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Panorama Große Nachfrage: In Kanada geht das Marihuana aus
Nachrichten Panorama Große Nachfrage: In Kanada geht das Marihuana aus
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08:24 05.11.2018
Ein Mann raucht einen Joint. Quelle: epd
Toronto

Der Laden im kanadischen Labrador City heißt High North, übersetzt hoher Norden. Aber high kann niemand werden, der hier einkaufen möchte. Denn in den ersten zwei Wochen nach der Legalisierung von Marihuana im Land war die begehrte Ware in diesem Geschäft gerade mal vier Stunden lang erhältlich. Dann herrschte Ebbe, sämtliche Cannabis-Produkte waren ausverkauft, und es gab keinen Nachschub.

„Die Produzenten sagen stets, dass Holprigkeiten auf dem Weg zu erwarten sind, aber was wir derzeit erleben, ist keine Holprigkeit. Es ist ein großes Schlagloch“, sagt Ladenmitbesitzer Trevor Tobin.

Marihuana – oft auch Pot genannt – ist seit dem 17. Oktober in Kanada für den Freizeitgebrauch freigegeben. Das macht das Land zum weltweit größten legalen nationalen Markt für diese Droge. Aber bislang ist in der Realität kaum etwas davon zu spüren. Zum einen sind noch nicht genügend Läden in Betrieb, andererseits, mangelt es vielerorts an Ware.

Cannabis-Produzenten: „Es gibt eine Menge Bürokratie“

Das liegt nicht etwa daran, dass Kanada nicht genügend Cannabis-Produkte herstellen könnte. Aber Produzenten, die private und staatliche Händler beliefern wollen, müssen dafür eine behördliche Genehmigung erhalten – ein bisher äußerst langsamer Prozess. So besitzen derzeit nur 78 der 132 Marihuana-Erzeuger, die vom zuständigen Gesundheitsministerium HealthCanada zugelassen worden sind, eine Verkaufslizenz.

Menschen stehen vor einem Cannabis-Shop Schlange. Quelle: Ryan Remiorz/The Canadian Press/AP/dpa

FSD Pharma etwa, ein Produzent in der Provinz Ontario, darf zwar seit einem Jahr anbauen, aber hat bislang keine Genehmigung, Händler mit Waren zu versorgen. „Es gibt eine Menge Bürokratie“, klagt der Topmanager des Unternehmens, Raza Bokhari. „Manche Hemmnisse sind unnötig, es ist ziemlich beschwerlich.“ Hinzu kommt, dass viele der Betriebe, die eine Verkaufslizenz erhalten haben, eher klein sind, wie Cam Battley von Aurora Cannabis, einem der großen kanadischen Produzenten, schildert.

Dass beim nationalen Postdienst Canada Post gestreikt wird, verschärft die Lage noch zusätzlich: Schließlich liefert er die meisten im Internet bestellten Waren aus.

150.000 Bestellungen in einer Woche im staatlich betriebenen Online-Shop

Die Verkäufe selber werden von den einzelnen Provinzen kontrolliert und größtenteils auch reguliert. Und praktisch überall sieht es wenig gut mit dem Pot-Nachschub aus. So werden die vom Staat betriebenen Läden in Quebec ab jetzt jede Woche drei Tage lang – von Montag bis Mittwoch – geschlossen bleiben, so lange, bis sie dauerhaft genügend Waren anbieten können. Manitoba Liquor & Lotteries erwartet, dass die Engpässe beim Nachschub sowohl in herkömmlichen Läden als auch im Online-Handel bis zu sechs Monate dauern könnten.

Ontario, Kanadas bevölkerungsreichste Provinz, wird frühestes im April die ersten Geschäfte öffnen: Die dortige neue konservative Regierung arbeitet derzeit noch Regulierungen aus. Derweil hat die Polizei mindestens elf illegale Verkaufstellen in der Provinz geschlossen.

Einwohner in Ontario, die Pot legal kaufen möchten, bestürmen den von der Regierung betriebenen Online-Laden. Allein in der ersten Woche gingen hier mindestens 150.000 Bestellungen ein, mehr als in allen anderen Provinzen zusammen. Der Laden kann mit der Nachfrage nicht mithalten.

Die drittbevölkerungsreichste Provinz British Columbia, aus der historisch ein großer Teil des illegalen Marihuana stammte, weist bisher nur ein einziges Pot-Einzelhandelgeschäft auf.

Schwarzmarkt mit Cannabis blüht weiter

Und so wenden sich denn Cannabis-Liebhaber in Kanada wieder zunehmend dem schwarzen Markt zu. Restaurant-Manager Corey Stone aus Montreal etwa und sein Freund waren die ersten in einer langen Warteschlange, als Quebecs staatlich betriebener Cannabis-Laden am 17. Oktober öffnete. Aber das war es dann wegen der Nachschubprobleme für ihn: Der 32-Jährige beschafft sich die Droge jetzt wieder illegal.

In Ottawa schlossen die meisten illegalen Verkaufsstellen am 16. Oktober, um legale Betriebsgenehmigen beantragen zu können. Ontario Capital Buds gehört zu den wenigen, die noch übrig geblieben sind, und das Geschäft blüht. Das Wartezimmer ist meistens voll – wie kürzlich an einem kalten grauen Tag, als Blake Murchison zum Einkaufen kam. Der 62-Jährige hat es erst gar nicht beim staatlichen Online-Laden versucht. „Warum? Wir haben einen Poststreik!“ sagt der 62-Jährige. „Ich habe keine Geduld. Es ist wirklich eine Frage der Bequemlichkeit. Oder Unbequemlichkeit.“

Von Rob Gillies und Tracey Lindeman/RND/AP