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Panorama Hilfsbereitem Handwerker droht Millionenstrafe
Nachrichten Panorama Hilfsbereitem Handwerker droht Millionenstrafe
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14:28 22.06.2018
Kurz nachdem der Handwerker das Treppengeländer reparierte, passierte ein tragischer Unfall – das soll nun teuer werden. (Symbolbild) Quelle: Andre Kempner
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Brandenburg/H.

In dieser Geschichte ist alles schiefgelaufen. Ein Zimmerer übernimmt eine Baustelle, will gefällig sein und befestigt auf die Schnelle notdürftig ein Treppengeländer. Weil am Tag danach dort ein schwerer Unfall passiert, steht der Handwerker vermutlich in der Haftung. Es geht um Millionen.

Vor wenigen Wochen berichtete die Märkische Allgemeine Zeitung über den traurigen Fall einer Brandenburger Rentnerin, die sich durch einen Sturz einen Halswirbel gebrochen hat und seither hochgradig querschnittsgelähmt und aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes rund um die Uhr pflegebedürftig ist.

Einen Tag vor dem Unglück an einem Novembertag 2013 in der Innenstadt von Brandenburg/Havel kommt der erwähnte Handwerker neu auf die Baustelle im Innenhof der Wohnhäuser. Monatelang ist es dort nicht vorangegangen.

Ohne den Paketboten wäre dieser Unfall vielleicht nicht passiert

Der Hausbesitzer und Vermieter bittet den Zimmerer, die Treppe des Hinterhauses schon einmal mit einem Geländer abzusichern, ehe er richtig loslegt auf der Baustelle. Daraufhin tut der Handwerker das, was er besser nicht getan hätte. Er befestigt ein Geländer provisorisch mit zwei Schrauben.

Am nächsten Vormittag kommt der Paketbote, bringt zwei Pakete. Um sich Zeit und Arbeit zu sparen gibt er beim jungen Nachbarn Chris L. im Hinterhaus dessen Paket und das der damals 72 Jahre alten Frau ab, die er angeblich nicht angetroffen hat. Zwei Stunden später geht die Rentnerin, die im Vorderhaus wohnt, auf den Innenhof, steigt die wenigen Stufen zu ihrem Nachbarn im Hinterhaus hoch und klingelt.

Der junge Mann überreicht ihr das Paket. Um es in Empfang nehmen zu können, geht die Frau ein, zwei Stufen zurück, packt ihr Paket mit beiden Händen, will sich nach links drehen, verliert den Halt auf den unebenen Stufen, geht zu Boden und stürzt von dort an dem Geländer vorbei zwei Meter tief in die Baugrube, dorthin, wo die Kellertreppe neu gemacht werden soll.

Eine furchbare Rolle rückwärts in Zeitlupe

„Das war wie eine Rolle rückwärts in Zeitlupe“, berichtet Chris L. als Zeuge im Landgericht Potsdam. Er ruft sofort die Rettungsstelle an, keine fünf Minuten später kümmern sich Feuerwehr und Notarzt um die schwer verletzte Frau.

Die Feuerwehrleute erkennen, wie schlecht die Baustelle gesichert ist und informieren die Polizei.

Inzwischen hat die Rentnerin sehr viel Zeit in Krankenhäusern verbringen müssen. Sie kann aufgrund schwerster Verletzungen kein eigenständiges Leben mehr führen. Sie wird auf Dauer von fremder Hilfe abhängig sein.

Allein die Pflege kostet 25.000 Euro im Monat

Ihre Kranken- und Pflegekasse haben bis jetzt schon fast eine Million Euro gezahlt für ärztliche Behandlungen und die Pflege, die monatlich 25.000 Euro kostet. Sie wollen die Verantwortlichen für die Baustelle in Haftung nehmen und klagen daher gegen den Vermieter und den Zimmerer. Olaf Matlach, Rechtsanwalt der Versicherungen, spricht von einer „katastrophal hinterlassenen Baustelle“. Das Geländer habe Sicherheit suggeriert, die nicht vorhanden war.

Sollten das für die Klage gegen den Handwerker zuständige Landgericht Potsdam und das im Fall des Vermieters zuständige Amtsgericht Brandenburg beide beklagte Männer in der Pflicht sehen, könnte die Allianz den Schaden hausintern regulieren. Denn sie ist in beiden Fällen die Haftpflichtversicherung, die einspringen müsste.

Von RND/MAZ

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