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Panorama Gut gegen Stress: Lehrer auf vier Pfoten
Nachrichten Panorama Gut gegen Stress: Lehrer auf vier Pfoten
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18:38 19.11.2016
Schulhund Hugo und Lehrerin Stefanie Mühlberg in der Klasse 1a der Goethe-Schule. Quelle: Bernd Settnik
Potsdam

In Brandenburg ist die Bildung auf den Hund gekommen. „Hugo, willst Du ein Leckerli?“, ruft Manja Schüle, Büroleiterin von Bildungsminister Günter Baaske (SPD). Sie meint nicht den Vierbeiner, sondern ihren Chef. Der schnappt sich brav die Papiertüte, zieht lecker Fleischsticks heraus und hält sie Hugo unter die braune Knetnase. Der schnuppert neugierig, womit der andere Hugo ihn da locken will. Zwei Hugos im Klassenzimmer. Da sind Verwechslungen nicht ganz ausgeschlossen.

Der eine Hugo mit der süßen Schnauze ist ein 19 Wochen alter Mini Australian Shepherd, Schulhund der Babelsberger Goethe-Grundschule mit eigenem Facebook-Auftritt und nach Ministeriumsangaben eine Besonderheit im Land: Nur zwei Schulhunde gibt es in ganz Brandenburg, beide wurden ausgerechnet in der Landeshauptstadt eingeschult, wo derzeit über eine Erhöhung der Hundesteuer diskutiert wird. Auch die Gerhart-Hauptmann-Grundschule in der Brandenburger Vorstadt hat einen Lehrer mit dickem Fell.

Der zweite Hugo ist zumindest bekannt wie ein bunter Hund. Bildungsminister Günter „Hugo“ Baaske hat seinen Spitznamen zu Jugend-Diskjockey-Zeiten aus Rache von einer Pionierleiterin in Markgrafenheide erhalten, die er zuvor als „Trude“ betitelte.

Hugo, der junge Hund, hat Hugo, den alten Hasen im Politikbetrieb, eingeladen. Nicht persönlich natürlich, denn Schulhund Hugo ist zwar schlau, schreiben kann er aber nicht. Das hat Frauchen Stefanie Mühlberg übernommen. Die 26-jährige Lehrerin betreut das in Brandenburg nahezu einmalige Projekt. „Ich wollte immer einen Hund haben“, erklärt sie ihre Motivation. Aus Ländern wie der Schweiz habe sie davon gehört, dass Hunde im Unterricht eingesetzt werden können. „Ein Lehrer auf vier Pfoten“ war dann das Thema ihrer Abschlussprüfung an der Uni. Inzwischen ist Hütehund Hugo bei der Lehrerin eingezogen und besucht zweimal pro Woche ihre Klasse 1a.

Hugo hilft den Kindern beim Lernen. Quelle: Bernd Settnik

Die Schülerherde sitzt im Kreis auf dem Boden. In der Mitte liegt ein Spielfeld mit Pfotenabdrücken auf verschiedenfarbigen Feldern. „Hugomania“ heißt das Brettspiel. Ein Schüler würfelt. Hugo schaut genau hin. Rot bedeutet Deutsch, Blau steht für Mathe. Wenn der Spieler auf einem gelben Feld landet, ist Hugos Einsatz gefragt: Sitz, Platz, Bleib – was so ein Hund in der ersten Klasse eben können muss. Hugo, der nach Dienstschluss noch eine Hundeschule für Therapiehunde besucht und dort das Einmaleins des tierisch guten Benehmens lernt, bewältigt seine Aufgabe mit Bravour. Leckerli her! Hugo zwei reicht eines rüber. Die Kinder sind begeistert.

Hugo hilft Stress bei den Schülern abzubauen

„Hugo hilft uns beim Lernen“, erklärt Leonie. „Hugo hat mich getröstet, als ich traurig war“, erzählt Elia. Der Hund sei gut für das Klassenklima, erläutert Stefanie Mühlberg. Beim Anblick des süßen Kerlchens werde das Kuschelhormon Oxytocin freigesetzt. Das baut Stress ab. Zudem lernen die Kinder, richtig mit Tieren umzugehen. „Wir müssen leise sein und dürfen Hugo nicht stören. Wenn wir zu laut sind, fiept er“, erklärt Tino. Auch Ordnung bringt der braun-weiße Wuschel den Kindern bei. Nussschalen oder Sand auf dem Boden – das geht gar nicht. „Wenn er das frisst, bekommt er dolle Bauchschmerzen“, weiß Tino. Hugo hilft zudem Flüchtlingskindern. Die Körperteile von Schnauze bis Pfote auf Deutsch zu benennen, lernen diese mit ihrem vierbeinigen Lehrer ganz leicht.

Bedenken seitens der Eltern habe es nicht gegeben, sagt Stefanie Mühlberg. Ein Mädchen hatte anfangs Angst vor Hunden. Dank des sanften Hugos sei sie nun ein Hundefan geworden. „Wenn es Schwierigkeiten geben sollte, Allergien oder Ängste auftreten, müssten wir das Projekt beenden“, sagt die Pädagogin. Auch Hugo muss sich wohlfühlen. „Wenn es ihm zu viel wird, geht er zu Frau Henkes“, erzählt Mühlberg. Schulleiterin Anja Henkes hat in ihrem Büro immer ein ruhiges Plätzchen frei.

Hugo zwei jedenfalls ist begeistert von Hugo eins – und umgekehrt. „Ich kann Schulen nur zu so einem Projekt ermuntern“, sagt Baaske. Eventuell würde das Ministerium künftig sogar einen Obolus beisteuern – für die rund 600 Euro teure Spezialhundeausbildung, die Stefanie Mühlberg alleine trägt, und ein paar Leckerlis. Für bessere Bildung muss der Minister schon mal Männchen machen.

Von RND/MAZ/Marion Kaufmann

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