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Panorama Millionenstadt geht das Trinkwasser aus
Nachrichten Panorama Millionenstadt geht das Trinkwasser aus
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09:46 30.12.2017
Zahlreiche Bürger versammeln sich an natürlichen Quellen um ihre Wasservorräte aufzufüllen. Quelle: dpa
Kapstadt

Trockene Swimmingpools, flache Stauseen und leere Wasserflaschen – das ist in der Touristenmetropole Afrikas mittlerweile vielerorts zu beobachten. Wenn es nicht bald regnet, droht Kapstadt wegen der schlimmsten Dürre seit Jahrhunderten Ende April die „Stunde Null“. Dann muss die Stadt in Südafrika das Wasser abstellen und die rund 4,5 Millionen Einwohner bekommen Wasser nur noch unter Aufsicht von Militär und Polizei. Täglich würde es dann in einer der entwickeltesten Städte Afrikas nur noch 25 Liter Wasser pro Person geben – das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Minimum zur Aufrechterhaltung von Gesundheit und Hygiene.

Für eine Person bleiben 40 Liter pro Tag

Schon seit Wochen dürfen Einwohner im Schnitt nur noch 87 Liter Wasser pro Tag verbrauchen - und das zum Trinken, Waschen, Kochen, Putzen und Klospülen. Zum Vergleich: In Deutschland werden pro Person mehr als 120 Liter Wasser pro Tag verbraucht. Doch um die „Stunde Null“ für Kapstadt noch abzuwenden, halbiert die Stadtverwaltung den erlaubten Wasserverbrauch ab 1. Januar nun nochmals von 20 000 Litern auf 10 500 Liter pro Haushalt. Das entspricht nur noch gut 40 Liter pro Person in einem großen Haushalt. Gewerbliche Verbraucher müssen je nach Sektor zwischen 45 Prozent und 60 Prozent reduzieren. Wer sich nicht daran hält, wird künftig Bußgelder zahlen müssen.

Für die Wasserversorgung der Millionenstadt ausschlaggebend: Die Stauseen sind bereits auf ein Drittel des Wasserstandes gesunken. Quelle: dpa

Rund 50.000 Arbeitsplätze bedroht

Gärten dürfen längst nicht mehr gewässert werden, Swimmingpools stehen leer und die Stauseen, die Kapstadt mit Wasser versorgen, sind nur noch zu einem Drittel voll – die Region wurde schon vor Monaten zum Katastrophengebiet erklärt. Zahlreiche Gärtnereien und Autowaschanlagen sind pleitegegangen, die Landwirtschaft hat in dieser Ernte-Saison Verluste in Millionenhöhe verzeichnet, sagt Graham Paulse vom regionalen Ministerium für kooperative Regierungsführung. Rund 50.000 Arbeitsplätze sollen aufgrund der Dürre bedroht sein.

Regenzeit beginnt erst im Sommer

„Wir versuchen alles, um die „Stunde Null“ zu verhindern, doch dafür müssen wir unsere Beziehung zu Wasser grundsätzlich ändern“, warnt Kapstadts Bürgermeisterin Patricia de Lille. Gerade in der andauernden Trockenzeit sei es wichtig, verantwortungsvoll mit den Ressourcen umzugehen; bis zum nächsten Regen könne es noch bis Juli oder August dauern. „Wenn der Wasserspiegel bis dahin auf unter 13 Prozent sinkt, drehen wir die Wasserhähne zu“, sagt de Lille. Nur die dicht besiedelten Armengebiete rund um Kapstadt würden von extremen Maßnahmen ausgeschlossen, da dort das Risiko von Krankheitsausbrüchen zu hoch sei, erklärt de Lille.

Bürger greifen auf natürliche Quellen zurück

Viele Bürger installieren selbst Systeme zur Wasserwiederverwertung und lassen Brunnen graben. Regenwassertanks sind überall ausverkauft. An zwei natürlichen Quellen am Stadtrand drängeln sich täglich Dutzende Einwohner, um Wasserkanister aufzufüllen. „Wenn es schlimmer wird, ziehen wir weg. Das ist doch keine Art zu leben“, klagt Yusuf Manjee, ein 68-jähriger Rentner, als er zahlreiche Plastikflaschen auffüllt.

Um die städtische Wasserversorgung zu entlasten, beziehen immer mehr Bürger ihr Wasser kistenweise aus natürlichen Quellen. Quelle: dpa

Gleichzeitig versucht die Stadt, die Wasserversorgung durch eine Reihe von Meerwasserentsalzungsanlagen, Wasserrückgewinnung und Grundwasserentnahmen zu verbessern. Zwischen Februar und Juli sollen dadurch insgesamt 144 Millionen Liter Wasser gewonnen werden. Auch ist in vielen Stadtteilen der Wasserdruck reduziert worden, um den Verbrauch zu senken. Ab Februar erwägt die Stadt die Einführung einer „Dürresteuer“, die Hauseigentümern je nach Immobilienwert eine gestaffelte Zulage abverlangt. Damit will de Lille über die nächsten vier Jahre umgerechnet 260 Millionen Euro für die Ausweitung der Wasserinfrastruktur gewinnen.

Website zeigt Countdown

Auf einer städtischen Website können Bürger in Echtzeit verfolgen, wann die „Stunde Null“ schlagen wird; momentan am 29. April 2018. Die Stadt verbrauche derzeit mehr als 600 Millionen Liter pro Tag, erklärt der Leiter der städtischen Wasserversorgung, Barry Wood. Der Verbrauch müsse um mehr als 100 Millionen Liter sinken, um eine Katastrophe abzuwenden.

Von RND/dpa/lf

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