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Panorama Höxter: Geliebte beschreibt Angeklagten als liebevoll
Nachrichten Panorama Höxter: Geliebte beschreibt Angeklagten als liebevoll
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23:07 04.04.2017
Der Angeklagte Wilfried W. (M) sitzt mit seinen beiden Anwälten Detlev Binder (r) und Carsten Ernst (l) in Paderborn (Nordrhein-Westfalen) im Landgericht. Quelle: dpa
Paderbor

Die beiden Angeklagten im Mordprozess um das sogenannte Horror-Haus von Höxter hatten Kontakt zu einer Reihe von alleinstehenden Frauen. Zwei ehemalige Partnerinnen zeichneten am Dienstag übereinstimmend das Bild eines gefühlvollen Wilfried W., mit dem sie jeweils eine harmonische Beziehung unterhalten hätten. Die ebenfalls Angeklagte Angelika W. habe sich als angebliche Schwester eingemischt. In einer dieser Beziehungen soll es den beiden Angeklagten aber auch um eine größere Summe Geld gegangen sein.

Eine 66 Jahre alte Witwe beschrieb den Angeklagten vor dem Landgericht Paderborn als gefühl- und liebevoll. Sie hatte 2015 über Monate hinweg eine Beziehung zu Wilfried W., die Treffen fanden nur in ihrer Wohnung in Holzminden statt. Dabei habe auch Sex eine Rolle gespielt. Trennen wollte sie sich von ihm wegen seines unsteten Lebenswandels. „Gewalttätig ist er mir gegenüber nie geworden. Nur seine Worte wurden massiv, als ich nicht mehr wollte“, schilderte die Zeugin. Bedroht habe sie sich von ihm nie gefühlt. Die Angeklagte Angelika W. habe sich ihr gegenüber als seine Schwester ausgegeben. Sie sei von der 48-Jährige am Telefon heftig beschimpft worden.

„Alles im normalen Bereich“

Ähnlich äußerte sich eine 61-jährige Frau aus Höxter. Auch bei ihrem Verhältnis zu Wilfried W. habe Sexualität eine Rolle gespielt. Aber alles sei im normalen Bereich verlaufen. Sie habe sich immer wohl gefühlt, berichtete sie. Gestört habe sie nur ständig die angebliche Schwester Angelika und die merkwürdigen Zeiten der Treffen. „Er kam immer nur am Abend nach 23 Uhr vorbei.“ Alles sei gut gewesen, bis sie Wilfried 3500 Euro für einen Autokauf geliehen habe. „Jetzt im Nachhinein ist mir klar, dass es wohl nur um das Geld ging. Denn anschließend begann der Streit, es war nicht mehr so wie vorher“, sagte die 61-Jährige. Angelika habe sie aufgefordert, weiteres Geld für die Anmeldung des Autos zu zahlen. Die Angeklagte habe zudem behauptet, das Geld sei ein Geschenk und nicht nur geliehen gewesen.

Eine andere Zeugin sagte, sie habe über Jahre mehrmals mit Bewohner des Hauses von Wilfried W. und Angelika W. in Höxter-Bosseborn Kontakt gehabt. Einmal habe ihr im Februar 2016 eine Frau die Tür geöffnet. „Diese Frau hatte einen leeren Blick, graue Haare und ganz dünne Beine“, berichtete die 65-Jährige. „Ich muss heute noch oft weinen, wenn ich an sie denke. Denn sie hat mich nicht um Hilfe gebeten, sie hätte ja nur ein Wort sagen müssen“, sagte die Zeugin.

Schwere Misshandlungen über Jahre

Bei der Frau mit den grauen Haaren muss es sich um das zweite Todesopfer Susanne F. gehandelt haben. Sie starb rund zwei Monate später an den Folgen von Misshandlungen in einem Krankenhaus. Die Angeklagten hatten im April 2016 versucht, die Frau zurück in ihre Heimat zu bringen, waren aber mit einer Autopanne liegengeblieben.

Über Jahre hinweg sollen Wilfried W. (47) und Angelika W. (48) mehrere Frauen in ein Haus nach Ostwestfalen gelockt und dort schwer misshandelt haben. Die Beiden sind wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Zwei Frauen starben infolge der Quälereien. Beide beschuldigen sich gegenseitig, die treibende Kraft gewesen zu sein. Mit einem Urteil rechnet Prozessbeobachter frühestens im Herbst 2017.

Von RND/dpa