Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Nora Illi: IS-Terror „bitterharte Langzeitprüfung“
Nachrichten Panorama Nora Illi: IS-Terror „bitterharte Langzeitprüfung“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:31 07.11.2016
Am Sonntag saß Islamistin Nora Illi (32) vollverschleiert in der ARD-Talkshow „Anne Will“. Quelle: dpa
Hannover/Berlin

„Im Islam hat die Frau ganz viele Rechte und Möglichkeiten!“ Da sitzt also eine Frauenbeauftragte im Vollschleier und verteidigt den Islam als freiheitliche Religion in Frauenfragen. Das war nicht nur bizarr. Das wirkte auf viele Zuschauer empörend und bigott.

Die Frage ist weniger, warum Nora Illi solche Dinge sagt. Extremistische Geisteshaltungen sind mit Argumenten selten aus dem Weg zu räumen. Die Frage ist eher, warum sie überhaupt in die Sendung eingeladen wurde. Stellenweise klang es, als sitze da die Sprecherin einer mächtigen Interessenvertretung, die mit Eloquenz und Beharrungsvermögen die teuflischen Auswüchse des Islamismus verharmlost, vertuscht und mehr noch: die geradezu dafür wirbt, Verständnis für Teenager zu haben, die es in die Fänge des Islamischen Staates zieht. Aus muslimischer Sicht sei „nichts daran auszusetzen, im gelobten Syrien gegen die Schergen Assads und für Gerechtigkeit zu kämpfen“, sagte sie. „Eine solche Überzeugung muss man, in den hiesigen Kontext übersetzt, als Zivilcourage hoch loben.“

IS-Terror als „Langzeitprüfung“ verharmlost

Zivilcourage? Seither reißt die Kritik vor allem in den sozialen Netzwerken nicht ab: Warum darf eine Vertreterin einer islamistischen Splittergruppierung vor fünf Millionen Zuschauern im deutschen Fernsehen weitgehend unwidersprochen ihre kruden Ansichten ausbreiten? In von der Redaktion eingeblendeten Zitaten verharmloste Illi den IS-Terror als „bitterharte Langzeitprüfung“, als handele es sich um ein fröhliches Abenteuercamp mit Lagerfeuer und Zirkeltraining. IS-Propaganda im Ersten?

Nora Illi Quelle: NDR

Auch Talkgast Wolfgang Bosbach (CDU) kritisierte Anne Will und Illi heftig. Gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte der Innenpolitiker: Die Redaktion der Sendung müsse sich die Frage stellen: „Warum wird das im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt?“ Warum ist Bosbach aus Protest dann nicht einfach aus dem Studio gegangen? „Wer geht, nimmt sich selber die Chance, dagegen zu halten“, sagte er am Montag. „Auch wenn es schwer fällt: sitzen bleiben und argumentieren ist die bessere Form des Protestes.“ Bei der ARD und in der Redaktion solle man sich nun mit der Frage befassen, ob durch die nicht unerwartete jüngste Illi-Provokation die Schmerzgrenze im Aufmerksamkeits-Wettbewerb überschritten wurde. CDU-Generalsekretär Peter Tauber kritisierte sarkastisch, er habe Sorge, dass die ARD demnächst „Herrn Assad als Menschenrechtsbeauftragten ankündigt“, wenn eine Frau im Ganzkörperschleier (Nikab) als „Frauenbeauftragte“ vorgestellt werde.

Talkgast Wolfgang Bosbach (CDU): „Auch wenn es schwer fällt: sitzen bleiben und argumentieren ist die bessere Form des Protestes.“ Quelle: NDR

Falsch verstandene Toleranz von naiver Anne Will

Sicher ist: Es war keine Sternstunde für Anne Will. Wieder hat eine öffentlich-rechtliche Talkshowredaktion das Sendungs- und Selbstbewusstsein eines islamistischen Gastes unterschätzt, wie schon 2014, beim Auftritt des Islampredigers Abdul Adhim Kamouss bei „Günther Jauch“.

Will selbst wirkte überfordert, auch überrascht, ging möglicherweise aus falsch verstandener Toleranz heraus zu nachsichtig mit Illi um. Zu naiv ihre Fragen („Fühlen Sie sich nicht unterdrückt?“), zu ausweglos der Ansatz, sich der kaum gesprächsbereiten 32-Jährigen mit Vorsicht und bemühtem Verständnis zu nähern. „Es gehört zu unserem Werteverständnis, dass wir uns mit den Meinungen anderer auseinandersetzen. Und das tun wir hier auch“, sagte sie in der Sendung. Das Problem: Extremismus ist keine Meinung.

Moderatorin Anne Will wirkte überfordert, überrascht und naiv. Quelle: NDR

Illi bereits 2012 bei „Maischberger“

Illi, die vierfache Mutter aus dem Berner Multikulti-Stadtviertel Bümpliz, Tochter eines deutschen Psychotherapeuten und einer Sozialpädagogin, vertritt nicht etwa weite Teile der Schweizer Muslime, sondern lediglich rund 3000 Sektierer, höchstens 0,5 Prozent der Schweizer Muslime. Eine neue oder originelle Stimme ist sie nicht: 2012 war sie bereits bei „Maischberger“ zu Gast. Man hätte wissen können und müssen, dass ein ausgewogenes Gespräch mit ihr kaum möglich ist. In ihrer Heimat werden sie und ihr ebenfalls islamistisch aktiver Ehemann längst weithin als medial erfahrene Provokateure belächelt, die öffentliche Anfeindungen fast zu suchen scheinen.

Der NDR verteidigte Illis Auftritt gestern als „notwendige Auseinandersetzung“, die „zahlreiche Erkenntnisse geboten“ habe. Wer die Sendung gesehen hat, musste das Gegenteil empfinden.

Von Imre Grimm und Dieter Wonka/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schock im Jobcenter Wandsbek: Eine Mitarbeiterin wird mit Säure angegriffen. Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus und fahndet mit schnellem Erfolg nach dem mutmaßlichen Täter.

07.11.2016

Umgestürzte Bäume, weggefegte Dächer, überschwemmte Straßen: Unwetter mit einem Tornado haben in Italien schwere Schäden angerichtet. In der Nähe von Rom starben zwei Menschen, mehr als 20 wurden verletzt.

07.11.2016

In Frankreich soll erstmals ein Samsung-Handy der Modellreihe Galaxy J5 explodiert sein.

07.11.2016