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Panorama Mila Kunis beklagt Sexismus in der Glitzerwelt
Nachrichten Panorama Mila Kunis beklagt Sexismus in der Glitzerwelt
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20:29 20.11.2016
Berühmte Neinsagerin: Mila Kunis gegen Hollywoods Frauenfeindlichkeit. Quelle: dpa
Los Angeles

Erst war es Jennifer Lawrence, dann Hillary Swank und Kristen Stewart – sie alle haben die Nase voll. Mittlerweile wird die Liste der Schauspielerinnen, die den alltäglichen Sexismus in der Traumfabrik Hollywood anprangern, immer länger. Zuletzt war es Mila Kunis, die genug hatte von Beleidigungen, Gehaltsunterschieden und Männern, die über ihr Leben bestimmen wollen. In einem offenen Brief, zu lesen auf der Internetplattform „A plus“, beschreibt die junge Schauspielerin die alltäglichen Demütigungen am Filmset.

Da sei zum Beispiel dieser eine Produzent gewesen, offenbar ein ziemliches Raubein, der ihr hemmungslos gedroht habe, sie werde nie wieder eine Rolle in Los Angeles bekommen. Der Grund: Kunis hatte sich geweigert, halb nackt für das Cover eines Magazins zu posieren. „Das erste Mal“, so die junge Mutter, habe sie „Nein“ gesagt. Ein Wort, das in der Branche unüblich ist.

Kurz zuvor war Kollegin Kristenn Stewart während eines Interviews mit der britischen Ausgabe der Zeitschrift „Harper’s Bazaar“ der Kragen geplatzt. „Hollywood ist widerlich sexistisch“, schimpfte die als unschuldige Bella in dem Teenie-Epos „Twilight“ bekannt gewordene Schauspielerin. Dabei ging es ihr vor allem um die Tatsache, dass Frauen in Hollywood immer noch um ein Vielfaches härter arbeiten müssten als ihre männlichen Kollegen.

Hilary Swank, zweifache Oscar-Gewinnerin. Quelle: afp

Gleiche Arbeit bei geringerer Gage: Hilary Swank, zweifache Oscar-Gewinnerin, berichtete unlängst Ähnliches: Kurz nach der Verleihung der Academy Awards hatte sie ein Filmangebot mit einer Gage von 500.000 Dollar erhalten. Nicht schlecht. Wäre da nicht dieser kleine Schönheitsfehler gewesen, dass ein namentlich nicht weiter genannter Kollege 10 Millionen Dollar für die gleiche Arbeit bekommen sollte. Swank lehnte dankend ab – am Ende wurde eine Newcomerin gefunden, die die Rolle für läppische 50.000 Dollar übernahm.

Sogar die amerikanische Gleichstellungsbehörde EEOC betrachtet die Bezahlungspraktiken der Filmindustrie mit Skepsis. Laut „Los Angeles Times“ ist die Behörde bereits im Gespräch mit Schauspielern, Regisseuren und Produzenten, um herauszufinden, ob und inwiefern Frauen benachteiligt werden. Sollte die EEOC zu dem Schluss kommen, dass ein eindeutiges Muster an Diskriminierung vorliegt, müssten Filmstudios und Produzenten mit einer Klage rechnen.

Bundesverband fordert strengere Kontrollen

Auch wenn die Summen andere sind, so gehören selbst in Deutschland Lohnungleichheiten zum Alltag in der Branche. Laut dem Bundesverband Schauspiel für Bühne, Film, Fernsehen und Sprache (BFFS) betrug die Lohnlücke in den Jahren 2000 bis 2009 im Bereich Fernsehen im Schnitt 22,7 Prozent. Dies belegen die Zahlen der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL).

„Der Einkommensunterschied hat mehrere Ursachen“, erklärt Julia Beerhold, Vorstand beim BFFS. „ Eine davon ist, dass auf Frauen noch immer erheblich weniger Rollen entfallen als auf Männer.“ Im Einzelfall nachzuweisen, dass die Gagen für Frauen niedriger kalkuliert sind als die für Männer, sei allerdings kaum möglich. „Daher fordern wir ein Monitoring der öffentlich-rechtlichen Sender und der Filmförderanstalten, das Aufschluss gibt über die Gesamteinkünfte von Männern und Frauen vor der Kamera sowie über die Gesamtpräsenz auf dem Bildschirm“, sagt Beerhold.

Hollywoodstar Jennifer Lawrence. Quelle: afp

Denn aus Angst, nicht besetzt zu werden, nehmen viele Schauspielerinnen Abstriche beim Gehalt in Kauf. Hollywoodstar Jennifer Lawrence beispielsweise beschrieb unlängst, ihr sei es in Verhandlungen stets weniger um ihr Gehalt gegangen. Vielmehr habe sie die Sorge getrieben, am Ende als schwierig zu gelten. Denn auch das haben zahlreiche Studien belegt: Frauen, die hart verhandeln, sind bei Chefs weniger beliebt.

Dazu passt das Ergebnis einer internationalen Umfrage der UN-Frauenorganisation, die auch die von Schauspielerin Emma Watson unterstützte Kampagne „HeforShe“ ins Leben gerufen hat. Demnach wurden 2014 nur 30,9 Prozent aller Filmrollen weltweit überhaupt mit Frauen besetzt; in Action- oder Abenteuerfilmen waren es sogar nur 23 Prozent. Und wenn Frauen auftreten, so das Fazit dieser Studie, dann sind sie in der Regel jung, dünn und häufig ziemlich leicht bekleidet. So wie die Traumfabrik Hollywood sie am liebsten hat.

Von RND/Nora Lysk

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