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Panorama Fahrdienstleiter legt Geständnis ab
Nachrichten Panorama Fahrdienstleiter legt Geständnis ab
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10:23 10.11.2016
Der 40 Jahre alte Michael P. räumte zum Prozessauftakt das fehlerhafte Setzen von Signalen ein. Quelle: dpa
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Traunstein

Im Prozess um das Zugunglück von Bad Aibling mit zwölf Toten hat der angeklagte Fahrdienstleiter Michael P. verhängnisvolle Fehler gestanden. Der 40-Jährige räumte am Donnerstag vor dem Landgericht Traunstein ein, ein Sondersignal gegeben zu haben, das er nicht hätte geben dürfen, und einen Notruf falsch abgesetzt zu haben. Er gestand auch, trotz eines Verbots während der Arbeit mit dem Handy gespielt zu haben.

Die Verteidigung von Michael P. ergänzte das Geständnis mit dem Hinweis, dass ihr Mandant eine Verletzung der Sorgfaltspflicht gestanden habe. Es bleibe im Prozess aber zu klären, inwieweit er sich auch pflichtwidrig verhalten habe. Bei dem Unfall waren am Faschingsdienstag zwei Regionalzüge frontal zusammen gestoßen.

Entschuldigung gegenüber Hinterbliebenen

Der Angeklagte ließ sein Geständnis von seinen Verteidigern verlesen. Er wandte sich aber mit einigen persönlichen Worten auch direkt an die Hinterbliebenen der zwölf Toten und an die 89 Verletzten.

Rettungskräfte am 9. Februar 2016 an der Unfallstelle in Bad Aibling. Quelle: dpa

Er wisse, dass die Familien großes Leid erfahren hätten, sagte der 40-Jährige. „Ich weiß, dass ich das nicht mehr rückgängig machen kann, auch wenn ich mir nichts anderes wünschen täte.“

Michael P. wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Er soll bis kurz vor dem Frontalzusammenstoß der beiden Züge am 9. Februar ein Fantasy-Rollenspiel auf seinem Smartphone gespielt haben. Bei dem Bahnunglück in Oberbayern - einem der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte - wurden zwölf Menschen getötet und fast 90 Insassen der beiden Bahnen verletzt.

Zugunglück von Bad Aibling

Das Zugunglück von Bad Aibling gilt als eines der schwersten in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Beim Frontalzusammenstoß zweier Nahverkehrszüge am 9. Februar 2016 starben 12 Menschen, fast 90 Insassen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Eine Chronologie der Ereignisse:

  • 9. Februar: Um 6.47 Uhr krachen am Stadtrand von Bad Aibling auf eingleisiger Strecke zwei Züge ineinander. Ein Triebwagen wird aus dem Gleis geworfen, der andere bohrt sich in einen Waggon des anderen Zuges, schlitzt ihn regelrecht auf. Zehn Opfer werden tot geborgen, fast 90 Insassen verletzt. Noch am Abend wird bekannt, dass das Unglück auf menschliches Versagen zurückgeht.
  • 10. Februar: Ministerpräsident Horst Seehofer und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (beide CSU) besuchen die Unglücksstelle. „Bayern trauert“, sagt Seehofer. Danach beginnen die Bergungsarbeiten.
  • 11. Februar: Die Zahl der Toten erhöht sich auf elf. Ein 47-Jähriger erliegt in einer Klinik seinen schweren Verletzungen.
  • 12. Februar: Die dritte und damit letzte Blackbox wird in den Trümmern gefunden. Der Fahrtenschreiber zeichnet relevante Informationen während der Fahrt auf.
  • 14. Februar: In einem bewegenden ökumenischen Gottesdienst gedenken Hunderte Trauergäste der Opfer des Zugunglücks.
  • 16. Februar: Die Staatsanwaltschaft bestätigt, dass menschliches Versagen zu dem Unglück geführt habe. Gegen den Fahrdienstleiter läuft ein Ermittlungsverfahren. „Hätte er sich regelgemäß, also pflichtgerecht, verhalten, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese.
  • 17. Februar: Dobrindt lehnt vollautomatische Sicherheitssysteme im Zugverkehr ab. Am Ende der Sicherheitskette müsse immer ein Mensch stehen, sagt er im Bundestag.
  • 20. Februar: Elf Tage nach dem Unglück wird der Zugverkehr auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim wieder aufgenommen. Mancher Reisende hat ein mulmiges Gefühl, andere sind gelassen.
  • 7. März: Bei einem ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom würdigen katholische und evangelische Kirche den Einsatz der Helfer beim Zugunglück. Bei einem Empfang sagt Seehofer zu den Helfern: „Ich verneige mich vor Ihnen im Namen des Freistaats Bayern.“
  • 28. März: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagt der „Bild“-Zeitung, dass der Fahrdienstleiter beim Auslösen eines Alarms an die beiden Lokführer einen falschen Knopf gedrückt habe. Dadurch sei der Notruf nicht in den Zügen angekommen.
  • 12. April: Der Fahrdienstleiter kommt in Untersuchungshaft. Beim Auslesen seines Smartphones hat sich herausgestellt, dass der 39-Jährige bis unmittelbar vor der Katastrophe vorschriftswidrig auf seinem Handy Computerspiele spielte. Das Mitleid der Opfer mit dem Mann schlägt in Wut um.
  • 13. April: Die Zahl der Todesopfer steigt auf zwölf. Gut zwei Monate nach dem Unglück erliegt ein 46-Jähriger aus dem Landkreis Rosenheim im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.
  • 18. Juli: Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhebt Anklage gegen den Fahrdienstleiter. Sie wirft ihm fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.
  • 22. September: Das Landgericht Traunstein lässt die Anklage zur Hauptverhandlung zu und kündigt den Prozessbeginn für 10. November an. Bis 5. Dezember sind sieben Verhandlungstage anberaumt.
  • 7. Oktober: Nahe der Unglücksstelle wird eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer eingeweiht. Die drei Meter hohe Skulptur ähnelt einer aufgestellten Eisenbahnschiene und soll die Wucht des Zusammenstoßes der beiden Züge symbolisieren.

Von dpa/afp/RND/zys

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