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Panorama Keine Rettungsgasse: Helfer laufen vier Kilometer zu Fuß
Nachrichten Panorama Keine Rettungsgasse: Helfer laufen vier Kilometer zu Fuß
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15:19 05.06.2018
Um zu diesem Unfall auf der A 24 vorzudringen, hatten Rettungskräfte und Polizei größte Probleme. Quelle: Feuerwehr Wittstock
Wittstock

Ein Notarzt, der auf der A 24 bei Wittstock wegen einer fehlenden Rettungsgasse nicht zum Unfallort vordringen konnte, hat Montagnachmittag einen Gewaltmarsch von vier Kilometern zu Fuß zurückgelegt. Er und mehrere Retter konnten den zwei Schwerverletzten schließlich helfen.

Ein Kleintransporter war kurz vor 15 Uhr auf der A 24 in Richtung Berlin – zwischen Herzsprung und Neuruppin - von der Fahrbahn abgekommen und hatte sich überschlagen. Die Wittstocker Feuerwehr wurde um 15 Uhr alarmiert, wie Wehrführer Steffen Müller sagt. Daraufhin rückten zunächst Fahrzeuge der Einheiten aus Fretzdorf und Rossow an. Etwas später folgten Rettungskräfte, der Notarzt und weitere Feuerwehrkräfte aus Wittstock – insgesamt sechs Fahrzeuge.

Nur die ersten drei Fahrzeuge kamen mit Mühe und Not durch

Doch nur die ersten drei seien „mit Mühe und Not“ bis zur Unfallstelle vorgedrungen. Alle anderen – darunter auch der Notarzt – hätten keine Chance gehabt, berichtet Steffen Müller. Grund: Die Rettungsgasse fehlte.

Angesichts dieser prekären Situation, entschieden sich die Helfer für die einzige Möglichkeit, die ihnen blieb: Sie mussten zu Fuß gehen, etwa vier Kilometer.

Notarzt packte seine Ausrüstung auf eine Trage

„Der Notarzt packte sein Equipment auf eine Trage, und los ging es“, berichtet Steffen Müller, der selbst mit dabei war. Auf dem Weg habe man versucht, die Fahrer von Autos und Lkw auf allein eine Straßenseite zu lotsen. Denn der Baustellenbereich habe einfach zu wenig Platz geboten, um die Fahrzeuge auf beiden Straßenrändern aufzunehmen und dann noch Platz für die Rettungsfahrzeuge zu haben. Deshalb gibt Müller nicht nur den Kraftfahrern die Schuld. „Sie haben es ja versucht, aber es ging nicht.“ Doch das sei nicht das einzige Problem gewesen. „Die Kraftfahrer ließen nur ein Fahrzeug passieren und machten die Gasse dann wieder dicht.“

In engen Bereichen allein auf einer Seite aufreihen

Wenn es so eng zugeht, wie an dieser Stelle, empfiehlt Steffen Müller den Autofahrern generell, sich auf nur einer Seite aufzureihen. Auf diese Weise schaffe man genügend Platz für die Rettungsfahrzeuge.

Wegen all dieser Probleme hätten die Helfer etwa eine halbe Stunde bis zum Unfallort gebraucht, obwohl sie mit ihren Fahrzeugen eigentlich nur einen Bruchteil dieser Zeit benötigt hätten. Erst als an der Unfallstelle eine Spur geöffnet worden sei, habe der Verkehr abfließen können und sich die Situation allmählich entspannt.

Die beiden Unfallopfer seien schwer verletzt, aber nicht eingeklemmt gewesen, wovon in der Alarmierung zunächst ausgegangen worden war, berichtet Steffen Müller.

Helfer fordern Kameras für Rettungswagen

Die Rettungsgassen-Debatte hat damit in Brandenburg einen neuen Höhepunkt erreicht. „Wir sprechen uns dringend dafür aus, dass alle Feuerwehrautos und Rettungswagen mit Kameras ausgestattet werden“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Andreas Schuster, als Reaktion auf den außergewöhnlichen Einsatz des Mediziners. „Nur eine konsequente Ahndung von Verstößen gegen die Rettungsgassenbildung wird uns weiterhelfen“, so Schuster. Polizeiautos seien heute schon mit so genannten Dash-Cams ausgestattet, um Verstöße gerichtsfest zu dokumentieren.

Problemfall: Rettungsgasse bei Baustelle

Steffen Müller, Kreiswehrführer der Wittstocker Feuerwehr und bei dem Unfall im Einsatz, regt nach dem Vorfall an: „Der Gesetzgeber sollte darüber nachdenken, ob Baustellenfahrbahnen nicht grundsätzlich so breit anzulegen sind, dass Rettungsgassen auch problemlos gebildet werden können.“ Hintergrund sind extrem hohe Unfallzahlen wegen der vielen Großbaustellen auf den märkischen Autobahnen – insbesondere auf dem Berliner Ring.

Im Polizeipräsidium Potsdam ist man offen für den Vorschlag, mehr Kameraaufnahmen auszuwerten. „Wir können dann Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten – was auch immer dabei rauskommt“, sagt Sprecher Torsten Herbst. Die Verfolgung von Rettungsgassenmuffeln sei mit herkömmlichen Mitteln jedoch sehr personalaufwendig. Wenn bis zu fünf Streifenwagen gebraucht würden, um Unfallstelle, Gegenfahrbahn und Stauende zu sichern sowie die Unfallaufnahme abzuwickeln, seien meist keine Kräfte mehr da, um Gaffer dingfest zu machen.

Von Björn Wagener/Ulrich Wangemann/MAZ/RND

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