Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Heiliger Tropfen: Eine Weinreise in den Rheingau
Nachrichten Panorama Heiliger Tropfen: Eine Weinreise in den Rheingau
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:00 07.04.2019
Draußen wächst er, drinnen lagert er: Schloss Johannisberg ist berühmt für Riesling. Quelle: Schloss Johannisberg
Eberbach

Fast andächtig gluckert der 2014er Riesling aus der Rheingauer Lage Marcobrunn in die Gläser. Es ist dabei klamm und kühl im Hospitalkeller des Klosters Eberbach. Kerzen brennen auf den wuchtigen Weinfässern, Licht und Schatten tanzen über das 800 Jahre alte Gemäuer.

Keine Frage, dürfte eine kurze Geschichte über den deutschen Weinbau erzählt werden, dann wäre hier ein idealer Ort dafür. Zwar wurde schon lange vor Gründung des Klosters Weinbau in Deutschland betrieben – von den Kelten oder Römern an der Mosel –, aber erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts bekam die Sache Hand und Fuß. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Eberbach, in der Nähe des hessischen Städtchens Eltville am Rhein gelegen, wurde auf Initiative des Mainzer Erzbischofs im Jahr 1136 von Zisterziensern aus dem Burgund besiedelt. Männer, die sich einem Leben des Gebets und der Arbeit verschrieben hatten. Sie waren bewandert in Forstwirtschaft, Ackerbau und Viehzucht.

Wo alles begann: Im Kloster Eberbach kelterten Mönche den ersten Wein. Quelle: Kloster Eberbach

Ihre Passion aber war der Weinbau: Reben gehörten schließlich schon zur Fracht der Arche, nach der Sintflut legte Noah zuallererst Weinberge an, von der Idee vom „Blut Christi“ ganz zu schweigen. Unverfälschter Wein war für die Zisterzienser aber nicht nur ein liturgisches Element und für die Messfeier unerlässlich, sie sahen es als ihre von Gott auferlegte, geradezu heilige Pflicht, das Beste aus dem Getränk herauszuholen.

Im Burgund hatten sie sich deshalb erstaunliche Fertigkeiten angeeignet. Sie experimentierten mit dem Rebschnitt und stellten fest, dass Unterschiede im Mikroklima und der Bodenbeschaffenheit andere Qualitäten hervorbrachten. Sie separierten Trauben vor der Kelter oder kartierten die Weinberge.

„Angeblich haben sie sogar die Erde gekaut, um die Bodenqualität zu prüfen – mit den Mönchen kam also auch ein erheblicher Innovationsschub in den Rheingau“, erklärt Leo Gros, der sich seit Jahrzehnten mit der Rheingauer Weingeschichte beschäftigt. Schon wenige Jahre später gründete Eberbach mehrere Tochterklöster, Dutzende Klosterhöfe entstanden in weitem Umkreis, schließlich ein Stadthof zur Weinvermarktung in Köln.

Einst das größte Weingut der Welt

Doch nicht nur das Wissen der Mönche wurde damit exportiert. Die Erträge stiegen aufgrund durchdachter Bewirtschaftung stetig an. Im 14. und 15. Jahrhundert avancierte das Kloster Eberbach – in dem im Übrigen fast alle Innenaufnahmen zu dem Film „Der Name der Rose“ gedreht wurden – sogar zum größten Weingut der Welt. Absatz: bis zu 1,4 Millionen Liter Wein.

Durch den Rhein gab es, ganz anders als im Burgund, eine ideale Möglichkeit für den Abtransport. Die im Rheingau kultivierten Rebsorten waren noch sehr vielfältig, reichten von Spätburgunder und Orleans über Silvaner bis hin zu Elbling oder Kleinberger.

Der Riesling, für den Deutschland und der Rheingau berühmt sind, ist ab dem Jahr 1435 urkundlich nachweisbar. Doch dazu lohnt ein Blick ins benachbarte Schloss Johannisberg, das mit seiner Rieslingbibliothek – der Bibliotheca subterranea – eine einzigartige Schatzkammer birgt: Flaschen, auf denen schon die dicke Staubschicht Zeugnis von ihrem Alter ablegt.

