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Panorama Fluglotsin schickte Unglücksmaschine in die Warteschleife
Nachrichten Panorama Fluglotsin schickte Unglücksmaschine in die Warteschleife
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22:34 01.12.2016
Große Trauer nach dem Flugzeugabsturz in Kolumbien. Quelle: afp
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Medellín

Für die Angehörigen ist es unerträglich. Je mehr Details über den Absturz der Maschine mit dem brasilianischen Fußballteam AF Chapecoense bekannt werden, umso fürchterlicher wird es. Die Arena Condá im südbrasilianischen Chapecó ist nun ein Ort der Trauer, für viele ist der Club eine zweite Familie. Hier wollen sie auch Abschied nehmen, wenn die Särge aus Kolumbien überführt werden.

Am Mittwochabend sind sie wieder zu Zehntausenden da, fassen sich an den Händen, es wird getrauert, zum Zeitpunkt, als ihr Team in den grünen Trikots in Medellín zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen Atlético Nacional hätte auflaufen sollte. Gleiches in Medellín, über 50.000 Kolumbianer gedenken dort im Stadion der Opfer. Dass 71 Menschen tot sind, darunter 19 Fußballer, ist auf eine unglaublich anmutende Verkettung merkwürdiger Umstände zurückzuführen.

Der Reihe nach – soweit sich das Unglück rekonstruieren lässt:

1. Ein Teil der Delegation fliegt am Montag mit der bolivianischen Airline BoA von São Paulo nach Santa Cruz – das berichtete der Sohn des getöteten Copiloten. Von Santa Cruz soll es dann mit der Gesellschaft Lamia nach Medellín gehen.

2. Der BoA-Flug hat Verspätung, fast eine Stunde. Der anschließende Lamia-Flieger soll eigentlich einen Tankstopp im nordbolivianischen Tropenort Cobija einlegen – aber das Flugzeug kann den Flughafen nun nicht mehr bei Tageslicht erreichen. „Der Flughafen in Cobija hat kein Licht und kann daher nicht bei Dunkelheit angeflogen werden“, sagte Bruno Fernando Goytia Gómez, Sohn des Copiloten.

3. Der Tankstopp in Cobija fällt also aus. Der -Flieger hätte auch in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá zwischenlanden und tanken können. Aber der Pilot sei der Meinung gewesen, dass der Treibstoff reiche, sagte der Vertreter der Fluggesellschaft Lamia, Gustavo Vargas.

4. Im Anflug auf Medellín meldet der Pilot nur, dass er Priorität bei der Landung brauche, weil es ein Treibstoffproblem gebe – von einem Notfall sagt er zunächst nichts. Die Frau im Tower antwortet, okay, in sieben Minuten werde die Landung eingeleitet. „Ich habe eine Maschine unter Ihnen im Anflug... Wie viel Zeit können Sie in Ihrem Anflug bleiben?“, fragt die Fluglotsin.

5. Es gibt Spekulationen, dass der Pilot – Miteigner von Lamia – hohe Strafgelder vermeiden wollte. Ein Absturz aus Spargründen? Ein schlimmer Verdacht. Weil der Pilot nicht sofort „Notfall“ funkt, gibt die Fluglotsin im Tower erst einem anderen Flugzeug die Landeerlaubnis, Lamia muss in eine Warteschleife.

6. Womöglich kostet das die Passagiere das Leben. Um 21.49 Uhr – fünf Minuten vor dem Absturz – wird erstmals der Notfall gemeldet. „Wir haben einen Treibstoff-Notfall, Señorita. Deshalb erbitte ich sofort den endgültigen Kurs.“ Er müsse sofort landen.

7. Dann wird es dramatisch: „Señorita, LaMia 2933 hat einen Totalausfall, Totalausfall der Elektronik, ohne Treibstoff.“ Das Flugzeug verliert an Höhe, hat am Berg „El Gordo“ („Der Dicke“) noch knapp 2800 Meter Höhe, obwohl hier in mindestens 3000 Metern geflogen werden müsste.

8. Nach dem Notruf und dem Totalausfall der Elektronik gibt es ein kurzes Schweigen, dann gibt die Frau im Tower sofort grünes Licht zum Landen: „Freie Piste, Regen auf der Oberfläche, Lamia 2933, Feuerwehr alarmiert.“

9. Das Flugzeug scheint völlig außer Kontrolle: „Vektoren Señorita, Vektoren für die Landebahn“, sagt der Pilot verzweifelt – er fordert eine manuelle Navigation durch den Tower zur Landebahn. Er gibt seine Koordinaten durch, sie versucht ihn zu navigieren, fragt nach der Höhe.

10. Der Pilot gibt die Höhe durch: „900 Fuß Señorita“, (2740 Meter). Er fordert wieder: „Vektoren, Vektoren.“ Die Frau im Tower gibt ihm Koordinaten durch, sagt dem Piloten: „Sie sind 8,2 (See-)Meilen von der Piste entfernt.“ Das sind 15,2 Kilometer. Dann fragt sie: „Welche Höhe jetzt?“ Keine Antwort. Tower: „Welche Position, Lamia 2933?“

11. Keine Antwort. Eine männliche Stimme im Tower sagt niedergeschlagen: „Er antwortet nicht mehr.“ Das Flugzeug verschwindet vom Radar. „Sie sind nicht mehr da“, sagt die Stimme. Am Berg „El Gordo“ finden Rettungskräfte später das in drei Teile zerbrochene Wrack. Dass das Flugzeug nicht explodiert ist, wird von Luftfahrtexperten als klares Signal gewertet, dass die Tanks praktisch komplett leer waren.

Auf Basis der bisherigen Untersuchungen am Unglücksort geht die kolumbianische Luftfahrtbehörde deshalb davon aus, dass das Flugzeug mit dem brasilianischen Fußballteam Chapecoense an Bord wegen Treibstoffmangels abgestürzt ist. „Wir haben Ermittlungen eingeleitet, um herauszufinden, warum es nicht genug Treibstoff gab“, sagte der für Flugsicherheit zuständige Sekretär Freddy Bonilla. Bei dem Absturz waren 71 Menschen ums Leben gekommen, sechs Insassen der Maschine überlebten.

Von dpa/afp/RND/wer

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