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Panorama Pflege als lukratives Geschäftsfeld der Mafia
Nachrichten Panorama Pflege als lukratives Geschäftsfeld der Mafia
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19:33 30.05.2017
Pflege ist ein milliardenschweres Geschäft, das auch Kriminelle anzieht.  Quelle: dpa
Düsseldorf

 Für den Vize-Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK) ist die Sache ziemlich klar. Das milliardenschwere Geschäft mit pflegebedürftigen Menschen ist in Deutschland „ein Geschäftszweig der organisierten Kriminalität geworden“, sagt Ulf Küch. „Das ist deren neues Geschäftsmodell, denn es ist ein Wachstumsmarkt.“

Der Profit sei beim Pflegebetrug hoch und das Entdeckungsrisiko gering: „Die Ermittler müssen jede falsch abgerechnete Behandlung nachweisen. Das ist besonders bei älteren, dementen Patienten sehr schwer. Deswegen binden wir nun Sozialämter, Gesundheitsbehörden und Krankenkassen ein.“

Bei bundesweiten Ermittlungen soll sich demnach inzwischen ein Verdacht gegen 230 ambulante Pflegedienste ergeben haben. Dem Bericht zufolge sind NRW, Berlin, Niedersachsen, Brandenburg und Bayern regionale Schwerpunkte. Gesteuert wurden die kriminellen Netze demnach überwiegend von Berlin aus. Die Verdächtigen stammten häufig aus Russland oder der Ukraine.

Trotz allem: Die allermeisten arbeiten seriös

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wirft Bund und Ländern vor, es „der organisierten Kriminalität in der Pflege zu leicht“ zu machen. Es fehle an Schwerpunktstaatsanwaltschaften und speziellen Ermittlungsgruppen, sagte der Stiftungsvorsitzende Eugen Brysch.

Bereits im vergangenen September waren Polizisten zu einer bundesweiten Razzia ausgerückt. Rund 500 Polizisten, Staatsanwälte, Zöllner und Steuerfahnder waren im Einsatz. BDK-Vize Küch warnt allerdings davor, die Pflegeunternehmen nun unter Generalverdacht zu stellen: „Die allermeisten arbeiten seriös.“

Von RND/dpa