Keller voller Kostbarkeiten: Die Bibliotheca subterranea im Schloss Johannisberg lagern teils jahrhundertealte Rieslingschätze. Quelle: Schloss Johannisberg

Die älteste Bouteille datiert aus dem Jahr 1748. Eine Zeit, in der die Weine allmählich auch zu den extravagantesten Tropfen der Welt aufstiegen, bis sie Anfang des 19. Jahrhunderts im Preis mit dem teuersten Bordeaux konkurrierten. Natürlich nur, sofern es sich um Riesling handelte, der mit seiner Würze, Frische und Kraft alle in seinen Bann zog.

Der Rheingau, begrenzt durch Taunus und Rhein, liegt auf dem 50. Breitengrad – seine Lage und Ausrichtung schuf das perfekte Terroir für die Rebe. 1720 wurde sogar der gesamte Johannisberg, der sich auch noch heute wie ein rebengesäumter Teppich am Fuß des Schlosses entrollt, mit Riesling bestockt – der erste reine Rieslingweinberg Deutschlands.

Die spätere Lese entstand durch Zufall

Doch noch anderweitig beeinflusste das Kloster und heutige Schloss Johannisberg den deutschen Weinbau, wenn auch durch einen kuriosen Zufall: Im 18. Jahrhundert gab noch die Abtei Fulda schriftlich den Startschuss zur Weinlese.

Aus unbekannten Gründen verspätete sich im Jahr 1775 der Kurier um ganze drei Wochen, weswegen die Trauben bei der Lese von Edelfäulnis überzogen und eingeschrumpelt waren. Die Johannisberger Benediktiner kelterten den Wein trotzdem. Im Jahr darauf war im Kellerbuch zu lesen: „Solche Weine habe ich noch nicht in den Mund gebracht.“ Leo Gros: „Danach wurde die spätere Lese zum Ziel erklärt.“

Lage und Ausrichtung des Rheingau schaffen das perfekte Terroir für die Rieslingrebe. Quelle: Schloss Johannisberg

Damals ebenfalls keine Selbstverständlichkeit: Im nahe gelegenen Schloss Vollrads oder im Kloster Eberbach wurden Weine für längere Zeit eingelagert, denn die Mönche wussten um den Wert reiferer Tropfen. Zehn, 15 oder 20 Jahre durften sie sich bis zum Verkauf im „Cabinettkeller“ entfalten – also wesentlich länger als jene fünf Jahre, die der 2014er Marcobrunner Riesling auf der Flasche lag.

Vielleicht erzählt ein Schluck des feinwürzigen, kraftvollen Weins aber mehr über den Rheingau als jede weinhistorische Abhandlung. Der evangelische Herzog von Braunschweig schrieb immerhin 1576 an das Kloster Eberbach, er wolle nichts außer einem Marcobrunner haben, und wenn es keinen Marcobrunner gäbe, dann nur Wein von ähnlicher Qualität. Das ist Geschichte, die auf der Zunge zergeht.

Von Hannes Finkbeiner

Zu einem kuriosen Einsatz von Polizei und Feuerwehr ist es im bayerischen Memmingen gekommen. Dort war ein 14-Jähriger Junge aufs Dach geklettert. Eine Frage ließ er aber unbeantwortet.

07.04.2019

Wieder einmal ist es in Berlin zu einem illegalen Autorennen gekommen. Dabei bedrängten zwei Fahrer ein Taxi, einer rammte dieses. Ein Raser wird noch von der Polizei gesucht.

07.04.2019

Ein Raser in Österreich ist mit 118 km/h in einer 60er-Zone unterwegs. Und liefert der Polizei anschließend eine mehr als kuriose Erklärung für den Grund seiner Raserei.

07.04.2019