Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Panorama Glyphosat in „Ben and Jerry’s“-Proben gefunden
Nachrichten Panorama Glyphosat in „Ben and Jerry’s“-Proben gefunden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:19 10.10.2017
Glyphosat wird weltweit zur Unkrautvernichtung eingesetzt. Quelle: imago/Christian Ohde
Brüssel

Wissenschaftler haben das Unkrautvernichtungsmittels Glyphosatin in Speiseeis-Proben aus Deutschland und drei weiteren europäischen Ländern gefunden. „Untersuchungen aus Frankreich und Großbritannien weisen darauf hin, dass der Glyphosatgehalt aus den meisten Proben von „Ben and Jerry’s“ Eiscreme wahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellt“, sagte der Forscher Gilles-Eric Séralini am Dienstag in Brüssel. Er stellte seine Forschungsergebnisse dort auf einer Pressekonferenz der Grünen im Europäischen Parlament vor.

Der US-Wissenschaftler John Fagan sagte, in 13 von 14 untersuchten Eisproben habe man Glyphosat in einer Konzentration von bis zu 1,23 Nanogramm pro Milliliter gefunden. Fagan untersuchte auch „Ben and Jerry’s“ Eis aus Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Parallel getestete Bio-Eiscreme habe kein Glyphosat enthalten.

„Glyphosatmenge der Stichproben birgt Gesundheitsrisiko“

Die gefundenen 1,23 Nanogramm pro Milliliter liegen den Angaben zufolge unter dem offiziellen Grenzwert, doch diese seien überholt, meinte Séralini. Auf welchen Grenzwert sich der Wissenschaftler bezog, war zunächst nicht klar. Für bestimmte Grundnahrungsmittel wie Mais oder Soja gelten europaweite Höchstmengen.

Auch Glyphosatwerte, die zehnmal unter den festgestellten Konzentrationen lagen, hätten laut Séralini in Versuchen bei regelmäßigem Verzehr ernste Leber- und Nierenerkrankungen ausgelöst. „Die Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Glyphosatmenge der meisten Stichproben höchstwahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellen“, teilte Séralini mit.

Verbraucherschützer sagten bei der Pressekonferenz, die Substanz sei vermutlich über die Milch konventionell gehaltener Kühe in die Eiscreme gelangt. Auch das Getreide der Kekse in dem Eis könne das Unkrautvernichtungsmittel enthalten. Séralini ergänzte, Glyphosat könne auch Wasser verseuchen.

Unilever: „Produkte sind unbedenklich“

Mittlerweile hat der Eishersteller „Unilever“ reagiert. „Unsere Produkte sind sicher und können bedenkenlos verzehrt werden“, erklärte das Unternehmen. Glyphosat werde im Weizen-, Hafer-, Gersten-, und Erdnussanbau verwendet, den Zutaten für Sorten wie „Cookie Dough“ oder „Peanut Butter Cup“.

Aktuelle Testmethoden seien so detailliert, dass sich selbst die kleinsten Mengen im Labor feststellen ließen. Der Konzern kaufe für das Eis Fair-Trade-Produkte ein und unterstütze eine nachhaltige Landwirtschaft: „Wir wissen aber auch, dass es noch viel zu tun gibt.“

Glyphosat-Richtwerte

Die EU hat für unterschiedliche Grundnahrungsmittel verschiedene Glyphosat-Grenzwerte festgelegt. Der zulässige EU-Grenzwert für Glyphosat in Sojabohnen, Sonnenblumenkerne oder Hafer liegt laut der Euorpäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit beispielsweise bei 20 mg/kg, bei Waldpilzen beträgt er 50mg/kg, bei Mais 1mg/kg. Für Trinkwasser gilt ein Höchstwert von 0,1ng/ml. Bisher galten diese Richtwerte als unbedenklich. Da Glyphosat jedoch zunehmend im Tierfutter- und Getreideanbau angewandt wurd und somit auch weitere Produkten belastet sind, fordern Umweltaktivisten die Senkung der Grenzwerte. Ein Mangel an Studien und Langzeituntersuchungen erschwert die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Glyphosat-Belastung. Bisher konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob das Mittel krebserregend ist. In Deutschland liegt die tägliche Gesamtbelastung für Verbraucher laut Bundesinstitut für Risikobewertung bei 0,3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Von dpa/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Er ist einer der mächtigsten Filmbosse: Jetzt ist Harvey Weinstein, Gründer der gleichnamigen Filmstudios, über sein eigenes Verhalten gegenüber Frauen gestürzt. Viele Schauspieler finden mittlerweile deutliche Worte. Darunter Lena Dunham, Judi Dench und George Clooney.

10.10.2017
Panorama XXL-Ostfriese starb vor einem Jahr - Tamme Hanken – das sagt seine Witwe heute

Die Witwe von Tamme Hanken hat sich nun in einem Statement an die Fans des Knochenbrechers gewendet. Zum ersten Mal gibt sie Details aus dem gemeinsamen Leben und ihrem Leben alleine nach seinem Tod preis.

10.10.2017

Mit einem ungewöhnlichen Schritt entschied sich das BKA am Montag in einem Fall von schwerem Kindesmissbrauch nach dem Täter zu fahnden: Sie veröffentlichten die Fotos des vierjährigen Opfers. Mit Erfolg: Noch am Abend konnte der mutmaßliche Täter ermittelt werden. Das Kind soll ihn gekannt haben.

10.10.2017