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Panorama Kamera treibt durch die Nordsee und filmt Untergang
Nachrichten Panorama Kamera treibt durch die Nordsee und filmt Untergang
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15:55 30.11.2017
Rund 800 Kilometer soll die Kamera bis nach Süderoog zurückgelegt haben. Quelle: dpa
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Süderoog

Rund 800 Kilometer hat die Kamera wohl zurückgelegt. Vom englischen East Yorkshire trieb sie bis an die Hallig Süderoog. Und zum Glück ist sie wasserdicht. Denn so konnte das Gerät ihren eigenen Untergang filmen und für die Nachwelt festhalten. Das elf-minütige Video der Kamera-Odyssee ist jedenfalls schon ein kleiner Facebook-Hit.

Aber der Reihe nach: Am 1. September spielt ein kleiner Junge am Strand. Er filmt seine Eindrücke mit einer Kamera. Irgendwann interessiert sich das Kind aber mehr für seinen Wassereimer. Auf den Boden abgestellt, zeichnet das Gerät noch einige Minuten das Strandleben auf. Dann kommt die Flut und reißt die Kamera ins Wasser. Minutenlang wirbelt sie durch die Unterwasserwelt.

Nach wahrscheinlich zwei Monaten in der Nordsee landete die Kamera nun an der Küste Schleswig-Holsteins auf der Hallig Süderoog. Um den Jungen zu finden, dem die Kamera wohl gehört, haben die beiden Hallig-Bewohner Nele Wree und Holger Spreer aus Süderoog das Video ins Internet gestellt. Mehr als 50 000 Mal wurde das Filmchen bereits angeklickt. „Vielleicht bekommt der kleine Junge am Ende ja sogar seine Kamera wieder“, sagte Hallig-Bewohner Spreer.

Schnackendes Strandgut

Das gab es mit ziemlicher Sicherheit noch nie :-) Auf Süderoog ist ganz besonderes Strandgut angekommen. Eine Kamera, welche genau berichtet, wie es dazu kam, dass sie am 01.09.17 (vermutlich an der Küste Großbritanniens) in der Nordsee gelandet ist, um ca. zwei Monate später hier auf der Hallig Süderoog anzukommen. Da sie in ein wasserdichtes Gehäuse verpackt war, ist sie immer noch funktionstüchtig und so konnten wir uns die aufgenommenen Filme von der Speicherkarte anschauen. Wie sich herausstellte, gehört die kleine schwarze Kamera wohl einem ca. 10 bis 12- jährigen, englischen Jungen, der sich und seine Familie gerne mal filmte. Dabei spionierte er ab und an sein Schwesterchen aus, nahm die Eltern beim Herumlungern auf der Couch auf oder auch die Großeltern beim Besuch. Eigene Aktivitäten, wie Tretrollerfahren in einer Indoorhalle oder Rumtoberei mit der Schwester auf dem Trampolin im Garten mussten natürlich auch festgehalten werden. Die Videos des Strandbesuchs, welche ihr hier in gekürzter Fassung zu sehen bekommt, sollten vorerst die letzten sein, die er mit seiner Kamera aufgenommen hat. Beim Spielen stellte er sie auf einem Stein ab, beschäftigte sich dann weiter mit Eimer und Schwester, vergaß wohl die noch laufende Kamera und entfernte sich immer weiter. Langsam kam allerdings die Flut und eine kleine Welle schubste sie dann ins Meer. All das und noch einiges mehr ist somit gut dokumentiert. ;-) Gefunden hat die Kamera übrigns bereits am 02.11.17 mein Vater, der das Strandgutsammeln noch sehr gut aus seiner Kindheit kennt. Geboren (1950) und aufgewachsen ist er nämlich bei Dranske auf Rügen. Damals, meint er, konnte man die meisten Dinge, die das Meer brachte (hauptsächlich Holz, wie Balken und Bretter, aber auch mal Apfelsinen usw.) noch gebrauchen. Zu dieser Zeit war Strandgut noch gut. Heute ist es fast ausschließlich Müll. :-( Dieser Fund hier, so meint auch er, ist schon etwas ganz besonderes. Man fragt sich so oft: „Wo kommt das bloß wieder her?“ oder „Wie ist das wohl im Meer gelandet?“ Endlich „schnackt“ ein Stück Müll mal mit uns. Die Uni Oldenburg macht ähnliche Experimente (nur nicht so ganz unfreiwillig wie diese Kamera) mit Driftern. Diese Holzklötze, welche auch schon zahlreich bei uns angekommen sind, werden mit einer Nummer und einem Hinweis versehen und in Massen an verschiedenen Orten ins Meer geworfen. Wer einen, z.B. beim Strandspaziergang, findet, kann dann die Nummer, Fundort und Zeit auf der Internetseite www.macroplastics.de eingeben. Durch die somit gewonnenen Daten versucht man sich ein Bild zu machen, wie sich der Müll in den Meeren verteilt und welche Zeit er für welchen Weg benötigt. Vielleicht ist der Weg dieser Kamera ja auch interessant für die Uni. ;-) Schön zu wissen wäre jetzt aber natürlich auch, ob jemand diesen im Video zu sehenden Jungen oder markant wirkenden Küstenabschnitt wiedererkennt. Für Eure Hinweise und Hilfe der Verbreitung sind wir sehr dankbar! Und wer weiß . . . , vielleicht bekommt der kleine Junge am Ende ja sogar seine Kamera wieder!? ;-) Grüße von der Hallig Süderoog Fenja, Nele und Holger :-)

Gepostet von Hallig Süderoog am Mittwoch, 22. November 2017

Englische Seenotretter haben mittlerweile entdeckt, dass der noch unbekannte Junge die Kamera in der Thornwick Bay nahe Flamborough Cliffs in East Yorkshire verloren haben muss. Mit einer Simulation konnten Experten der Seenotleitung Bremen das bestätigen.

Der Weg, den die Kamera zurückgelegt hat. Quelle: Seenotretter

Demnach trieb die Kamera südöstlich, dann in einer langen Kurve Richtung Nordosten bis auf die Höhe von Esbjerg in Dänemark, und dann wieder nach Süden bis Süderoog – insgesamt wohl eine Strecke von 800 bis 900 Kilometern.

Zum Glück ist die Kamera wasserdicht. Quelle: dpa

Von RND/iro/dpa

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