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Panorama Leben mit dem Klimawandel
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11:55 31.12.2017
Mehr Extremwetter, mehr Dürren, mehr Überflutungen: Der Klimawandel stellt sowohl ländliche Gegenden als auch Städte vor ganz konkrete Herausforderungen. Quelle: iStockphoto
Hannover

Land unter

Bei Starkregen wie zuletzt im Juli prasseln binnen kürzester Zeit bis zu 100 Liter pro Quadratmeter zu Boden. Zu viel für die Kanalisation, vor allem in Großstädten. Das zeigt das Beispiel Hamburg – die starken Sommergewitter lassen Gullideckel immer wieder überlaufen und fluten Straßenzüge. Keller und U-Bahn-Schächte laufen voll. Ein Vorgeschmack auf das, was Städten und Gemeinden zukünftig immer häufiger blüht.

Mit Grünflächen auf Dächern will die Stadt dem Problem nun begegnen. Wie Schwämme nehmen sie die niederfallenden Wassermassen auf oder leiten sie zeitversetzt weiter. Zeit, die die Kanalisation vor dem Überlaufen retten kann. Die Stadt Hamburg unterstützt Hausbesitzer deshalb, indem sie knapp die Hälfte der Begrünungskosten übernimmt und ihre Regen-Abwasser-Prämie halbiert. 52 Hausbesitzer nahmen diese Förderung 2017 in Anspruch. Für Neubauten schreibt Hamburg grüne Dächer in einigen Stadtteilen sogar vor.

Was auf den Dächern sprießt und gedeiht, steht den Hausbesitzern frei. Einige setzen auf Kräuter, andere auf Moose und Gräser. Schick aussehen können die Überflutungs-Retter also auch noch. Entsprechend beliebt ist das Konzept: Etliche weitere Städte wie Berlin und Oldenburg begannen 2017 mit dem Entwurf ähnlicher Regelungen.

Aufbau an den Küsten

An Ost- und Nordsee ist Küstenschutz schon seit Jahrzehnten eine bleibende Aufgabe. Allein in Schleswig-Holstein ist knapp ein Viertel des Landes überflutungsgefährdet. Ein steigender Meeresspiegel und heftigere Stürme verschärfen die Situation. Vor allem Halligen sind betroffen. Im Jahr werden sie rund 30-mal von Sturmfluten überschwemmt. Dann schauen lediglich die 39 Warften, künstliche Hügel, auf denen die Häuser stehen, aus dem Wasser hervor. Über die Hälfte jedoch würden eine Jahrhundertflut nicht überstehen.

Für eine Million Euro erhöhte das Land daher Warften und baute höhere Schutzringe um die Häuser. Ein weiteres Mittel, dem Meer zu trotzen, sind Sandvorspülungen. “Das machen wir hier jedes Jahr“, sagt beispielsweise Jutta Vielberg von der Sylt Marketing Gesellschaft. “Da zieht ein Spülschiff Sand aus dem Meer und pumpt es über ein Rohr an die Küste. Planierraupen fahren den Sand dann platt und schaffen so neuen Strand.“ Zusätzlich werden an Schleswig-Holsteins Küsten Deiche permanent aus- und umgebaut.

Viele Gegenden an Küsten und Flüssen müssen sich auf mehr und häufigeres Hochwasser einstellen. Quelle: dpa

Berlin als Reallabor

Ein Berlin-Mitte-Hipster mit Jutebeutel-Affinität lebt anders als eine Hartz-IV-Familie in Berlin-Marzahn, ein Auto-Tuner in Berlin-Kreuzberg anders als die Mode-Bloggerin in Steglitz-Zehlendorf. Sie alle jedoch müssen ihren CO2-Ausstoß drastisch senken, damit Deutschland seine Klimaziele erreichen kann. Nur wie nun soll das klappen, wenn doch keiner so lebt wie der andere?

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) will das herausfinden und castete im Jahr 2017 mehr als 100 Haushalte für ein gigantisches Experiment: Mit bereits vorhandenen klimafreundlichen Produkten und Dienstleistungen sollen die Haushalte ihren CO2-Verbrauch binnen eines Jahres um 40 Prozent senken. Und das ohne Verlust der Lebensqualität.

Der eine wird nun öfter die Bahn wählen, der andere das Fahrrad. Der eine entscheidet sich für einen Austausch des Heizsystems, der andere versucht es zunächst mit einer Umstellung des Heizverhaltens. “Wir wissen, dass es dabei Rückschläge geben kann“, so Reusswig, “deshalb sehen wir das Projekt als Realexperiment. Aber wir sind optimistisch.“ Das Projekt startete im Dezember.

Umbau auf dem Land

Nicht alle müssen den Klimawandel fürchten. Einigen Landwirten kann er sogar nutzen. Denn ein höherer CO2-Gehalt fördert das Pflanzenwachstum. Frans Rooijers von der niederländischen Forschungsorganisation CE Delft prophezeit um 15 bis 20 Prozent höhere Ernteerträge bei einer Verdopplung der CO2-Konzentration. Vor allem Gräser, Zuckerrüben und Weizen freuen sich über das Mehr an Kohlenstoffdioxid.

Auch Winzer ziehen Nutzen aus den klimatischen Veränderungen. “Wir merken, dass in einigen Regionen höhere Hanglagen wieder beliebter werden – die Möglichkeiten, gute Weine zu produzieren, steigen für Winzer damit deutlich“, sagt Katja Apelt vom Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter.

Die Landwirtschaft kann vom Klimawandel – zumindest in Teilen – sogar profitieren. Quelle: dpa

Deutsche Forstleute hingegen bauten ihre Wälder 2017 weiter schrittweise um. Denn viele Baumarten passen sich weniger schnell an die äußeren Gegebenheiten an, als sich das Klima verändert. Sie kommen mit den immer längeren Dürreperioden und den heftigen Stürmen nicht zurecht. Vor allem Bäume wie die Fichte leiden unter warmen, trockenen Sommern. “Deshalb setzen Waldbesitzer schon seit Jahren zunehmend auf Mischwälder“, sagt Marcus Kühling, Geschäftsführer des Deutschen Forstvereins. Widerstandfähigere Baumarten wie etwa die Tanne, die Kiefer, die Eiche und die Douglasie kommen nun zum Einsatz.

Auch die Obstwirtschaft befand sich 2017 weiter im Umbau. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands wechselten daher immer mehr Bauern zu widerstandsfähigeren Sorten. Bei den Äpfeln bedeutete das: weniger Cox Orange, mehr Elstar und Jonagold.

Von Julius Heinrichs

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