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Panorama Missbrauch vertuscht? Papst schweigt zu Vorwürfen
Nachrichten Panorama Missbrauch vertuscht? Papst schweigt zu Vorwürfen
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09:12 27.08.2018
Papst Franziskus nimmt an der Abschlussmesse des Weltfamilientreffens teil. Quelle: Danny Lawson/PA Wire/dpa
Ireland

Papst Franziskus will den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Vertuschung von sexuellem Missbrauch durch einen Ex-Kardinal weder dementieren noch bestätigen. Das Schreiben des ehemaligen Vatikanbotschafters in den USA, Carlo Maria Viganò, „spricht für sich selbst“, sagte der Papst auf dem Rückweg von seinem Irland-Besuch im Flugzeug vor Reportern.

Ex-Kardinal wirft dem Papst Vertuschung vor

Viganò hatte am selben Tag einen elfseitigen Text veröffentlicht, laut dem er Franziskus schon 2013 über Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Washingtoner Erzbischof und Ex-Kardinal Theodore McCarrick unterrichtet habe. Doch sei McCarrick vom Papst rehabilitiert worden, erklärte Viganò. Damit warf er Franziskus vor, an der Vertuschung von McCarricks Taten beteiligt gewesen zu sein.

Andere Vertreter des Heiligen Stuhls hätten bereits seit 2000 davon gewusst, dass McCarrick regelmäßig Seminaristen in sein Bett geholt habe, hieß es in dem Brief, der auf der Webseite der katholischen Zeitung „The National Catholic Register“ und auf der konservativen Webseite „LifeSiteNews“ veröffentlicht wurde. Dennoch sei McCarrick später zum Kardinal ernannt worden.

Auch früherer Päpste sollen Vorwürfe ignoriert haben

Die früheren Außenminister des Vatikans hätten unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI. jahrelang detaillierte Vorwürfe gegen McCarrick ignoriert, schrieb Viganò. Papst Benedikt XVI. habe ihn schließlich 2009 oder 2010 zu einem Leben in „Gebet und Buße“ sanktioniert, doch Papst Franziskus habe ihn rehabilitiert. Viganò betonte, es gebe Dokumente in den Archiven des Vatikans, die die von ihm beschriebenen Vorgänge belegten. Er forderte Franziskus wegen der Angelegenheit zum Rücktritt auf.

Franziskus wurde während einer Pressekonferenz an Bord gefragt, ob die Anschuldigungen des Ex-Diplomaten wahr seien. Zudem wollten die Reporter wissen, ob McCarrick schon 2013 unter Strafe gestanden habe, aber rehabilitiert worden sei. Dazu sagte der Papst lediglich, er habe Viganòs Dokument gelesen. Er vertraue darauf, dass Journalisten darüber ihr eigenes Urteil fällten. „Ich werde kein Wort darüber sagen“, ergänzte der Papst.

McCarrick ist der erste Kardinal, der seinen Rang wegen eines Missbrauchsskandals verlor

Im vergangenen Monat hatte er den Rücktritt des früheren Washingtoner Erzbischofs McCarrick vom Kardinalsposten akzeptiert. Zuvor hatte eine Untersuchung ergeben, dass der Missbrauchsvorwurf eines Minderjährigen glaubwürdig sei. Es war das erste Mal, dass ein hoher kirchlicher Würdenträger den Rang des Kardinals in einem sexuellen Missbrauchsskandal verlor. Seitdem haben sich weitere Personen zu Wort gemeldet, die laut eigenen Angaben von McCarrick missbraucht und belästigt wurden.

Papst Franziskus war am Wochenende zu Besuch in Irland. Auch dort war der Missbrauchsskandal in der Kirche und dessen Vertuschung das alles überschattende Thema.

Der 77-jährige Viganò gilt als Erzkonservativer, entschiedener Gegner von Homosexualität und ideologisch weit von Franziskus entfernt.

Von RND/AP