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Panorama Hinrichtung eines Höllenengels
Nachrichten Panorama Hinrichtung eines Höllenengels
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15:53 10.10.2016
Aygün Mucuk, 45-jähriger Präsident der Hells Angels Gießen, ist vor dem Vereinsheim erschossen worden. Quelle: dpa
Gießen

Aus zwei bis fünf Metern Entfernung drangen die Geschosse in den Brustkorb des 45-Jährigen ein, berichtet das hessische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Gießen. Bei Aygün Mucuk wurde hingegen keine Waffe gefunden, nichts deutet auf eine Schießerei hin. Fraglich ist einzig: Wurde der Türke mit einer oder mit mehreren Waffen niedergestreckt?

Die Hinrichtung vor dem Vereinsheim im mittelhessischen Wettenberg könnte die Eskalation im seit Jahren schwelenden Krieg unter hessischen Hells Angels sein. Auf der einen Seite: die Oldschool-Rocker, die ihre Kutte als Symbol der Stärke, des Respekts und Ehre sehen. Auf der anderen Seite die „jungen Wilden“ – zumeist türkischstämmige Heranwachsende, die mit dem Rockerromantik nichts am Hut haben. Für sie ist die Kutte Mittel zum Zweck, um im Rotlichtviertel von Frankfurt mitzuverdienen.

Mucuk war Frankfurter Höllenengeln ein Dorn im Auge

Aygün Mucuk war den alteingesessenen Rockern aus dem Frankfurter Westend schon lange ein Dorn im Auge. Immer wieder hatten unterschiedliche Gruppierungen versucht, die Türsteher-Szene aufzumischen. Sie alle hatten nur eine kurze Halbwertszeit. Die Gießener Höllenengel hingegen blieben hartnäckiger. 2014 kam es mitten im Bankenviertel Frankfurts zur offenen Auseinandersetzung, es fielen Schüsse.

Das Spezialeinsatzkommando hat in Gießen Spuren nach dem Mord an Aygün Mucuk gesichert. Quelle: dpa

Mucuk wurde getroffen und schwer verletzt. Mit Glück überlebte er. Dabei war er es, der den Katana-Club stürmte und die Macht von Walter Burkard, besser bekannt als „Schnitzel-Walter“ und enger Vertrauter von Rockerboss Frank Hanebuth, übernehmen wollte.

Kampf um die Macht im Rotlichtviertel

Es geht um Geld und es geht um Macht. Im Frankfurter Rotlichtviertel haben die Türsteher das Sagen. Drogen, Waffen, Menschenhandel – damit lässt sich eine Menge Geld verdienen. Burkhards Wort stellte niemand in Frage, bis Mucuk kam.

Geschockt: Die Hells Angels Gießen trauern um ihren Präsidenten. Quelle: dpa

Drohen nun Racheaktionen der Gießener Höllenengel? Ulf Küch, der stellvertretende Bundesvorsitzende vom Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), nimmt wie gewohnt kein Blatt vor den Mund. „Das geht jetzt los. Wenn organisierte Kriminalität die Streitigkeiten offen austrägt und auf offener Straße aufeinander losgeht und tötet, dann müssten die Alarmglocken eigentlich sehr, sehr laut läuten.“

Mordopfer schaut Angreifern ins Gesicht

Staatsanwalt Volker Bützler zeichnet den Mord am Rockerboss nochmals nach. Aygün Mucuk hatte keine Chance, habe seinen Widersachern wahrscheinlich gegenübergestanden. Dass die Schüsse aus einem vorbeifahrenden Auto oder aus einem der umliegenden Häuser kamen, schloss Bützler aus.

„Bislang wurde noch kein Tatverdächtiger ermittelt, und es gab auch noch keine Festnahmen, die im Zusammenhang mit den tödlichen Schüssen stehen“, heißt es von der Staatsanwaltschaft.

Küch fordert ein Umdenken im Anti-Rocker-Kampf. Die Versuche einzelner Bundesländer, die Kutten und Symbole der Hells Angels zu verbieten und damit aus der Öffentlichkeit zu verbannen, zeigt nur bedingt Wirkung. Es handele sich nicht um Motorradfahrer, auch nicht um Kleingärtner, die miteinander grillen, sagt der BDK-Vize. „Sie führen irgendwelche krummen Geschäfte aus – und wenn es dann nicht so funktioniert, gibt es offene Gewalt.“

Von RND/Carsten Bergmann

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