Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Katzenberger feiert ihren 30. – ganz „privat“
Nachrichten Panorama Katzenberger feiert ihren 30. – ganz „privat“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:01 01.10.2016
Kaum zu glauben: TV-Sternchen Daniela Katzenberger will es zu ihrem 30. Geburtstag tatsächlich mal ganz ruhig angehen lassen. Quelle: dpa
Hannover

Anzunehmen, dass sie mit einigen Facebook-Fotos die Welt darüber auf dem Laufenden hält, was ihr der Geburtstag so beschert. Vielleicht einen Klunker vom Ehemann Lucas Cordalis, ein Küsschen von Töchterchen Sophia. Man wird es sehen.

Die Katze, so wird sie liebevoll, ja respektvoll von ihren Fans genannt, hat sich zur berühmtesten Kunstblondine des Landes gemausert. Viele haben eine Meinung über sie, oft keine Gute. Trotzdem wissen die meisten mehr aus ihrem Leben als aus dem ihres nächsten Nachbarn.

Überall gefeiert

Das Privatfernsehen mit seinen Reality-Soaps hat die Kosmetikerin, Kellnerin und späteres Nackt-Model aus Ludwigshafen berühmt gemacht. Mit den VOX-Formaten „Auf und davon“ und „Goodbye Deutschland“ begann ihre Karriere. Doch von wegen auf und davon und Goodbye – die Katze schlich sich durch die verschiedenen Formate dauerhaft ins deutsche Showbizz wie eine Erkältung in den Körper. Sie ist da und schwer loszuwerden. Und obgleich Kodderschnautze Katzenberger keine nennenswerten Talente hat, wird die 30-Jährige dort, wo sie auftaucht, gefeiert.

Ihre nach außen getragene Künstlichkeit ist Kult. Sie bekam ihr eigenes Sendeformat („Daniela Katzenberger – natürlich blond“), schrieb mehrere Bücher, unterschrieb noch mehr Werbeverträge. 2015 wechselte sie zum Sender RTL II, der unter anderem eine Doku-Soap über ihre Hochzeit mit Lucas Cordalis, ihre Schwangerschaft und ihren Alltag überhaupt zeigt. Mit ihrer Ich-AG hat Katzenberger eine Eigenmarke geschaffen, so bekannt wie Aldis Albrecht-Kaffee.

Kein deutsches Phänomen

Doch sie ist nicht allein in schlechter Gesellschaft. Dschungel-Königin Melanie Müller, die exhibitionistisch veranlagte Michaela Schäfer, „Bachelor“ Paul Janke oder der nah am Wasser gebaute Mallorca-Auswanderer Jens Büchner – sie alle sind Produkte der Privaten Sender. Dazu gesellen sich noch die gut betuchten Geissens oder Heimwerkerkönig Konny Reimann, der nach elf Jahren Texas jetzt nach Hawaii zieht, RTL zieht mit. Die B- oder auch C-Promis füllen nicht nur Fernsehzeit sondern sorgen auch für Lesestoff, wie man liest nicht nur in Boulevard-Blättern.

Das alles ist kein deutsches Phänomen. Insbesondere amerikanische Reality-TV-Teilnehmer bekommen schnell einen Star-Status. In den USA gehört Kim Kardashian samt Familie zu den erfolgreichsten unter ihnen. Die 35-Jährige, die sich selbst als „Mädchen ohne Talent“ beschreibt, zierte bereits das Cover der ehrwürdigen Musikzeitschrift „Rolling Stone“ ohne je gesungen zu haben. Im Juli schaffte sie es sogar auf den Titel der „Forbes“, einem der erfolgreichsten Wirtschaftsmagazine der Welt. Warum? Weil aus dem sogenannten It-Girl eine erfolgreiche Geschäftsfrau wurde.

Kleinstunternehmerin im Vergleich zu US-Reality-Stars

Auf der jährlichen „Forbes“-Liste der 100 am besten bezahlten Berühmtheiten wird Kim an Position 42 geführt. Glaubt man Finanzexperten soll sie umgerechnet etwa 46 Millionen Euro allein zwischen Juni 2015 und Juli 2016 eingenommen haben, 40 Prozent davon durch ein Handyspiel, das ihren Namen trägt. Darin kann man seine Figur vom Nobody zum It-Girl aufsteigen lassen. Dafür müssen Aufgaben erfüllt werden, die Energie und Kardashian-Taler kosten. Auch Schwester Kylie Jenner brachte ein Handyprogramm heraus, das innerhalb einer Woche von einer Millionen abonniert wurde.

