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Panorama Günter Lubitz: Unser Sohn war nicht depressiv
Nachrichten Panorama Günter Lubitz: Unser Sohn war nicht depressiv
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13:53 24.03.2017
Ist sich sicher, dass sein Sohn Andreas nicht an Depressionen gelitten hat: Günter Lubitz. Quelle: dpa
Berlin

Am zweiten Jahrestag des Absturzes über den französischen Alpen mit 150 Toten hat die Familie des für die Katastrophe verantwortlichen Copiloten eine Pressekonferenz in Berlin gegeben. Nach Angaben seines Vaters, der sichtlich berührt zur Presse sprach, sei Lubitz zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv gewesen. Er habe seinen Sohn in den Jahren vor dem Absturz als „lebensbejahenden, verantwortungsvollen“ Menschen erlebt. „Unser Sohn war zum Zeitpunkt des Absturzes nicht depressiv“, betonte er immer wieder.

Warum er die Pressekonferenz ausgerechnet am zweiten Jahrestag des Absturzes gebe – auch dazu äußerte sich Lubitz: „Wir wussten, dass es uns übel genommen wird“, sagte der Vater des Copiloten, doch er sei sich sicher gewesen, dass, egal welchen Tag sie dafür gewählt hätten, die Reaktionen ähnlich ausgefallen wären. „Auch wir trauern“, sagte Lubitz im Namen seiner Familie. Er stehe, wie alle anderen, der Tragödie fassungslos gegenüber.

Angehörige empfinden Zeitpunkt als „geschmacklos“

Angehörige der 149 anderen Menschen an Bord hatten vor der Erklärung den Zeitpunkt als „unverantwortlich“ und „geschmacklos“ kritisiert. Der Schulleiter Ulrich Wessel aus dem westfälischen Haltern, wo am Freitag eine Gedenkfeier für die Halterner Opfer stattfand, nannte dies eine „Provokation, ein Affront gegenüber den Eltern“.

Kein Arzt oder Therapeut habe damals Suizidgedanken bei seinem Sohn festgestellt, es habe auch keine Hinweise auf ein „fremdaggressives Verhalten“ vorgelegen, sagte Günter Lubitz weiter. Dem offiziellen Untersuchungsbericht zufolge hat Andreas Lubitz den Airbus vor zwei Jahren absichtlich gegen einen Berg in den französischen Alpen gesteuert. Alle 150 Menschen an Bord starben.

Zweifel am Unglückshergang

Doch nach den Ausführungen des Flugunfallexperten Tim van Beveren, den Lubitz’ Familie mit der Nachuntersuchung des Unfallgeschehens beauftragt hatte, könnten leise Zweifel an der Unglücksursache aufkommen: Dessen Ausführungen zufolge sei unter anderem nicht klar erwiesen, wer zum Zeitpunkt des Absturzes der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren im Cockpit saß. Die Tatsache, dass bereits zwei Tage nach dem Unglück der Schuldige an der Tragödie ausgemacht war, habe ihn befremdet. „Etwas Vergleichbares habe ich in meiner 25-jährigen Tätigkeit als Luftfahrtexperte nicht erlebt“, so van Beveren, der gefragter Gesprächspartner in Sachen Luftfahrt ist. Normalerweise nähmen Flugunfalluntersuchungen einen deutlich längeren Zeitraum in Anspruch.

Auch die These, Lubitz habe den Flugkapitän absichtlich ausgesperrt, stellte der Luftfahrtexperte in Frage. Dies sei nicht zweifelsfrei erwiesen, sagte van Beveren am Freitag und verwies in diesem Zusammenhang auf einen Zwischenfall, der sich kurz vor dem Unglück an Bord der Unglücksmaschine ereignet habe. Demnach habe sich eine Crew dieses Jets selbst ausgesperrt. Erst ein hinzugerufener Monteur habe die Cockpittür schließlich öffnen können. Möglicherweise sei diese demnach schon zuvor defekt gewesen. Er habe dies den Absturz-Ermittlern auch mitgeteilt. „Es ist nicht untersucht worden“, sagte van Beveren am Freitag auf einer Pressekonferenz in Berlin.

Lediglich Ingenieure an der Aufklärung beteiligt

Van Beveren kritisierte weiter, dass bei den Ermittlungen zur Unfallursache nur Ingenieure eingesetzt worden seien, aber keine „Human Factor“-Experten, die darauf spezialisiert seien, den Faktor Mensch zu analysieren. Diese könnten beispielsweise aus Stimmenrekorder- und Funk-Aufzeichnungen auf Stress schließen. Am Ende habe ein Ingenieur aufgrund der Untersuchungen dem Copiloten Lubitz eine endogene Depression attestiert.

Auch das Thema Wetter hob der Luftfahrtexperte noch einmal auf den Prüfstand: Auch er habe diesen Faktor zunächst als Unfallursache ausgeschlossen, doch bei genauerer Auswertung der Wetterkarten seine Meinung noch einmal revidieren müssen. Van Beveren verwies auf Turbulenzen, die es am 24. März 2015 über dem Absturzgebiet gegeben habe. Solche Luftlöcher seien sehr gefährlich. Etliche andere Piloten hätten deswegen am Absturztag niedrigere Flughöhen gewählt.

Bundesregierung zweifelt nicht an Untersuchungsergebnissen

Günter Lubitz sagte weiter, die Familie müsse damit leben, dass der Sohn als „depressiver Massenmörder“ dargestellt werde und dass er als „dauerdepressiv“ gelte. Er habe seine Depression im Jahr 2009 aber überwunden. Die festgestellten Arztbesuche 2014 und 2015 seien ausschließlich wegen seines Augenleidens nötig gewesen.

Die Bundesregierung hat unterdessen die geäußerten Zweifel an der offiziellen Absturzursache der Germanwings-Maschine vor zwei Jahren zurückgewiesen. „Es gibt für uns keinen Anlass, an der Art und den Ergebnissen der Unfalluntersuchungsbehörde zu zweifeln“, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin.

Von RND/dpa/caro/are

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