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Panorama Obama, Merkel, Luther: Das erwartet Sie auf dem Kirchentag 2017
Nachrichten Panorama Obama, Merkel, Luther: Das erwartet Sie auf dem Kirchentag 2017
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11:56 24.05.2017
Auf der Straße des 17. Juni in Berlin stehen am 22.05.2017 in Vorbereitung auf den Evangelischen Kirchentag Straßenabsperrungen und ein großes Kreuz.  Quelle: dpa
Berlin

 Fragen und Antworten zum Kirchentag:

Was ist eigentlich ein Kirchentag?

Zum Deutschen Evangelischen Kirchentag kommen alle zwei Jahre in einer anderen Stadt mindestens 100 000 Protestanten zusammen. Bei dem fünftägigen Treffen gibt es Vorträge und Podiumsdiskussionen zu aktuellen kirchlichen, sozialen und politischen Themen, Bibelarbeiten und Gottesdienste, aber auch reichhaltiges Kulturprogramm. Der Kirchentag versteht sich vor allem als Forum für Laien, er will Christen zusammenführen und im Glauben stärken.

Was ist dieses mal das Besondere?

Dass ein Kirchentag in zwei Städten stattfindet, gilt als Novum. Geschuldet ist es dem Jubiläum zu 500 Jahren Reformation, das die evangelische Kirche in diesem Jahr groß feiert: Der Überlieferung nach brachte Reformator Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an der Wittenberger Schlosskirche an. Das Datum gilt als Beginn der Reformation. Wittenberg sollte also 2017 eingebunden sein, auch wenn die Stadt für die Ausrichtung eines Kirchentages eigentlich zu klein ist. Weitere Neuheit: Parallel zum Kirchentag gibt es in den „Reformationsländern“ Sachsen, Sachsen- Anhalt und Thüringen sechs kleinere „Kirchentage auf dem Weg“.

Was ist in Berlin und Wittenberg geplant?

Rund 2500 Veranstaltungen stehen in Berlin auf dem Programm: Diskussionen, Workshops, Gottesdienste, Bibelarbeiten, Ausstellungen, Konzerte, Theateraufführungen - die Liste ist lang. Zu den Höhepunkten gehören gleich drei Eröffnungsgottesdienste. Dann folgt am Himmelfahrtstag eine Diskussionsrunde mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem früheren US-Präsidenten Barack Obama vor dem Brandenburger Tor als absolutes Highlight. Der große Abschlussgottesdienst findet dann am Sonntag auf den Elbwiesen vor den Toren Wittenbergs statt.

Wie viele Besucher werden erwartet?

In Berlin sollen rund 100 000 Teilnehmer mit einer Dauerkarte unterwegs sein, hinzu kommen bis zu 15 000 Tagesbesucher. In vielen Stadtteilen gibt es Veranstaltungen, der Schwerpunkt liegt in der Innenstadt und auf dem Messegelände in Charlottenburg. Bei Obamas Auftritt am Brandenburger Tor ist Platz für 80 000 Menschen, beim Abschlussgottesdienst in Wittenberg für etwa 200 000.

Wo sind die Besucher untergebracht?

Die Hotels in Berlin sind mit Ausnahme einiger teurer Luxusherbergen nahezu ausgebucht. Den Veranstaltern gelang es zudem, rund 15 000 Privatquartiere zu finden. Bis zu 60 000 gerade jüngere Kirchentagsteilnehmer und Helfer übernachten in etwa 200 Schulen in Berlin und seinem Umland. Viele Besucher des Abschlussgottesdienstes in Wittenberg verbringen die Nacht vor Ort unter freiem Himmel.

Wie kommen die Kirchentagsbesucher von A nach B?

Logistisch ist das Treffen durchaus eine Herausforderung, auch wenn die Metropole Berlin Großveranstaltungen und Besucherströme gewohnt ist. S- und U-Bahnen, Busse und Trams fahren teils mit längeren Betriebszeiten und in dichterer Taktfolge als üblich, das Kirchentagsticket gilt als Fahrschein. Komplizierter wird das Unterfangen, Zehntausende Kirchentagsbesucher am Festwochenende ins 100 Kilometer entfernte Wittenberg zu bringen. Dazu setzt die Bahn ab Sonntag 04.00 Uhr Shuttle-Züge ein, die alle zehn Minuten fahren.

Und was ist mit dem Thema Sicherheit?

Veranstalter und Polizei sehen nach dem Anschlag in Manchester keine Notwendigkeit, das Sicherheitskonzept für den Kirchentag in Wittenberg grundsätzlich in Frage zu stellen. „Unsere Sicherheitsüberlegungen sind gut und umfangreich“, sagte ein Sprecher der Organisatoren am Dienstag. Die Ereignisse in Manchester habe man aber genau beobachtet. Ein Großaufgebot der Polizei, etwa 5500 freiwillige Helfer, 1300 medizinische Einsatzkräfte sowie zusätzlich ein Sicherheitsunternehmen sollen für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Bei großen Veranstaltungen wird es erstmalig in breiterer Form Taschenkontrollen geben, bestimmte Großveranstaltungen will die Polizei auch mit Barrieren gegen Anschläge mit Lastern sichern.

Wie viel kostet eigentlich so ein Kirchentag?

Die Veranstalter kalkulieren mit rund 23 Millionen Euro, etwa die Hälfte davon bezahlt der Staat. Durch Eintrittskarten, Spenden und Sponsoring nimmt der Kirchentag 7,3 Millionen Euro ein, die Kirche gibt 3,2 Millionen Euro. Das Land bezuschusst die Veranstaltung mit 8,4 Millionen Euro, der Bund mit zwei Millionen Euro und das Land Brandenburg mit 1 Millionen Euro. Hinzu kommen Projektzuschüsse von 500 000 Euro sowie sonstige Zuschüsse von 585 000 Euro. Die umfängliche Mitfinanzierung einer Kirchenveranstaltung durch den Staat stößt immer wieder auf Kritik.

Von RND/dpa/kha