Angesichts dieser Zahlen ist Daniela Katzenberger eine Kleinstunternehmerin. Trotz eigener Beauty-Produkte, Büchern, einem Cafe auf Mallorca und diversen Werbeeinnahmen wird ihr Vermögen auf etwa drei Millionen Euro geschätzt. Peanuts im Vergleich zu den amerikanischen Selbstvermarkterinnen. Aber mit 30 Jahren hat die Katzenberger ja noch viel Zeit, Geld zu verdienen.

Bernd Gäbler, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft FHM Bielefeld, über das Medien-Phänomen Daniela Katzenberger.

Worin liegt der Erfolg von Daniela Katzenberger?

Grundsätzlich funktioniert die mediale Figur Daniela Katzenberger so, dass die Zuschauer eine so genannte para-soziale Beziehung zu ihr eingehen. Sie vergleichen das ihnen vorgeführte Leben der TV-Person mit ihrem eigenen, bewundern diese dann, lehnen sie ab, nehmen es aber gleichwohl mehr oder weniger identifikatorisch als modellhaft an. Dadurch wird die Figur Katzenberger von den Zuschauern als echt und authentisch erlebt.

Sind die Zuschauer mitverantwortlich für Katzenbergers Erfolg?

Ja, natürlich sind die Zuschauer, die ja freiwillig einschalten, mitverantwortlich für den Erfolg der Fernsehfigur Daniela Katzenberger. Dass sie sich so lange hält, liegt natürlich auch an den geschickten Inszenierungs-Strategien. Auf Medienkritik reagiert sie z.B. nie inhaltlich, sondern zeigt sich nur begeistert darüber, dass sich schlaue Leute so viele Gedanken über so ein einfaches Mädchen aus Ludwigshafen machen. Sie bleibt sich also treu.

Kann man talentfrei berühmt werden?

Ja, es gibt heute die vollständige Entkoppelung von Prominenz und Kompetenz. Unsere deutschen Nobelpreisträger kennt kein Mensch. Eher schon Sport- und Popstars. Am wichtigsten aber sind die „Promis“, deren Probleme die Menschen mit ihrem eigenen Alltag vergleichen können. Suggeriert wird: Jeder kann berühmt werden und damit Geld verdienen.

Ist das eine gesellschaftliche Tendenz?

Ja. In allen Bildungs-und Weiterbildungs-Institutionen sind nicht Mathematik oder Elektrotechnik, Deutsch oder Geschichte die beliebtesten Kurse, sondern: Self-Management, Mediencoaching und Bewerbungstrainings. Die Grundidee entspricht also der Erfahrung vieler Menschen in der heutigen Arbeitswelt: Wissen und Können sind nicht entscheidend, das kann man sich ja noch draufschaffen – auf das Ich kommt es an. Ich muss nicht unbedingt was können, aber ich muss mich „verkaufen“ können.

Gab es das schon immer?

Nun, die besondere Attraktion von anderen Menschen gab es schon immer. Früher waren es aber oft Menschen, die äußerlich nicht den Normen entsprachen. Dass die Normalität ihre mediale Verdopplung erlebt, hat natürlich damit zu tun, dass der Mediengenuss das Nachbarschaftserlebnis ersetzt, und jeder sich sein „globales Dorf“ selbst zusammenbasteln kann. Die Trash-Stars sind dann naturgemäß mit diesen Medien entstanden.

Von RND/Heike Manssen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Unerwartete Wende im Scheidungskrieg: Brad Pitt und Angelina Jolie sollen sich mithilfe der Kinderschutzbehörde über einen temporären Sorgerechts-Deal verständigt haben.

30.09.2016
Panorama Großbrand in Bochumer Uniklinik - Hat eine Patientin das Feuer gelegt?

Bei einem verheerenden Brand im Bochumer Universitätsklinikum sind zwei Menschen ums Leben gekommen, mindestens 15 weitere wurden verletzt. Möglicherweise hat eine Patientin das Feuer gelegt. Fest steht: Das Krankenhaus hatte keine Sprinkleranlage.

30.09.2016

Wenn die Rechnung kommt, wird er es sein, der in den sauren Apfel beißt. Ein irrer Apple-Hasser hat in Dijon (Frankreich) im dortigen Apple Store etliche iPhones sowie ein MacBook zerstört. Weitestgehend unbehelligt zertrümmerte er die Geräte mit einer Pétanque-Kugel aus Stahl.

30.09.2016