Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Liam Neeson über #MeToo: „Nein heißt Nein“
Nachrichten Panorama Liam Neeson über #MeToo: „Nein heißt Nein“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:32 07.01.2018
„Ich fühle mich wie 45“: Liam Neeson spielt gern immer noch den Actionhelden. Quelle: Fotos: Getty
Berlin

Mr. Neeson, es gibt nicht so viele Actionstars in Hollywood, die sich erst eine Lesebrille aufsetzen, bevor sie einen Zugfahrplan studieren. War das Ihre Idee in Ihrem neuen Thriller?

Im wirklichen Leben brauche ich ja auch eine Lesebrille. Da habe mir gedacht, das könnte meine Kinofigur in „The Commuter“ ganz gut beschreiben. Ich verkörpere schließlich einen 60-jährigen Ex-Cop, der in einem New Yorker Vorortzug zusammen mit anderen Pendlern in ein mörderisches Verbrechen gerät.

Gibt es eigentlich in Hollywood einen Stammtisch für alternde Actionhelden, an dem Bruce Willis, Sylvester Stallone und Sie sitzen und darüber klagen, wie sehr die Knie wieder schmerzen?

Ich sitze da jedenfalls nicht. Und glücklicherweise zählen die Knie zu meinen fittesten Körperteilen. Da mache ich mir keine Sorgen. Ich passe auch gut auf mich auf.

Ihr Ex-Cop im Film sagt, dass er gern noch mal 45 wäre. Trifft das auch auf den Schauspieler Liam Neeson zu?

Ich komme gut klar mit meinem Alter. Außerdem fühle ich mich tatsächlich wie 45 und nicht wie 65.

Haben Ihre Söhne Michael und Daniel Sie schon mal gefragt: Papa, warum spielst u nicht endlich mal einen Großvater?

Ich würde Ihnen gehörig den Kopf waschen, wenn sie mit solchen Ideen kämen.

Wächst die Selbstsicherheit mit dem Alter?

Was meine Arbeit betrifft: auf jeden Fall. Ich habe 70 Filme auf dem Buckel, da weiß man, was man tut. Aber ich bemühe mich, nicht selbstgefällig oder arrogant zu werden.

Was empfehlen Sie, um in Form zu bleiben?

Tja, ich jedenfalls habe einen kleinen Trainingsraum hier in meinem New Yorker Apartment. Da trete ich in die Fahrradpedalen oder trainiere an einer Rudermaschine. Ich mache viel Powerwalking im Central Park. Da gehe ich gleich hin, sobald wir beide dieses Interview beendet haben.

Sie haben als Teenager ziemlich gut geboxt: Tun Sie das noch?

Ich verprügele immer noch ganz gern einen Punchingball. Aber ich steige nicht mehr in den Ring.

Was ist das Gefährlichste, was Sie je in Ihrem Leben getan haben?

Rauchen möglicherweise. Damit habe ich aber vor 23 Jahren aufgehört.

Sind Sie inzwischen vorsichtiger, wenn Sie eine Actionszene drehen?

Stunts überlasse ich lieber den Stuntmen, dafür sind die da. Ich will auch niemandem den Job wegnehmen. Was ich aber liebend gern selbst ausführe, sind meine Kämpfe. Ich arbeite seit 19 Filmen mit meinem Stuntchoreografen Mark Vanselow zusammen. Aber ich gehöre nicht zu den Schauspielern, die damit prahlen, dass sie selbst durch jedes Fenster springen.

Manche Männer legen ein noch viel unangenehmeres Verhalten an den Tag: Waren Sie überrascht, als jetzt all die Geschichten über sexuelles Fehlverhalten ans Tageslicht kamen?

Ja, das war ich. Aber solche sexuellen Übergriffe gibt es nicht nur in Hollywood, sondern genauso an der Wall Street oder in großen Betrieben.

Der Ruf der Männer ist jedenfalls ziemlich ramponiert. Was können wir tun?

Ich hoffe auf die „#MeToo“-Bewegung. Wir müssen den Opfern und ihren Geschichten zuhören. Sexuelle Einschüchterungen darf es nicht mehr geben. Viele Frauen haben sich auch wegen des Verhaltens des aktuellen US-Präsidenten zu Wort gemeldet – auch wenn Donald Trump selbstverständlich alles abstreitet. Die Geschichten rund um Harvey Weinstein lassen sich zurückführen bis zu jenen Frauen, die sehr, sehr wütend sind, dass es einen Präsidenten gibt, der sich damit gebrüstet hat, Frauen an intimen Stellen berühren zu können. Und nichts ist passiert, was Trump betrifft. Ich glaube, diese Vorkommnisse haben Frauen bestärkt zu sagen: Jetzt reicht’s.

Glauben Sie, dass sich die Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern nun verändern werden?

Warten wir’s ab. Mal schauen, wohin das alles führt. Es darf künftig auch nicht so sein, dass Männer zu verunsichert sind, um mit Frauen zu flirten. Das würde beiden Geschlechtern nicht guttun.

Lässt sich die Grenze denn immer so klar ziehen?

Ein Nein bedeutet Nein. Wenn eine Frau sagt, sie will nicht, dann ist die Linie klar gezogen.

Mr. Neeson, es heißt, Sie seien so starrköpfig wie Ihre Charaktere. Stimmt das?

Ich kann störrisch sein. Das hat aber nichts damit zu tun, das ich Ire bin. Ich bin nicht typisch irisch stur, sondern typisch menschlich stur.

Von Stefan Stosch/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Hollywoodstar sieht im Rahmen der „#MeToo“-Bewegung, durch die immer mehr Fälle sexueller Belästigung ans Licht kommen, auch Donald Trump in der Kritik.

07.01.2018

Im Jahr 2002 animierte eine Performance-Gruppe in New York die Menschen dazu, in Unterhose gemeinsam mit der U-Bahn zu fahren. Zum „No Pants Subway Ride“ ziehen die Menschen auch in deutschen Städten ihre Hosen aus.

07.01.2018

Zum Tod der Chansonnette France Gall, die zeitweilig ein Schlagerstar im deutschen Westen war und Elton John zum Singen auf Französisch brachte. Und die 1988 mit einer Hommage an die Jazzsängerin Ella Fitzgerald einen Welthit hatte.

07.01.2018