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Panorama Französinnen appellieren: „Verpfeif dein Schwein“
Nachrichten Panorama Französinnen appellieren: „Verpfeif dein Schwein“
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20:16 18.10.2017
Filmproduzent Harvey Weinstein: Ihm werden von zahlreichen Frauen sexuelle Übergriffe vorgeworfen. Quelle: AP
Paris

„Ein Chefredakteur, großer Radiosender, schmaler Flur, packt mich am Hals: ´Einmal werde ich dich ficken (alternativ: flachlegen), ob du es willst oder nicht.`“ Erschütternde Erlebnisberichte wie dieser der französischen Radio-Journalistin Giulia Foïs erscheinen momentan täglich, ja stündlich in den sozialen Netzwerken. Es ist eine wahre Welle, die vom Skandal um den US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ausgelöst wurde und die zeigt, dass es sich bei dessen brutal-respektlosem Umgang mit Frauen nicht um einen Einzelfall handelt.

Ähnliche Verfehlungen von Männern in Machtpositionen passieren offensichtlich ständig in den verschiedensten Branchen, von der Politik über die Medien bis zur Privatwirtschaft. Weltweit berichten davon Frauen (und seltener auch Männer) unter dem Twitter-Schlagwort #metoo („ich auch“); in Frankreich gibt es darüber hinaus den Aufruf „Verpfeif` dein Schwein“ („Balance ton porc“), gestartet von der in New York lebenden Französin Sandra Muller. Zigtausende Tweets gingen bereits raus.

Ein ähnlicher Aufschrei erfolgte in Frankreich bereits im Mai 2011, als der damalige Chef des Internationalen Währungsfonds, Dominique Strauss-Kahn, nach Vergewaltigungsvorwürfen eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel festgenommen wurde.

In der Folge meldeten sich immer mehr Frauen, die er belästigt hatte. In einem Prozess um illegale Sex-Partys mit Prostituierten musste er später sogar mit auf die Anklagebank. Plötzlich kam heraus, dass viele von Strauss-Kahns groben Belästigungen wussten, der bis dahin als beliebtester Politiker des Landes Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur gehegt hatte. Warum aber traute sich so lange niemand, etwas zu sagen? Im Land der Galanterie, wo Begegnungen zwischen Männern und Frauen generell oft sexuell aufgeladen wirken, scheint der Grat zwischen Flirt und Belästigung besonders schmal zu sein.

„Das Schlimmste ist das Schweigen, das Tabu“

2016 musste der grüne Politiker Denis Baupin nach schweren Vorwürfen mehrerer Kolleginnen von seinem Posten als Vize-Präsident der Nationalversammlung zurücktreten. Immer wieder kam es in der Parlamentskammer zu sexistischen Ausfällen, etwa als männliche Abgeordnete die Ausführungen der grünen Ex-Ministerin Cecile Duflot in einem gemusterten Sommerkleid durch Johlen und Pfeifen störten oder als die grüne Abgeordnete Véronique Massonneau durch nachgeahmte Laute von Hühner-Gegacker unterbrochen wurde.

Auch in der französischen Filmszene gelte es für die meisten als „natürlich, ja normal“, wenn eine Frau sich „hochschlafen“ müsse, schrieb nun die Schauspielerin Isabelle Adjani in einem engagierten Gastbeitrag in einer Zeitung. Das Spiel der Verführung werde oft zum Vorwand für Gewalt benutzt, die Frau sogar als mitschuldig angesehen, aber: „Wenn eine Schauspielerin verführerisch sein will, dann um eine Rolle zu bekommen, nicht um sich vergewaltigen zu lassen!“

Bereits seit einigen Monaten bereitet die für Frauenfragen zuständige Staatssekretärin Marlène Schiappa ein Gesetz zur Verschärfung des Sexualstrafrechts vor, um die Verjährungsfrist zu verlängern, sexuelle Belästigung auf der Straße zu ahnden und ein Mindestalter für einvernehmlichen Sex festzulegen. Bei einem TV-Interview vor einigen Tagen wurde auch Präsident Emmanuel Macron zu den geplanten Maßnahmen und zur Weinstein-Affäre befragt. „Das Schlimmste ist das Schweigen, das Tabu“, sagte er. „Es ist wichtig zu reden. Nicht die Frauen sollten sich schämen, sondern sie.“ Sie – die männlichen Täter, die sich bislang unangreifbar fühlten.

Von Birgit Holzer / RND

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