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Panorama Frau ruft Polizei um Hilfe und wird erschossen
Nachrichten Panorama Frau ruft Polizei um Hilfe und wird erschossen
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14:24 18.07.2017
Justine Damond hatte die Polizei selbst gerufen, weil sie einer anderen Frau helfen wurde. Quelle: ap/dpa
Minneapolis

Die USA stehen womöglich vor dem nächsten Polizeiskandal. Grund sind die tödlichen Schüsse durch einen US-Polizisten auf eine Australierin im US-Staat Minnesota. Die Behörden gehen von einem Tötungsdelikt aus, entsprechende Untersuchungen wurden eingeleitet. Ein Gerichtsmediziner hatte zuvor bestätigt, dass die 40-jährige Justine Damond an der Schussverletzung im Bauch gestorben sei.

Das war passiert: Justine Damond hatte am Samstagabend die Notruf-Nummer 911 gewählt, weil sie aus einer Gasse hinter ihrem Haus Schreie einer Frau hörte, die scheinbar vergewaltigt wurde.

Hinterblieben fordern Aufklärung

Als die Beamten eintrafen, kam die gebürtige Australierin im Pyjama aus dem Haus – und wurde vom Polizisten Mohamed Noor durch das Fahrerfenster erschossen.

Wie es dazu kam, ist mysteriös. Fest steht: Das 40-jährige Opfer war unbewaffnet und der Beamte, der die tödlichen Kugel abfeuerte, saß auf dem Beifahrersitz, während sich Justine Damond mit seinem Kollegen am Steuer unterhielt.

Nach Angaben der Behörden waren die Körperkameras beider Polizisten zu dem Zeitpunkt ausgeschaltet, ebenso die im Streifenwagen fest eingebaute Überwachungskamera. Die Gründe sind nicht bekannt

Nach einem tödlichen Schuss auf eine Australierin im US-Staat Minnesota durch einen Polizisten ist die Anteilnahme groß. Die zuständigen Behörden gehen von einem Tötungsdelikt aus.

Die Hinterbliebenen des Opfers reagierten entsetzte. Der künftige Ehemann des Opfers und sein Sohn fordern von der Polizei und den Untersuchungsbehörden genaueste Aufklärung.

Bürgermeisterin: „Habe dieselben Fragen wie alle Bürger“

„Wir beide haben den liebsten Menschen verloren, den wir kennen. Wir wollen wissen, wie das passieren konnte“, sagte Don Damond mit brechender Stimme. Justine sei immer eine entschiedenen Gegnerin des US-Waffengesetze gewesen und habe stets auf die positive Wirkung des vor einigen Jahren in ihrer Heimat Australien geänderte Regelung für privaten Waffenbesitzes hingewiesen.

Die ausgebildete Tierärztin, die zuletzt als Yoga-Lehrerin tätig war, wohnte seit einigen Jahren in den USA mit ihrem Freund und Verlobten zusammen. In vier Wochen sollte Hochzeit sein.

Auch der mutmaßliche Todesschütze ist nicht in den USA geboren. Polizist Mohamed Noor stammt aus Somalia, der 31-Jährige ist erst seit zwei Jahren Polizist in Minneapolis.

Bei seiner Vereidigung hatte Bürgermeisterin Betsy Hodges ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie sich freue, dass erstmals in der Geschichte ihrer Stadt ein Mann aus Somalia den Job als Polizist antrete. Jetzt zeigte sich Betsy Hodges tief betroffen: „Ich habe dieselben Fragen wie alle Bürger“, sagte sie. Explizit nannte sie dabei auch die ausgeschalteten Körperkameras.

Erinnerungen an den Fall Philando Castile

Vor fast genau einem Jahr war in Minneapolis der Afroamerikaner Philando Castile (32) in seinem Auto von einem Polizisten erschossen worden. Er war wegen eines defekten Rücklichts angehalten worden und hatte den Beamten gesagt, dass er eine Waffe bei sich habe.

Als die Polizisten nach seinem Waffenschein fragten und Castile in die Tasche griff, hatte einer der Beamten auf ihn geschossen. Der damalige Schütze war erst vor wenigen Wochen von allen Vorwürfen freigesprochen worden.

Von Dierk Sindermann/ap/RND/zys