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Panorama “Lass den inneren Wikinger raus“
Nachrichten Panorama “Lass den inneren Wikinger raus“
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12:05 17.12.2017
So wie Darts, nur mit schwerem Gerät statt feinen Pfeilen: Hippe Großstädter in den USA haben Axtwerfen zum neuen Trendsport erkoren. Quelle: Tudor Spinu
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Philadelphia

Es ist dieses “tschock!“. Das dumpfe Geräusch, mit dem die Axt in das Kiefernholz eindringt. “Dieser Sound hat etwas zutiefst Befriedigendes, Beglückendes“, sagt Amy Henderson und zieht ihr Beil mit einem Ruck aus der Zielscheibe. “Vom Gefühl her das genaue Gegenteil des nervigen Ping, der anzeigt, dass eine Mail auf dem Smartphone angekommen ist.“

Restaurantmanagerin Henderson, 39 Jahre alt, steht in einem Drahtgitterkäfig in einer ehemaligen Lagerhalle in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania. Neben ihr zischen Beile durch die Luft, auf “tschocks“ folgen Jubelschreie, untermalt von Metallica, es riecht nach Bier und Holz und Schweiß.

Nach der Lumberjackmode erreicht nun auch das Arbeitsgerät der Holzfäller die Innenstädte. Das “Urban Axes“ ist der erste Axtwurf-Club der USA. Seit vergangenem Jahr versuchen sich hippe Großstädter hier daran, Wurfbeile mit Wucht auf Zielscheiben zu schleudern. So wie Darts, nur mit schwerem Gerät statt feinen Pfeilen. Die große Kunst ist es, beim beidarmigen Überkopfwurf überhaupt die Bretterwand zu treffen, geschweige denn die Zielscheibe und das “Bull’s Eye“ in der Mitte. Und dann sollte die Axt natürlich auch noch im Holz steckenbleiben. Wenn alles sitzt, dann gibt’s zur Belohnung dieses satte “tschock!“.

“Das hat einfach alles“: Der neue Trendsport gilt als meditativ, wild – und ist ausnahmsweise einmal ganz analog. Quelle: Rage Axe Throwing

Lily Cope ist ein “Axepert“, wie es groß auf ihrem T-Shirt steht, eine Wurftrainerin. “Das hier hat nichts mit Kraft zu tun“, sagt die 38-Jährige, “die Technik zählt und die Konzentration auf den Bewegungsablauf.“ Sie freut sich diebisch, wenn ein 100-Kilo-Mann mit Bart und Holzfällerhemd siegesgewiss ankommt, und nach zwei Stunden Werfens weniger Punkte hat als die zierliche Frau neben ihm. “Manche wollen sein wie Mel Gibson in ‚Der Patriot‘. Sie erinnern sich? Die Szene, in der er einem Gegner mit dem Tomahawk aus zehn Metern Entfernung den Schädel spaltet?“ Lily schüttelt ihre langen blonden Haare. “Wer Hollywood im Kopf hat, kommt nicht weit. Axtwerfen ist eher so wie Golfen: Maß nehmen, fließende Bewegung, Durchschwung, “tschock“!“

In den vergangenen beiden Jahren haben knapp 40 “Urban Axe-throwing Clubs“ in Nordamerika aufgemacht, die meisten davon in Kanada, nun erfasst die Welle die USA, und auch in Großbritannien starteten die ersten Axtclubs. Die Wurfkäfige – es treten immer zwei Werfer gegeneinander an – sind Monate im voraus reserviert. Die Zutaten: ein angesagter Ort, hippe Trainer, Bier, Snacks, donnernde, gitarrenlastige Musik und junge Gäste mit Tattoos, Vollbärten und Baseballmützen. Erst vor wenigen Monaten gründeten Fans den Weltverband für den Sport, Ligen für Freizeitwerfer entstehen, die ersten Hersteller springen auf und stellen ergonomisch geformte Äxte und Schleifwerkzeuge her.

Ab auf die Warteliste: Die Wurf-Käfige sind in Nordamerika meist Monate im Voraus ausgebucht. Quelle: Rage Axe Throwing

Bei all der spaßigen Beilschleuderei wird verdrängt, dass die Wurf­äxte eigentlich Mordwaffen sind. Die in der Merowingerzeit von den Franken verwendete Axt “Franziska“ war eines der mörderischsten Kriegsgeräte des Mittelalters. Immer wieder blitzt die Gefährlichkeit der Wurfwaffe auch heute noch auf. Vergangenes Jahr wollte ein Moderator des Fernsehsenders Fox bei einem Dreh in New York den neuen Trendsport vorführen. Vor laufender Kamera warf er seine Axt auf die mehrere Quadratmeter große Bretterwand, verfehlte sie klar und traf einen hinter der Wand stehenden Trommler einer Blaskapelle mit dem Axtschaft am Ellbogen. Der Trommler kommentierte trocken: “Glück gehabt. Ein lausiger Werfer.“

Vom Zeitvertreib gelangweilter Holzfäller in abgelegenen Waldgegenden zum “next big Thing“, dem nächsten großen Ding, scheint es nur ein kleiner Schritt zu sein. Der Russe Alex Reverse hat vor anderthalb Jahren in Montreal mit “Rage Axe Throwing“ einen der größten Clubs eröffnet. Nun sondiert der 29-Jährige Möglichkeiten, in Europa zu expandieren. “Axtwerfen hat alles“, sagt er, “die Leute können ihren inneren Wikinger rauslassen, gleichzeitig ist es ungefährlich, meditativ und hundertprozentig anti-digital.“ Alex zeigt auf eine zersplitterte Zielscheibe: “Städter sehnen sich danach, irgendwas mit ihren Händen zu machen, das ein Ergebnis hinterlässt.“ Axtsamkeitsübungen, sozusagen.

Als Amy Henderson vor ein paar Monaten in eine Polizeikontrolle geriet, bat der Beamte sie, ihren Kofferraum zu öffnen. Darin: drei sorgfältig in Tücher eingewickelte Wurf­äxte. Nicht registrierte Waffen, streng genommen. Als sie dem Polizisten erklärte, dass sie Hobby-Axtwerferin sei, habe der nur verständnisvoll genickt. Er habe schon davon gehört, “klingt cool“, sagte er, wo man das denn genau machen könne? Demnächst will er vorbeikommen, zum Ausprobieren.

Von Stefan Wagner

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