kollegen und Politiker, der öffentlich sagte, die Polizei solle mehr Demut zeigen. In einem Gastbeitrag in „Expressen“ schrieb dieser: „Wenn man nun weiß, dass der Tote unbewaffnet, ungefährlich, ohne böse Absichten und in seinem Handlungsrahmen eingeschränkt war, müssen wir einräumen, dass Fehler gemacht wurden.“

Unter dem Artikel des „Expressen“ finden sich bereits Hunderte Kommentare. „Es ist Zeit, dass 500 Polizisten versetzt werden“, schreibt ein Mann – er bezieht sich auf die Gefällt-mir-Angaben unter dem Facebook-Post. Eine Frau kommentiert: „Es ist so peinlich, dass nicht einmal die Polizei weiß, was richtig ist“. Eine andere schreibt: „Wie kann man nur so gefühllos sein, sich nachher so zu äußern?“

Nach wie vor gibt es aber auch Zuspruch: „Die Polizei ging in dieser Nacht sicher nicht raus und hat sich gedacht: Wir suchen einen Unschuldigen, den wir erschießen können“, schreibt ein Mann. Ein anderer: „Die Polizei musste eine schwere Entscheidung treffen, die sich im Nachhinein als total falsch erwiesen hat. Das Wort Ehre ist in diesem Zusammenhang aber trotzdem fehl am Platz.“

Von RND

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