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Panorama Junge Frau an Bahndamm erstickt – Angeklagter schweigt
Nachrichten Panorama Junge Frau an Bahndamm erstickt – Angeklagter schweigt
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21:33 11.02.2019
An diesem Bahndamm soll sich die 30-Jährige gesonnt haben, als sie auf ihren Mörder traf. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
Berlin

Der mutmaßliche Mörder sah zu Boden und hüllte sich in Schweigen: Rund acht Monate nach dem gewaltsamen Tod einer jungen Social-Media-Beraterin in Berlin-Pankow hat vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 39-jährigen Mann begonnen. Der bulgarische Staatsangehörige soll die Frau in sexueller Absicht attackiert haben, als sie sich an einem Bahndamm sonnte. Er habe die 30 Jahre alte Frau schließlich erstickt, um eine versuchte Vergewaltigung zu verdecken, heißt es in der am Montag zu Prozessbeginn verlesenen Anklage.

Noch sind viele Fragen offen. Das Gericht hat in einem Beschluss den rechtlichen Hinweis erteilt, dass anstatt einer Sexualstraftat auch ein versuchter Raub in Betracht komme, den der mutmaßliche Täter vertuschen wollte. Hatte es der Angreifer möglicherweise auf das Mobiltelefon der Frau abgesehen?

Staatsanwaltschaft geht von sexuellem Motiv aus

Der 25. Mai 2018 war ein sehr heißer Tag. Die Social-Media-Beraterin, die oft auch zu Hause arbeitete, verließ laut Ermittlungen nach stundenlanger Arbeit ihre Wohnung. Auf einer Grünfläche an einem nahe gelegenen Bahndamm habe sie sich sonnen wollen. Es sei für die junge Frau ein Lieblingsplatz für solche Pausen gewesen, hieß es am Rande des Prozesses.

Gegen 16.10 Uhr wurde die 30-Jährige laut Ermittlungen überfallen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Bulgare die Frau in sexueller Absicht „ergriffen“ habe. Er habe der Frau „mindestens den Rock“ ausgezogen und versucht, ihr den BH abzustreifen. Als er an heftiger Gegenwehr scheiterte, habe er sie getötet, so die Anklage.

Der Bulgare war bereits straffällig geworden

Zwei Tage später fand ein Spaziergänger die Leiche in einem Gebüsch. Gerichtsmediziner hätten Hautpartikel des mutmaßlichen Täters unter den Fingernägeln des Opfers gefunden, die dem 39-Jährigen zuzuordnen seien, teilte die Polizei wenige Wochen nach dem Verbrechen mit. Die DNA des Bulgaren soll wegen anderer Straftaten in der Datenbank gespeichert gewesen sein.

Der 39-Jährige, der sich seit Anfang 2018 ohne festen Wohnsitz in Berlin aufgehalten haben soll, war nach der Tat aus der Hauptstadt verschwunden. Er wurde mit europäischem Haftbefehl gesucht und Anfang Juli von Zielfahndern im spanischen Bugos festgenommen. Mitte August wurde der zweifache Vater nach Deutschland ausgeliefert und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Angeklagter gibt an, er habe das Handy klauen wollen

Im Ermittlungsverfahren soll der Bulgare widersprüchliche Angaben gemacht und sexuelle Absichten zurückgewiesen haben. Er soll in einer Vernehmung erklärt haben, es sei ihm nur auf das Mobiltelefon der Frau angekommen. Er habe sie ansonsten nicht angerührt.

Der Anwalt des Bulgaren sagte nach dem ersten Prozesstag, für einen Mord im Zusammenhang mit einer versuchten Vergewaltigung „gab und gibt es keine Anhaltspunkte“. Der Prozess wird am 14. Februar fortgesetzt.

Von RND/dpa