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Panorama Moorbrand: Bundeswehr feuerte Raketen gar nicht ab
Nachrichten Panorama Moorbrand: Bundeswehr feuerte Raketen gar nicht ab
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18:34 23.09.2018
Löscharbeiten beim Moorbrand auf dem Bundeswehr-Testgelände. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Meppen

Auch drei Wochen nach Ausbruch des Moorbrandes auf einem Bundeswehrgelände im Emsland ist ein Ende des Großeinsatzes gegen Rauch und Flammen nicht in Sicht.

Derweil steht die Bundeswehr weiter in der Kritik. Die neueste Entwicklung: Wie jetzt bekannt wurde, sind die Raketen nicht von der Bundeswehr abgefeuert worden, sondern vom Unternehmen Airbus Helicopters, das die Schießtests im Auftrag der Bundeswehr durchführte. Das bestätigte das Verteidigungsministerium der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Dies sei aber absolut nichts Ungewöhnliches bei solchen Waffentests. Zunächst war in dem Bundeswehr-Blog „Augen geradeaus!“ über die Beauftragung von Airbus Helicopters berichtet worden.

Zwischenzeitlich hat der Brand nach Angaben der Bundeswehr eine 800 Hektar große Fläche erfasst. „Der Regen verursacht eine gewisse Entspannung“, sagte ein Sprecher des Landkreises am Sonntag. „Wir können aber nicht von einer nachhaltigen Entspannung sprechen.“

Der am Freitag vom Landkreis ausgerufene Katastrophenfall dauerte daher an. „Es gibt keine Prognose, wie lange noch“, betonte der Sprecher. Mit Evakuierungen von Ortschaften nahe dem Gelände sei derzeit aber nicht mehr zu rechnen. Die Bundeswehr teilte mit, dass die Lage „weiter stabil und das Feuer unter Kontrolle“ seien. Demnach kämpften am Sonntag zunächst 1252 Einsatzkräfte gegen die Feuer.

Feuer auf 800 Hektar großer Fläche

Der Moorbrand schwelt seit rund drei Wochen. Er war auf dem Übungsgelände ausgebrochen, als von einem Kampfhubschrauber des Typs Tiger aus Raketen abgefeuert wurden. Nach Bundeswehrangaben hat der Brand zwischenzeitlich eine 800 Hektar große Fläche erfasst.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) besuchte am Sonnabend die Region und räumte Fehler der Bundeswehr ein. Zudem entschuldigte sie sich bei Anwohnern. Von der Leyen betonte, die Bundeswehr wolle den Fall aufarbeiten und über die Ergebnisse auch mit den Menschen im Emsland sprechen.

Am Wochenende waren Feuerwehren aus ganz Nordwestniedersachsen im Einsatz. Auch aus anderen Regionen sind zahlreiche Einsatzkräfte dabei – etwa aus der Region Hannover und dem Kreis Gifhorn.

Die Bundeswehr bekämpfte den Brand zudem mit einem Tornado-Jet. Der Flieger sollte Wärmebildaufnahmen des Moorgebietes liefern, um Glutnester im Boden zu sichten. Auch ein mobiler Einsatzwagen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) war wegen des Moorbrandes im Einsatz. Experten können darin genommene Proben direkt vor Ort auf giftige Brandrückstände analysieren.

Rauch: Keine Grenzwert-Überschreitung

Der Landkreis Emsland teilte am Samstag mit, Messungen hätten ergeben, dass „keine akute Gesundheitsgefährdung“ durch die Rauchentwicklung vor Ort bestehe. „Natürlich gibt es nach wie vor Geruchsbelästigungen, und auch die emotionale Belastung für die Anwohner vor Ort ist weiter hoch. Aber eine Grenzwertüberschreitung wurde nicht ermittelt“, betonte Landrat Reinhard Winter.

Der Fall beschäftigt derweil auch die Justiz: Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ermittelt wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Brandstiftung gegen Unbekannt. Am Freitag wurde deshalb das Gelände durchsucht.

Die Bekämpfung eines Moorbrandes ist besonders schwierig, weil der Brand auch unter der Oberfläche wüten kann. Dass es bei Meppen überhaupt zu einem derart hartnäckigen Brand kommen konnte, hängt nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Moor- und Torfkunde damit zusammen, dass es sich um ein entwässertes Moor handelt. Dazu seien die oberen Torfschichten nach dem heißen und trockenen Sommer vollkommen ausgetrocknet.

Von mbb/HAZ/RND

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