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Panorama Mehr als 250 Tote nach Schlamm-Katastrophe
Nachrichten Panorama Mehr als 250 Tote nach Schlamm-Katastrophe
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07:51 03.04.2017
In der Nacht zu Sonnabend hatte heftiger Regen drei Flüsse in der Stadt Mocoa zu reißenden Strömen anwachsen lassen. Quelle: imago
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Mocoa

Die Zahl der bestätigten Toten gab der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos am Abend (Ortszeit) mit 254 an, darunter Dutzende Kinder. Am Sonntag war die Suche nach Vermissten aufgrund fehlender Stromversorgung eingestellt worden. Nach den verheerenden Überflutungen und Schlammlawinen in der südkolumbianischen Stadt Mocoa hat Santos einen raschen Wiederaufbau zugesichert. „Mocoa wird besser dastehen als zuvor“, sagte Santos am Sonntag bei seinem zweiten Besuch im Katastrophengebiet binnen 24 Stunden.

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Hunderte Tote befürchtet: Bei dramatischen Überschwemmungen und Erdrutschen sind in der südkolumbianischen Stadt ganze Wohnviertel unter Schlammmassen begraben worden.

Wie Retter berichteten, wurden Leichen sogar von Bäumen geborgen, die Wasser- und Schlammlawine in Mocoa sei bis zu vier Meter hoch gewesen. Santos versprach, eine neue Wasserleitung bauen zu lassen, die eine Trinkwasserversorgung für alle Bürger garantiere. Er dankte Chinas Präsidenten Xi Jinping für das Bereitstellen von einer Million Dollar an Soforthilfe. Mocoa liegt in der Nähe der Grenze zu Ecuador.

Flüsse werden zu reißenden Strömen

Sieben Brücken wurden durch die Katastrophe beschädigt, zwei wurden komplett weggerissen. In der Nacht zu Sonnabend hatte heftiger Regen drei Flüsse in der Stadt am Fuß der Anden zu reißenden Strömen anwachsen lassen - über Berghänge schossen Wasser- und Schlammmassen in die Stadt hinein, 17 der 40 Wohnviertel der 40.000-Einwohner-Stadt wurden beschädigt, hunderte Häuser mitgerissen oder unter Geröllmassen begraben. Zehn Tankwagen mit Trinkwasser wurden nach Mocoa geschickt, 16 weitere sollen folgen; die Strom- und Wasserversorgung ist zusammengebrochen.

Es wurden drei Krankenstationen eingerichtet, neben der Versorgung der Verletzten geht es darum, den Ausbruch von Seuchen in Mocoa zu verhindern, hieß es. Von insgesamt 200 Verletzten wurden knapp 70 in andere Städte transportiert. Insgesamt 500 Kilogramm an Medikamenten wurden nach Mocoa gebracht.

Santos betonte, beim Wiederaufbau sollten stabilere Häuser als bisher gebaut werden. Neben tausenden Helfern waren zehn Hubschrauber, sechs Flugzeuge, sieben Boote und 63 Fahrzeuge bei den Rettungsarbeiten im Einsatz. Aus dem Ausland kamen zahlreiche Beileidsbekundungen und Unterstützungsangebote. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übermittelten ihr Mitgefühl mit den Angehörigen der vielen Opfer. Papst Franziskus sagte in Rom, er bete für die Opfer und fühle mit den Angehörigen und den Rettern.

Steinmeier zeigt sich erschüttert

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat mit Betroffenheit auf die verheerenden Überschwemmungen in Kolumbien reagiert. “Mit mir sind heute viele Deutsche in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer und bei den Frauen und Männern, die sich noch in Gefahr befinden und auf Rettung hoffen“, teilte Steinmeier nach der Katastrophe am Sonnabend mit. „Den Rettungskräften wünsche ich viel Kraft und Glück bei ihrer schwierigen Aufgabe in dieser extremen Situation.“ Bei Überschwemmungen und Erdrutschen waren in der südkolumbianischen Stadt Mocoa mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen. Ganze Wohnviertel wurden unter Schlamm begraben oder weggerissen.

Die Katastrophe wurde von einem Überlebenden als „kleines Armero“ bezeichnet. In der Kleinstadt starben im November 1985 bei der weltweit schlimmsten Schlammlawinen-Katastrophe rund 25 000 Menschen. Nach dem Ausbruch eines Vulkans brachte die Lava die Eiskappe des Vulkans zum Schmelzen und löste damit die Lawine aus, die die Stadt Armero auslöschte - Papst Johannes II besuchte wenige Monate nach der Katastrophe 1986 Armero und betete für die Opfer und Angehörigen.

Im kommenden September besucht auch Papst Franziskus das Land, er will vor allem den aktuellen Friedensprozess würdigen - Präsident Santos erhielt wegen des Abkommens mit der Farc-Guerilla im Dezember den Friedensnobelpreis. Nach über 50 Jahren Konflikt mit über 220.000 Toten will Santos einen dauerhaften Frieden im Land erreichen und dadurch auch für mehr Wachstum sorgen. Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben von Santos bereits fünf Millionen Touristen nach Kolumbien.

Von RND/dpa

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