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Panorama Massengräber in Mexiko – Kinder unter den Toten
Nachrichten Panorama Massengräber in Mexiko – Kinder unter den Toten
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09:47 24.09.2018
Fundstücke aus den Gräbern. Quelle: Veracruz State Prosecutor's Office/AP
Veracruz

In illegalen Massengräbern in Mexiko sind die Behörden auf sterbliche Überreste von Kindern gestoßen. Diese hätten bei 174 Schädeln und anderen Leichenteilen von Erwachsenen gelegen, die in den Grabstätten im Bundesstaat Veracruz in den vergangenen Wochen gefunden worden seien, hieß es am Sonntag.

Zwei Tage zuvor stellte die Nationale Kommission für die Suche nach vermissten Personen Hunderte Fotos von Kleidungsstücken ins Internet, die in den Gräbern gefunden wurden, um Familien die Identifizierung ihrer Angehörigen zu ermöglichen.

Die Bilder zeigten etwa Polo-Hemden mit unversehrten Logos, Socken, Schuhe, bunte Männerunterwäsche und Frauenhosen. Inzwischen sind auch Fotos von etlichen persönlichen Kindergegenständen aus dem Massengrab im Netz: Mini-Hosen für Babys im Alter bis sechs Monaten, rosafarbene Sandalen für Kleinkinder und kleine, buntbedruckte T-Shirts. Jedes dieser Kleidungsstücke sei entweder unweit einer Leiche gefunden worden oder von den sterblichen Überresten abgezogen worden, sagte die Gewährsperson.

Gräber Anfang September gefunden

Die Entdeckung der Massengräber hatten die Behörden Anfang September bekanntgegeben. Zuvor waren dort 166 menschliche Schädel entdeckt worden, doch stieg deren Zahl laut Innenministerium bis Freitag auf 174. Die Ausgrabungen an dem Schauplatz dauern noch an. Der Fotokatalog wird nach dem Fund weiterer Kleidungsstücke entsprechend aktualisiert.

Dass die mexikanischen Behörden forensische Beweismittel noch während laufender Ermittlungen mit der Öffentlichkeit teilen, gilt als ungewöhnlich. Das Vorgehen mache den Willen deutlich, das Geschehen aufzuklären, sagte Carlos Vilalta, Kriminologe beim mexikanischen Forschungszentrum für Geografie und Geomatik. „Doch die Tatsache, dass Fotos im Internet hochgeladen werden müssen, zeigt, dass es keine anderen gangbaren Wege gibt“. In Mexiko sei eine landesweite DNA-Datenbank überfällig, in die Proben von Familienmitgliedern Eingang finden könnten, um Vermisste zu identifizieren.

Angehörige wollen Aufklärung

Tausende Mexikaner dringen bei den Behörden auf Informationen zum Verbleib ihrer Verwandten, die spurlos verschwunden sind, seitdem die Regierung vor mehr als zehn Jahren den Drogenkartellen im Land den Krieg erklärte. Allein in Veracruz sollen Verbrecherbanden in den vergangenen Jahren ganze Busse voller Passagiere gefangen genommen haben. Mal werden Fahrgäste ausgeraubt, mal werden die Opfer von den Gangs kurzerhand verschleppt.

Auch die Erkenntnis, das unter den Leichen in den Massengräbern Kinder sein sollen, wirft aus Sicht von Experten ein Schlaglicht auf eine neue Dimension der Gewalt im Land. In der Regel lassen Banden Frauen und Kinder gehen. „Wir haben einen Punkt erreicht, an dem Gewalt jede Person trifft, die im Weg steht“, sagte der in Zentralmexiko ansässige Sicherheitsexperte Luís Leal. „Wir fallen einem Surrealismus anheim, in dem Gewalt uns nicht mehr beeindruckt. Und das ist beunruhigend und empörend.“

Von RND/dpa