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Panorama Gewalt in der kenianischen Safari-Idylle
Nachrichten Panorama Gewalt in der kenianischen Safari-Idylle
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10:15 08.04.2017
Lange Zeit beanspruchten die Elefanten in den geschützten Reservaten das Grüne für sich. Nun müssen sie es mit den Ziegen und Kühen der einheimischen Hirten teilen. Quelle: dpa
Nairobi, Kenia

„Sie verbrannten ein Stück meiner Seele“, schrieb Kuki Gallmann nach dem Angriff. Die Familie der Autorin, deren Buch „Ich träumte von Afrika“ mit Kim Basinger in der Hauptrolle verfilmt wurde, besitzt ein Reservat in der Provinz Laikipia, im Zentrum Kenias. Es war nicht das erste, das in den vergangenen Wochen von nomadischen Viehhütern angegriffen wurde. Zu wenig Regen, zu viele Kühe – und nicht zuletzt die anstehenden Wahlen in dem ostafrikanischen Land tragen zu der angespannten Lage bei.

Vor einer Woche drangen bewaffnete Hirten samt Vieh auf das Gelände der Laikipia Nature Conservancy ein. Sie zieht mit ihrer atemberaubenden Landschaft auf rund 400 Quadratkilometern, den Herden von Elefanten, Büffeln und Zebras Safari-Touristen aus aller Welt an. Derzeit liegen die Löwen faul im trockenen Grasland. Es herrscht Dürre.

Die Dürre kostet zahlreichen Tieren das Leben. Quelle: dpa

Ähnlich wie jene der Gallmann-Familie gibt es mehrere große Ranchen in der Provinz Laikipia. Die meisten kombinieren kommerzielle Viehzucht mit Tourismus. Besucher aus aller Welt kommen hierher, um exotische Wildtiere zu sichten. Doch blutige Angriffe durch nomadische Viehhirten haben die Idylle im Safari-Paradies zerstört.

Seit Januar wurden mehrere Farmen wurden angegriffen, in einigen Fällen mit Gewalt. Angreifer setzten einzelne Safari-Lodges in Brand, ein britisch-kenianischer Farmer getötet. Der Safari-Betreiber Tristan Voorspuy war mit dem Pferd auf der Sosian Ranch unterwegs, um Schäden eines Angriffs vom Vortag zu untersuchen. Die Eindringlinge erschossen ihn.

Keine Safaris mehr

Die Viehhirten gehören den Pokot und Samburu an, zwei der insgesamt mehr als 50 Bevölkerungsgruppen in Kenia. Geschätzte 130.000 Tiere ziehen durch Laikipia, wie Beobachtungsflüge ergeben haben, sagt Constant. Begleitet werden sie von 5000 bis 10.000 Hirten.

Sie hatten das Haus seines Freunds und Geschäftspartners Richard Constant geplündert und angezündet. „Sie haben alles Wertvolle mitgenommen und das ganze Haus niedergebrannt“, erzählt Constant am Telefon. Noch immer befänden sich zwischen 70 und 80 Viehherden illegal auf der Sosian Ranch, erzählt der Miteigentümer der Farm samt Luxus-Lodge.

Bereits einen Monat vor dem Vorfall Anfang März habe Sosian aus Sicherheitsgründen für Touristen geschlossen. „Wir können keine Besucher empfangen, während Tausende Männer mit AK47 Maschinenpistolen herumlaufen.“ Die Sosian-Verwaltung zog den Stecker. Nach Angaben der Behörden waren keine Touristen von den Angriffen betroffen.

Politiker sollen zu Angriffen anstacheln

Rund 2,6 Millionen Menschen sind dem Welternährungsprogramm (WFP) zufolge akut von einer Knappheit an Lebensmittel bedroht. Das sind doppelt so viele wie vor etwa einem Jahr. Laikipia liegt zwischen einigen der am schwersten betroffenen Gebieten.

Die Hirten aus Samburu und Isiolo planten gemeinsam die Angriffe, erklärt John Ole Monto, ein Sozialarbeiter in der Region. Angetrieben werden die Eindringlinge nicht nur aus der Not heraus. Auch Politiker stacheln sie zur Übernahme von Ländereien an – allen voran der Parlamentsabgeordnete der Opposition Mathew Lempurkel.

Lempurkel muss sich derzeit im Zusammenhang mit dem Mord an Voorspuy vor Gericht verantworten. Der Parlamentsabgeordnete unterstütze die Übergriffe nicht nur, sondern fordere die Hirten sogar zu diesen auf, erklärt Ole Monto. „Er wird von den Samburu-Hirten als Held gefeiert.“

Aber auch für die nomadischen Hirten ist die Lage düster. Zahlreiche Tiere verdursten oder verhungern. „Das Vieh war schon schwach als die Übergriffe begannen“, sagt Constant. Die Märsche hätten die Tiere weiter geschwächt. „Es kostet die Tiere mehr Energie zu fressen, als was sie dabei aufnehmen.“

Von RND/dpa