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Panorama Londoner Kneipenviertel führt die Sperrstunde wieder ein
Nachrichten Panorama Londoner Kneipenviertel führt die Sperrstunde wieder ein
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09:01 01.08.2018
Zweites Wohnzimmer: Nicht nur an den Wochenenden treffen sich die Londoner im hippen Viertel Hackney. Quelle: Foto: Getty
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London

Zum Abschluss schienen sie noch einmal alle eine große Party feiern zu wollen: Zigtausende Londoner sind am Wochenende durch die Straßen Hackneys gezogen, um beim Sommerwetter bis tief in die Nacht vor den Clubs und Pubs zu trinken. Ab dieser Woche dürfte es deutlich schwerer für sie werden – als erster Bezirk in Großbritannien hat Hackney im Osten Londons die großzügige englische Sperrstundenregelung deutlich eingeschränkt. Von sofort an müssen neu eröffnete Pubs und Clubs wieder um 23 Uhr die Türen dicht machen, am Wochenende um 0 Uhr.

Es ist ein schwerer Schlag für das partyverwöhnte London: Hackney gilt als eines der angesagtesten Hipster-Viertel der Stadt, etliche Craftbeer-Bars und Clubs haben hier in den vergangenen Jahren neu eröffnet.

Hackney lebt von gastronomischen Innovationen

Die Entscheidung der Bezirksverwaltung ist höchst umstritten. Im Vorfeld war es zu massiven Protesten gekommen. Umfragen sahen eine Mehrheit von mehr als 70 Prozent für das Beibehalten der bisherigen großzügigeren Sperrstundenregelung. Dennoch tritt die Neuerung an diesem Mittwoch in Kraft.

„Es wird die Seele aus der Gegend reißen und wird von den Anwohnern überwiegend abgelehnt“, twitterte Franz Ferdinand-Sänger Alex Kapranos im Vorfeld, einer der prominentesten Gegner der Neuregelung. Der Radio-DJ Plastician schrieb: „Künftig wird es sinnlos, hier neue Gastronomiebetriebe zu eröffnen.“ Genau dies ist einer der Hauptkritikpunkte: Zwar bleiben Spätlizenzen bestehender Pubs einstweilen von der Neuregelung unberührt – Hackney aber lebt wie kaum ein anderer Londoner Stadtteil von gastronomischen Innovationen. Ständig eröffnen hier neue Kneipen und Discotheken.

Längere Öffnungszeiten gegen Komasaufen

Die englische Sperrstunde, wonach Pubs seit dem Ersten Weltkrieg um 23 Uhr schließen mussten, wurde im November 2005 von der damaligen Labour-Regierung gekippt. Seitdem können Gastronomiebetriebe fast formlos eine Verlängerung der Schließzeit beantragen. Viele Kneipen haben seitdem vor allem am Wochenende bis 1 oder 2 Uhr geöffnet, Discotheken noch länger.

Labour wollte mit der damaligen Neuregelung vor allem das berüchtigte „Binge Drinking“, das Komatrinken, eindämmen. Vor 2005 waren Briten geübt darin, bis 23 Uhr in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Alkohol zu sich zu nehmen. Schlägereien und Pöbeleien schienen vor allem in vielen Großstädten die Konsequenz zu sein. Längere Öffnungszeiten sollten die Lage entspannen. Genau hier setzt Hackney nun an: Die örtlichen Behörden haben laut Gesetz das letzte Wort.

Der genaue Zusammenhang ist nie bestätigt worden, doch seit 2005 ist die Zahl der alkoholbedingten Delikte laut dem Londoner Institut für Alkoholforschung in Großbritannien kontinuierlich zurückgegangen, die Zahl der Kampftrinker ist ebenfalls gesunken.

„Das Schlimmste, was dem Nachtleben widerfahren ist“

Hackneys Bezirksbürgermeister Philip Glanville verteidigte die neue Sperrstunde im Londoner „Guardian“: „Für einige hat das Nachtleben positive Vorteile, für andere bedeutet es antisoziales Verhalten und Lärm“, schrieb er in einem Gastbeitrag.

„We love Hackney“, eine Gruppe von Einwohnern, kämpfte seit Wochen beharrlich gegen die Planungen der Bezirksverwaltung. In einem offenen Brief schrieb die Gruppe, das Thema sei für die Zukunft des Bezirks von entscheidender Bedeutung. „Die nächtliche Wirtschaft unterstützt direkt 4720 Arbeitsplätze, bringt 219 Millionen Pfund in den Bezirk – und hat Hackney möglicherweise einen wichtigen Ruf für sein pulsierendes, vielfältiges kulturelles Leben verschafft.“

Der Londoner Gastronom Jonathan Downey nannte die Neuregelung in der BBC einen „Riesenfehler“. „Ich betreibe seit über 20 Jahren Bars, Restaurants, Clubs und Nachtmärkte in London.“ In dieser Zeit sei das Absenken der Sperrstunde das Schlimmste, was dem Nachtleben der Stadt widerfahren sei, erklärte Downey. „Es wird die nächtliche Wirtschaft der Gegend töten.“

Von Michael Pohl

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