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Panorama Geisteskranker Doppelmörder hingerichtet
Nachrichten Panorama Geisteskranker Doppelmörder hingerichtet
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11:01 07.07.2017
Doppelmörder William Morva (kleines Bild) soll laut seiner Anwälte im Wahn getötet haben, begnadigt wurde er dennoch nicht – auch zahlreiche Demonstranten hatten sich vor der Hinrichtung gegen die Vollstreckung des Todesurteils ausgesprochen. Quelle: dpa/AP
Jarratt

Virginias Justizvollzugsbehörde teilte laut der Zeitung „Richmond Times Dispatch“ mit, die Exekution des 35-jährigen William Morva per Giftspritze am Donnerstag (Ortszeit) sei ohne Komplikationen verlaufen. Auf die Frage, ob er noch etwas zu sagen hätte, habe Morva mit „No“ geantwortet. Die Anwälte erklärten, dass der wegen zweifachen Mordes verurteilte Morva an Wahnvorstellungen litt. Beim Prozess seien die Geschworenen nicht über das Ausmaß der Krankheit informiert worden.

2006 hatte der damals wegen eines versuchten Raubüberfalls in Untersuchungshaft sitzende Morva einen Wächter und später auf der Flucht einen Sheriff erschossen. Laut Morvas Berufungsanwältin wurden die Taten von „einer chronischen psychischen Krankheit“ angetrieben. Die Tochter von einem der beiden Mordopfer bat um Gnade. Dessen Mutter verlangte die Vollstreckung des Urteils.

Wider internationaler Standards? Kritik am Prozess

Die UN-Sonderberichterstatterin zur Todesstrafe, Agnes Callamard, und der Berichterstatter für das Recht auf Gesundheit, Dainius Puras, sprachen sich gegen die Hinrichtung aus. Sie seien zutiefst besorgt, dass Morvas Prozess gegen internationale Standards verstoßen habe.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach sich nach der Exekution Morvas über Twitter erneut vehement gegen die Todesstrafe aus: Die Hinrichtung eines Mannes mit einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung sei ungeheuerlich. Die Todesstrafe solle ein für allemal abgeschafft werden.

Der demokratische Gouverneur von Virginia, Terry McAuliffe, lehnte Morvas Gnadengesuch ab. Persönlich sei er gegen die Todesstrafe, doch er habe einen Eid geleistet, die Gesetze von Virginia einzuhalten. Er sehe keine ausreichenden Gründe für Aufhebung des Todesurteils , erklärte McAuliffe. Er bete für die Hinterbliebenen der Opfer und alle betroffenen Menschen.

Im laufenden Jahr sind in den USA bislang 14 Menschen hingerichtet worden. In Virginia wurden seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 2006 ingsesamt 133 Todesurteile vollstreckt.

Von RND/epd/caro