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Panorama Muslimische Teenager mischen ihre Heimat mit Heavy Metal auf
Nachrichten Panorama Muslimische Teenager mischen ihre Heimat mit Heavy Metal auf
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09:00 24.06.2017
Firda Kurnia (v. li.), Widi Rahmawati und Euis Siti Aisyah sind Voice of Baceprot. Quelle: dpa
Jakarta

Die Wände vibrieren, wenn die drei Mitglieder der indonesischen Band Voice of Baceprot über die Bühne rocken. Sie sind laut und schrill, wie sich das für eine Heavy Metal-Band gehört. Doch die drei jungen Musikerinnen sind auch Muslimas. Über den engen Jeans tragen sie weite T-Shirts. Die Haare sind mit einem schwarzen Kopftuch verdeckt.

Auch wenn die drei Zehntklässlerinnen Firdda Kurnia, Eusi Siti Aisyah und Widi Rahmawati nicht wie die typischen Rocker aussehen, so singen und spielen sich die Teenager trotzdem mit viel Energie den Frust von der Seele. In ihren Liedern geht es um religiöse Toleranz, Gedankenfreiheit und Klimawandel. Wie die meisten Teenager sind sie voller Ideale, aber auch voller Ängste, was die Zukunft bringen wird.

Von Sorgenkindern zu Musikstars

Letzteres hat sie überhaupt erst zur Musik gebracht. Denn noch vor drei Jahren waren die drei Mädchen die Sorgenkinder ihrer muslimischen Schule in Garut in West-Java. Sie wurden von den Mitschülern gemobbt, waren renitent und galten als Problemschüler. Musik könnte ihnen helfen, dachte ihr Lehrer Abah Erza damals und ließ die drei heutigen Bandmitglieder seine Musiksammlung durchstöbern.

Dort stießen die drei auf Heavy Metal und waren sofort infiziert. „Ich habe mich in Metal verliebt, als ich es zum ersten Mal hörte”, sagte die 16-jährige Firdda Kurnia, die Sängerin und Gitarristin der Band, dem britischen „Guardian“. „Es fühlte sich so rebellisch an, ich glaube, wir haben uns selbst in der Musik gefunden.“ Ihren Namen Voice of Baceprot (VoB) haben sie deswegen auch nicht zufällig gewählt. Baceprot ist ein sundanesisches Wort und lässt sich als „laut“ übersetzen. Der Name passt zu ihrem Musikstil und ihrer Musikauswahl. Dem Sender SBS sagte Kurnia, dass sie Metal ausgewählt hätten, weil „es am besten unsere Angst und die Ängste der Jugend“ widerspiegele.

Gegenwind vom konservativen Islam

Ihre Leidenschaft für Heavy Metal teilen die drei Mädchen mit keinem geringeren als dem indonesischen Präsidenten Joko Widodo, der ein erklärter Fan der Gruppen Megadeth, Lamb of God, Metallica und Napalm Death ist. Auch er entwickelte seine Begeisterung, als er gerade 14 Jahre alt war. Doch West-Java, wo die drei Teenager eine muslimische Schule besuchen, ist bei weitem nicht so liberal wie Indonesiens Hauptstadt Jakarta, wo Widodo regiert. Ganz im Gegenteil: Die Gegend gilt als eine der konservativsten Regionen Indonesiens, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde.

Zwar galt der südostasiatische Inselstaat, wo fast 90 Prozent der 250 Millionen Einwohner Muslime sind, bisher als moderat, doch seit einiger Zeit werden vermehrt islamistische Stimmen laut, die inzwischen auch immer mehr in das tägliche und politische Leben eingreifen. Auch Firdda, Siti und Widi haben bereits Drohungen und Beschimpfungen einstecken müssen – aus dem eigenen Land wie auch aus dem Ausland, wo sie mitunter wegen ihres muslimischen Glaubens angefeindet werden. Auch die Eltern der Mädchen hatten Bedenken.

Heavy Metal muss nichts Schlechtes sein

„Viele Leute denken, dass Metal-Musik etwas Teuflisches ist, aber wir zeigen eine andere Schattierung, eine andere Seite der Musik”, sagte Erza Satia, die inzwischen der Manager der Band ist, dem „Guardian“. „Wir können Metal spielen und unsere Moral schützen”, bestätigt Firdda Kurnia. „Natürlich passen der Islam und Metal zusammen.“ Metal sei ja nur ein Musikgenre. „Da Problem ist, dass es oft mit schlechten Dingen in Verbindung gebracht wird, aber das muss ja nicht sein.“

Die drei Teenager wünschen sich, „ihre andere Form des Metals“ – wie sie es auf ihren T-Shirt-Aufdrucken nennen, auch im Ausland bekannt zu machen. Facebook-Fans haben sie schon in aller Welt. Doch jetzt wollen sie noch gerne ein Album herausbringen und am liebsten auch in Großbritannien, in den USA oder in einem arabischen Land auftreten.

Von Barbara Barkhausen/RND

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